Vor 30 Jahren starb Ludwig Erhard.
Der parteilose Ludwig Erhard war ein Antibürokrat, von dessen Haltung, Weitsicht, Verantwortung und Entscheidungsweisheit Deutschland noch heute zehrt. Über 60 Jahre zunehmend einflussreicher Sozial-Demokratismus konnten die Fundamente seiner “Sozialen Marktwirtschaft”, wie er sie nannte oder vielleicht nennen musste, noch immer nicht erschüttern. Zu wirkungsmächtig waren und sind ihre Grundkonstanten; es waren die Wirkungen dieser Konstanten, die etwa dem Experiment “DDR” unter großen Opfern schließlich ein Ende bereiteten, und nicht etwa die “Tat” des in meinen Augen als Politiker vollkommen überschätzten Kommunisten Gorbatschov, der schließlich nur noch mit ein klein wenig “Perestroika” und “Glasnost” zu hantieren brauchte, um eines der gewaltigsten sozialistischen Luftschlösser implodieren zu lassen, die die Menschheit je zu gewärtigen hatte.
Die Hoffnung, dass die Lehren der Österreichischen Ökonomischen Schule neue und vor allem breitere Aufmerksamkeit erhalten als bisher, möchte ich nicht aufgegeben. Erhards eigentliche Wirkung für wirtschaftliche Freiheit – und viel wichtiger: was mit ihr konsequenterweise zusammenhängt – ist meines Erachtens noch nicht annähernd ausreichend gewürdigt. – Hier und heute also ein bescheidener Beitrag dazu.
18 Kommentare »
RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel. TrackBack URI
Einen Kommentar hinterlassen
You must be logged in to post a comment.
--- Alle Beiträge anzeigen ---
Powered by WordPress 2.2.1 DE


antibuerokratieteam.de






Bingo!
Der neben Eugen Richter bedeutendste Liberale unserer Geschichte war niemals Mitglied der CDU (oder der FDP)!!!
Die Hoffnung auf eine Revitalisierung der Austrian Ideas teilen wir! :-)
Siehe auch den aktuellen eigentümlich frei -Schwerpunkt:
18 Das deutsche Wirtschaftswunder: Woher kam es? Wohin ging es? (von Robert Grözinger)
20 Denker der Freiheit: Ludwig Erhard, der Sozialrevolutionär (von Gerd Habermann)
24 Gestern und heute: Der Mief von 50 Jahren (von David Schah)
Kommentar von DDH — 06.05.07 00:33 #
Strammstehen am Trauerflor! Und so siegt man mit Heinz Erhardt, sorry, dem anderen, retrospektiv noch einmal über Bärbel Bohley … nix gegen den ollen Ludwig, der war schon in Ordnung, unsereins verteidigt den ja normalerweise gegen euch, aber dann doch ein wenig auf dem Teppich bleiben mit imperialen Gedankengütern und dem Absprechn des Rechts auf eigene Geschichte, das andere Weltregionen, z.B. jene direkt hinter der Elbe, dann auch haben. Wie war das noch mit der Solidarnosc? Ach so, war ja ‘ne Gewerkschaft …
Und war’s nicht der Ludwig-Erhardt Kanzlerschafts-Wahlkampf, bei dem so süffisant von “Brandt alias Frahm” die Rede war? Das muß man schon mitdenken beim “Wirtschaftswunder” … mit der Konjunktur gehen ist ja auch eine Form des Marschierens.
Kommentar von MomoRules — 06.05.07 09:34 #
Über Erhard (heute) zu lesen, über Erhard (heute) zu befinden – und das aus Sicht einer fernen Geschichte – ist das Eine. Die Erkenntnisse mögen deshalb nicht immer falsch sein.
Das Andere aber, ist das persönliche Erleben. Ich hatte die Möglichkeit der unmittelbaren Begegnung und des Gesprächs.
