Kapitalismus und Demokratie
Ein demokratisches System ist automatisch ein kapitalistisches. Der Wunsch nach Eigentum, der sich im Kapitalismus ausdrückt, ist unverzichtbar für die Demokratie. Weil man den Wunsch nach Eigentum nicht verneinen kann, ohne damit zwangsläufug die Demokratie zu verneinen.
Wer hat das gesagt?
a) Guido Westerwelle (FDP)
b) André F. Lichtschlag (efDP)
c) Karl Lauterbach (SPD)
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12 Kommentare »
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Hab ich das nicht heute in nem Interview in der WamS gelesen. Karl Lauterbach wars. Besser fand ich aber: “Als überzeugter Marktwirtschaftler bin ich für Wettbewerb im Gesundheitswesen – aber auf Basis einheitlicher Preislisten.” Einheitliche Preise? Wettbewerb? Wie?
Kommentar von Bisamratte — 22.07.07 16:34 #
Och, das ging ja schnell. Na ok, AFL wäre ja weggefallen (weil er der Überzeugung ist, dass Demokratie und Sozialismus sehr wohl zusammenpassen *g*) und Westerwelle, weil man von dem eh nix hört.
Das ist die Crux mit den Sozialliberalen: überzeugte Marktwirtschafter möchten sie schon gern sein dürfen können – aber mit der Adaption in der Praxis hapert’s dann meist gewaltig…
Kommentar von jo@chim — 22.07.07 16:45 #
Vor allem mit ihrer Definition von “Eigentum”, denn das ist nur solange privat und gesichert, solange es nicht den großen Interessen des deuschen Volkes zu wider läuft, die natürlich durch a) Regierung und b) Interessensvertretern aus Industrie oder NGOs festgelegt werden.
Warum sonst müssten Bauern ihre Felder für eine weitere überteuerte Umgehungsstraße, die nur notwendig ist, weil man die alte Straße nicht ordentlich sanieren kann bzw. sie mit 30 km/h Schildern vollpflastern muss.
Tja, das ist der Eigentumsausdruck der da heraus sticht…
Kommentar von Max — 22.07.07 17:52 #
Sozial-liberal? Ich habe immer noch nicht begriffen, wie das geht…
Sprache ist – wie jedes Medium – so geduldig: Alles lässt sich umwerten.
Allein, es kommt auf das Handeln an.
Kommentar von Bodo Wünsch — 22.07.07 23:01 #
Sozial-liberal? Ein Oxymoron!
Demokratischer Sozialismus? Ein Pleonasmus!
Jede Demokratie kommt unweigerlich früher oder später an ihrem logischen Endpunkt an: dem Sozialismus. Wenn man einmal den Mehrheitsentscheid als prozedurales Verfahren der kollektiven Wahlhandlung akzeptiert hat, dann okkupiert dieses Prinzip immer weitere Bereiche der Lebenswirklichkeit und entzieht sie der Sphäre des bis dahin als “privat” für unantastbar gehaltenen und durch überkommenes, “vor-demokratisches” Rechtsempfinden geschützten.
HHH mag man ja aus guten Gründen für problematisch halten, aber doch eher wegen seiner sachfremden Aussagen in Fußnoten und Interviews. Seine Demokratiekritik ist im Kern einleuchtend und in meinen Augen nach wie vor brillant!
Kommentar von DDH — 22.07.07 23:29 #
Die Demokratiekritik in all ihren Facetten ist mir durchaus bekannt – doch D. ist ‘nunmal’ eine Entscheidungsfindungsmethode, wenn auch eine mangelhafte.
‘Wir’ kommen dennoch um die Frage nicht herum: Wer entscheidet im Konfliktfall? ‘Öffentlich’ ist es das d. Verfahren, ‘privat’ ein Gericht. Nebenbei: In der BRD ist durchaus ein Trend weg von d. Entscheidungen hin zu richterlichen Entschdeidungen zu beobachten. Fast alle ‘wichtigen’ Fragen landen irgendwann vor dem BVerfG.
Kommentar von Bodo Wünsch — 23.07.07 08:36 #
Die Demaskierung Lauterbachs als des wohl fragwürdigsten intellektuellen Stichwortgebers der heraufdämmernden Wohlfahrtsdiktatur, gelingt Carlos A. Gebauer in der FAZ in seinem genüßlich zu lesenden Verriß der neuesten Karl-Lauterbach-Kampfschrift “Der Zweiklassenstaat”.
Kommentar von DDH — 23.07.07 13:39 #
Ganz eifrige wollen auch wissen, dass es Kapitalismus nur in Zusammenhang mit westlicher Demokratie gebe.
Also nicht nur: Keine Demokratie ohne Kapitalismus, sondern auch: Kein Kapitalismus ohne Demokratie
In China scheint er aber auch im Zusammenhang mit einer Ein-Parteidiktatur zu funktionieren.
Kommentar von BvG — 06.08.07 15:58 #
“China widerlegt das bis heute geltende westliche Axiom, wonach es für eine florierende Wirtschaft, wissenschaftlichen Fortschritt, bürgerliche Freiheitsrechte, ein demokratisches System, freie Forschungstätigkeit, die offene, pluralistische Gesellschaft, gepaart mit Innovationskraft, braucht”,
habe ich kürzlich geschrieben: http://arlesheimreloaded.ch/article/china
Kommentar von M.M. — 06.08.07 16:20 #
Ist das Privateigentum in China wirklich vor den Zugriffen des Staates geschützt ? Darf privates Anlegerkapital in China wirklich frei investiert werden, ohne die Erlaubnis der staatlichen Behörden einzuholen ? Für Edmund Phelps herrscht in China ja eher Korporatismus.
Kommentar von tigger — 06.08.07 18:36 #
@M.M.: Diese Aussage halte ich für zu mindestens 90% falsch. Wenn sie wahr wäre, hätte China auch vor Dengs Reformen schon floriert. Der Aufschwung Chinas ging Hand in Hand mit einer “Tolerierung” des Privateigentums, der Zulassung privater wirtschaftlicher Initiative und einer zumindest graduellen Verbesserung der Menschrechtslage. China ist also sehr wohl offener und pluralistischer geworden. Demokratischer wurde es indes nicht.
Kommentar von Christian Hoffmann — 07.08.07 14:29 #
Eine Gaststudentin aus China meinte kürzlich zu mir in Bezug auf die deutsche Eigenheimförderung, Deutschland sei im Vergleich mit China das kommunistische Land, nicht umgekehrt. :)
Kommentar von BvG — 09.08.07 15:36 #