Es war nur ein Satz (1963) von ihm, der meine politische Haltung nachhaltig geprägt und der quasi immerwährende Gültigkeit hat:
“Wenn der Staat den Bürgern eine Mark geben will, muß er zuvor diesen Bürgern zwei Mark genommen haben. Wäre es da nicht sinnvoller, die Bürger besorgten dies selbst?”
Wie ich meine, die Grundformel der bürgerlichen Freiheit und der notwendigen Zurückhaltung des Staates. Einer der Wenigen, der dies begriffen hat, wurde erst kürzlich als “der Professor aus Heidelberg” verunglimpft.
Eine alte Tradition der Linken seit Erhard.
Kommentar von KST — 06.05.07 09:35 #
@Momo
Hilft alles nix, Momo: Erhard (ohne ‘t’) lässt sich nicht als (rechter) Antipode zur Linken positionieren. Von Dir bin ich bessere Winkelzüge zu lesen gewohnt ;-)
Erhard war ein unausgesprochen Liberaler, wie wir ihn uns eigentlich nur herbeisehnen könnten. Und die “Grundkonstanten”, von denen ich sprach, nun: Sie gelten wohl universell – unabhängig historisch-regionaler Bedingungen.
Was die Adenauer-Clique (ja, so nenne ich sie) sonst so angestellt hat (ja, “Brandt alias Frahm” war in der Tat eine mehr als verlogene
bräunlicheKampagne) -jo mei, dafür kann doch der olle Ludwig nix. (ich glaube, dass es ihm schlicht wurscht war).Kommentar von Bodo Wünsch — 06.05.07 14:05 #
@Bodo:
Ich wollte Erhard selbst nicht zum Rechten erklären, aber daß der in dieser Adenauer-Suppe dannn eben rumschwamm, das ist ja auch kein Zufall – wenn’s ihm schnurz war, isses zudem ein Symptom. Aber ansonsten bin ich sogar ganz dafür, aktuell mal an ihn zu erinnern.
Und das mit der Diskussion, was denn nun universal ist und was nicht und wie sich das so verhält mit Faschismus und Kapitalismus, das verschieben wir mal auf später ;-) … vielleicht kann ja Herr Rainer Lang das über den Weg einer Devianztheorie übernehmen.
Kommentar von MomoRules — 06.05.07 15:34 #
»Was die Adenauer-Clique (ja, so nenne ich sie) sonst so angestellt hat (ja, “Brandt alias Frahm” war in der Tat eine mehr als verlogene bräunliche Kampagne)…«
Nur ein paar kleine Anmerkungen:
1. der Chef der “Adenauer-Clique”, nämlich Konrad Adenauer himself, ist mir sowohl mit seiner Biographie wie auch Politk — offen gesagt — beim Gesäß lieber, als dieser Brandt alias Frahm beim Gesicht (ich habe mich bemüht, eine volkstümlich-wienerische Redewendung ins Hochdeutsche zu übersetzen — sollte sie in Deutschlands Norden noch immer unverständlich sein, bitte ich um Entschuldigung).
2. In Anbetracht der Biographie Adenauers würde ich (wenngleich gestrichen, so doch leserliche) angeblich “bräunliche” Kampagnen Adenauers als gelinde gesagt infame Unterstellung bezeichnen. Adenauer befand sich in der Nazi-Zeit fürwahr in unangenehmeren Situationen als Brandt alias Frahm, der ein Gutteil dieser Zeit im sicheren Port des Auslands verbrachte.
3. Wenn ich mir so ansehe, was die Regierung Brandt alias Frahm so alles verbrochen hat, kann ich jedes Verständnis aufbringen, daß hellsichtigere Kreise in Deutschland davor alles daran setzten, daß dieser Mann (als “Herrn” möchte ich — nein, bessergesagt: kann man — ihn nicht leicht bezeichnen) möglichst nicht Bundeskanzler wird.
Ich wollte Erhard selbst nicht zum Rechten erklären, aber daß der in dieser Adenauer-Suppe dannn eben rumschwamm, das ist ja auch kein Zufall – wenn’s ihm schnurz war, isses zudem ein Symptom.
… und schwupps! Schon ist in der Geschichtsklitterung der Nachkommen der Altachtundsechziger ein Konrad Adenauer “zum Rechten” (und damit quasi vogelfrei) “erklärt”. Geschichte für Halbgebildete, kommt mir dazu in den Sinn …
Kommentar von LePenseur — 06.05.07 21:15 #
Nachkommen der Altachtundsechziger … jene, die Liberalismus nicht auf die Freiheit wirtschaftlichen Handelns skelettieren und es wagen, auch konservativ-zentristisches Unverständnis bezüglich des Widerstandes gegen den Faschismus zu thematisieren?
Ja, da sind Sie hier goldrichtig, LePenseur!
Kommentar von jo@chim — 06.05.07 22:46 #
@Jo@chim:
Daß Du dabei auch noch applaudierst, habe ich ja fast befürchtet … glaubst Du an Deine Glaubwürdigkeit?
@LePenseur:
Entschuldigen Sie bitte, ist Ihnen aufgefallen, daß Sie gerade behauptet haben, daß sämtliche Heroen der “inneren Emigration” es natürlich drastisch schlechter hatten als die gesamte Emigration, jene im Exil, die gerade noch Ihre Haut retten konnten und jene, die noch irgendwie versuchten Widerstand zu organisieren?
Hallelujah! Der glückliche Walter Benjamin, die frohlockende Else-Lasker Schüler, der satte Toller … mal ganz zu schweigen von Ossietzky und anderen. Alles kein Vergleich mit Adenauer (dessen Westbindungspolitik natürlich richtig war, finde ich ja auch, ebenso die hier fortwährend attackierte europäische Vision. Sehe den eher als ambivalente Figur, der wenn’s ernst wurde aber wenig Probleme hatte, im braunen Sumpf zu fischen – war ein Pragmatiker mit auch vielen guten Seiten).
Und mit was für einer Selbstverständlichkeit Sie hier dieses “Brandt alias Frahm” wiederholen, das widert mich an. Eben auch daran zeigte sich ja die Kontinutät, die Sie ganz offensichtlich wieder herstellen möchten: Diese Hetze gegen uneheliche Kinder z.B., auch darauf bezog sich ja “Brandt alias Frahm”, die reihenweise Frauen in den Selbstmord trieb, z.B.. Das Fortbestehen des Paragraphen 175. Die Politik, “Mischlingskinder” aus ihren Familein zu reißen und in Heime zu stopfen, “Rassenschande” halt. Diese ganzen Nazis, die dann in Gerichten und Behörden saßen. Hätten Sie wahrscheinlich gerne zurück, so wie Sie hier schreiben … und all den anderen, fortbestehenden braunen Sumpf von damals auch. Sorry, aber mein Vater, der als 17-jähriger im Volkssturm noch ein Bein inmitten Westfalens verloren hat, hätte Ihnen vor die Füße gekotzt … aber Hauptsache, Schlesien bleibt unser, Brandt, dieser Verbrecher, hat’s uns ja weggenommen! Wenn mein Pommerscher Großvater Sie lesen könnte, würde spätetstens jetzt dahinscheiden – Schock. Und der hat ‘ne Widerstandsrente kassiert. Sie auch?
Kommentar von MomoRules — 06.05.07 23:52 #
@Momo: welcher Applaus?
Kommentar von jo@chim — 07.05.07 00:18 #
Hab ich das in meiner Verve falsch verstanden, daß Du LePenseur applaudiertest? Falls ja, entschuldige ich mich hiermit …
Kommentar von MomoRules — 07.05.07 08:24 #
Gegen die Kapitulation einiger Libertärer vor reaktionärem Populismus (um das hier einmal zurückhaltend auszudrücken – ich hab’s auch schon drastischer formuliert) schreibe ich doch gerade an.
Ich mach mir schon etwas Sorgen um Deinen Adrenalinpegel, dass Du das nicht (mehr) siehst, lieber Momo ;-)
Kommentar von jo@chim — 07.05.07 09:38 #
Ist ein eingermaßen empfindliches Thema, da machst Du Dir zu Recht Sorgen … jene oben erwähnten Verwandten waren SPDler, mein Vater in Landtag, Kreistag und als Bürgermeister (zu Zeiten der sozialliberalen Koalition), und der hatte gute Gründe, Willy Brandt-Fan zu sein. Und selbst wenn man keinen einzigen dieser Gründe teilt, muß man ja nicht, rechtfertigt das nicht diese Hetze gegen dessen Biographie. Der familiäre Hintergrund erklärt aber vielleicht, wieso ich da im wahrsten Sinne des Wortes rot sehe. Verzeih mir diesen persönlichen Passus, eigentlich sollte das ja keine Rolle spielen … Willy Brandt ist für mich tatsächlich ein hochemotionales Thema.
Kommentar von MomoRules — 07.05.07 10:03 #
Brandt! Sowieso ein spannendes Thema, sowieso eine spannende Persönlichkeit… der liberale Ökonomie-Zentrismus wird nie begreifen, was dieser Mann abseits der blöden rinks/lechts-Schablone auf einer Ebene geleistet hat, auf die es andere nie geschafft haben.
ad ‘Universalität’: Das, was ich mit “Grundkonstante” oben etwas hölzern umschrieben habe, gibt es auf mehreren Ebenen menschlicher Existenz. Ihre Erkenntnis ist eigentlich gar nicht so schwer – schwer ist nur, dass man vielleicht so manche liebgewonnene Position im wahrsten Sinne des Wortes “opfern” muss, z.B. die Vorstellung, eigene Wertvorstellungen hätten allein deswegen “Vorrang”, weil sie eigene sind… – und ich gebe zu, fiel/fällt mir auch schwer, weil ich etwa Erhard UND Brandt für gewisse Seiten ihres Wirkens auf Knien danken möchte – wohl wissend, das noch andere Wege nach Rom führen, und dass man sie auch ohne Ludwig und Willy hätte gehen können. These/Antithese/Synthese: 1. gut, dass es sie (Erhard, Brandt) gab. 2. schlimm, dass es sie geben musste. 3. es gab sie, und nichts lässt sich daran ändern ;-)
Kommentar von Bodo Wünsch — 07.05.07 10:33 #
@MomoRules:
»… mein Vater in Landtag, Kreistag und als Bürgermeister (zu Zeiten der sozialliberalen Koalition), und der hatte gute Gründe, Willy Brandt-Fan zu sein.«
Na, dann …
»… ist Ihnen aufgefallen, daß Sie gerade behauptet haben, daß sämtliche Heroen der “inneren Emigration” es natürlich drastisch schlechter hatten als die gesamte Emigration, jene im Exil, die gerade noch Ihre Haut retten konnten und jene, die noch irgendwie versuchten Widerstand zu organisieren?«
Nein, das ist mir nicht aufgefallen, weil ich es auch nicht behauptet habe. Aber mir ist z.B. aufgefallen, daß Sie in typisch linker Geschichtsfälschung die innere Emigration in Anführungszeichen setzen (denn das waren zumeist böse Konservative).
Aber nun zum unterschwelligen Vorwurf: nein, ich denke nicht, daß sämtliche Heroen der inneren Emigration es drastisch schlechter hatten als die gesamte Emigration, aber ich denke sehr wohl, daß viele ersterer es schlechter hatten als viele zweiterer. Wenn ich mir z.B. einen Reinhold Schneider (”Wer in aller Welt war denn das?”, werden Sie vielleicht fragen) im Hunger und Bombenhagel — die er beide, weiß Gott!, nicht verschuldete — unter der ständigen Bedrohung durch die Gestapo, dann will mir das Schicksal z.B. eines Thomas Mann vergleichsweise gemütlich erscheinen. Aber die wahren Heroen sind offenbar nur jene, welche nachkriegszeitgeistkompatible Politbiographien aufweisen …
Und vieleicht sollten Sie auch meinen Text sorgfältiger lesen, denn ich habe die Biographie Adenauers nicht mit der eines Carl von Ossietzky verglichen, sondern mit der des Herrn Frahm alias Brandt. Und da will mir ein Adenauer in Gestapohaft gegenüber einem Brandt in schwedischer Emigration nicht eben bevorteilt erscheinen. Und, um es auf den Punkt zu bringen: ich denke auch nicht, daß dieser Brandt (resp. damals noch Frahm) einem Herrn von Ossietzky auch nur annähernd das Wasser reichen kann.
Und mit was für einer Selbstverständlichkeit Sie hier dieses “Brandt alias Frahm” wiederholen, das widert mich an. Eben auch daran zeigte sich ja die Kontinutät, die Sie ganz offensichtlich wieder herstellen möchten: Diese Hetze gegen uneheliche Kinder z.B., auch darauf bezog sich ja “Brandt alias Frahm”, die reihenweise Frauen in den Selbstmord trieb, z.B..
Nun, heute ist unser Verständnis für uneheliche Kinder sicherlich größer als noch in den 60er Jahren, denn damals war die uneheliche Geburt noch ein Makel — nur: das hatte nichts mit den Nazis zu tun, sondern mit den Moralvorstellungen der Kirchen (damals sowohl der katholischen wie der evangelischen!) und des Bürgertums, also beides Kräfte, die von den NAizs erbittert bekämpft wurden. Sorry, der von Ihnen konstatierte angebliche “braune Sumpf” ist, wenn überhaupt, diesfalls höchstens ein “schwarzer” …
Sorry, aber mein Vater, der als 17-jähriger im Volkssturm noch ein Bein inmitten Westfalens verloren hat, hätte Ihnen vor die Füße gekotzt
So sehr haßte Ihr Vater Konrad Adenauer? So sehr liebte er Brandt, daß er einem wildfremden Menschen, der nichts weiter tut, als in Adenauer eine Ehrenmann, in Brandt hingegen einen wetterwendischen Kniefallpolitiker (und damit meine ich nicht jenen bekannten in Polen, sondern die vielen vor SED-Bonzen, die die Wiedervereinigung Deutschlands über lange Jahre verzögerten!) mit patentierter Gutmenschenmasche zu sehen, vor die Füße kotzt? Tz, tz tz …
Wenn mein Pommerscher Großvater Sie lesen könnte, würde spätetstens jetzt dahinscheiden – Schock. Und der hat ‘ne Widerstandsrente kassiert. Sie auch?
Schwer möglich, da ich nach dem Krieg geboren wurde.
Nur eine kleine Frage zum Schluß: geht’s noch ein bisserl untergriffiger, cher Momo?
Kommentar von LePenseur — 07.05.07 11:15 #
der nichts weiter tut, als in Adenauer eine Ehrenmann, in Brandt hingegen einen wetterwendischen Kniefallpolitiker
tut mir leid, das stimmt nicht. Dann hätten Sie seinen ursprünglichen Namen nicht wiederholen müssen. Das Momo ihn erwähnt hat, hat seinen guten Grund, daß Sie ihn erwähnten, geht auf ihre Aversion zurück.
Sie wissen doch besser als ich wie er als Oberbürgermeister fast alle seine Projekte, Rheinbrücke, Hafen, Messe, Universität, finanziert hat. Sie wissen auch den Schuldenstand der Stadt Köln nach dem OB Adenauer. Wäre das ein Sozi, würden Sie ihn verdammen. Aber er war ja ein Konservativer.
Da es hier um Ludwig Erhard geht, empfehle ich Ihnen, den Briefwechsel Adenauer Erhard nachzulesen. Der alte Konrad konnte ganz schön fies sein. Aber auch Erhard ist nicht nur eine Lichtgestalt. Seine größte Stärke war gleichzeitig seine größte Schwäche: Seine Persönlichkeit. Was mich an Erhard beeindruckt, ist die persönliche Verpflichtung, die er in seinem Amt sah, die Wirtschaft zum Nutzen ALLER und nicht nur der Interessengruppen zu fördern. Auch aus diesem Grund ist dieser Briefwechsel lesenswert.
Ich sehe das wie Herr Wünsch und das ist selten genug.
Adenauer und Erhard nur Positives zuzusprechen ist ebenso falsch wie Brandt nur Negatives.
Kommentar von Libero — 07.05.07 12:21 #
@Libero:
Adenauer und Erhard nur Positives zuzusprechen ist ebenso falsch wie Brandt nur Negatives.
Okay, bringen wir die Sache wieder auf den Ausgangspunkt zurück (politische Diskurse neigen leider dazu, abzuschweifen):
Kollege Wünsch schrieb:
ja, “Brandt alias Frahm” war in der Tat eine mehr als verlogene bräunliche Kampagne
(wobei das Wort “bräunliche” durchgestrichen lesbar war — meine bescheidenen internet-technischen Fähigkeiten reichen leider nicht, diesen aparten Effekt exakt wiederzugeben). Und genau dagegen schrieb ich meine Stellungnahme: Adenauer eine (selbst gestrichen) “bräunliche” Kampagne zu unterstellen, ist einfach infam. Und wenn ich dann Elogen über ebendiesen Herrn Brandt lese, wie vorbildlich der doch und überhaupt und außerdem, dann erlaube ich mir, etwas süffisant zu reagieren.
Darauf ebenso süfisant zu replizieren bleibt jedermann selbstredend unbenommen (freilich auf die Gefahr hin, daß ich dann dupliziere). Mir dann jedoch anhören zu können, ich hätte gerne die Nazis zurück, geht m.E. etwas zu weit (wobei ich Kollegen MomoRules’ Entgleisung insoferne verzeihlich finde, als er später seine emotionelle Befangenheit in Sachen Willy Brandt dargelegt hat).
Kein Zweifel: auch Adenauer und Erhard waren nicht reine ungetrübte Lichtgestalten — aber solche verirren sich eben nur selten in die Politik, und schon überhaupt icht in eine Parteipolitik nach dem Strickmuster westlicher Demokratien. Hier sind immer nur mehr oder weniger dubiose Gestalten überlebensfähig. Wer “Herren” und “Ehrenmänner” in der Politik sucht, wird wohl mindestens bis in Zeiten der konstitutionellen Monarchie (d.h. in jene Zeiten, in denen sich Minister dem Monarchen und dessen Staatswesen verantwortlicher fühlten, als irgendwelchen Parlamentsfraktionen) zurückgehen, und selbst damals waren sie in der Minderzahl.
Aber immerhin: es gab sie, und allein das ist ein Grund, des guten alten Herrn von Montesquieu Gedanken “Über den Geist der Gesetzgebung” als bemerkenswerte Alternative zur derzeitigen Parteiendemokratie zu schätzen. Womit ich bei meinem alten Steckenpferd, dem “3M-Gestirn” geistvoller Franzosen (Montaigne-Montesquieu- Maistre), gelandet wäre. Aber das ist jetzt eine ganz andere Geschichte …
Kommentar von LePenseur — 07.05.07 15:37 #
Lichtgestalten verirren sich ohnehin sehr selten in das pralle Leben. Ich kann hier in diesem blog keine entdecken.
Den Ausrutscher in der Formulierung dürfen Sie Herrn Wünsch nicht nachtragen. Den weisst man mit einem Satz zurück.
Herr Wünsch hat ohnehin ein etwas anderes politisches Koordinatensystem. Aber das haben Sie sicherlich schon gemerkt.
Kommentar von Libero — 07.05.07 16:24 #
@Libero:
Lichtgestalten verirren sich ohnehin sehr selten in das pralle Leben. Ich kann hier in diesem blog keine entdecken.
Des is aber gar net nett von Ihna — und ich hab’ doch so g’hofft, daß wenigsten i … ;-)
Kommentar von LePenseur — 07.05.07 17:09 #