“Sie müssen es billiger machen!”
Ist es nicht wunderbar, wenn Politiker diesen dämlichen Unternehmern und Managern einmal erläutern, wie sie ihr Geschäft am besten und am profitabelsten betreiben können? Denn die haben nun wirklich keine Ahnung von ihrem Job und müssten daher dankbar dafür sein, wenn ihnen unsere gewählten Volksvertreter endlich einmal zeigen, wo es wirtschaftlich langgeht. Schließlich sind sie dazu qua Amt befugt und qualifiziert (durch sonst allerdings nichts).
Mit gutem Beispiel voran geht wie immer unsere Bundeskanzlerin. Sie hat gerade die Computermesse CeBIT eröffnet und dabei quasi nebenbei ein innovatives Geschäftsmodell für die IT-Branche vorgestellt. In ihrer neuen Rolle als ehrenamtliche Unternehmensberaterin erklärte Angela Merkel den versammelten Managern “Sie kriegen mehr Kunden, wenn Sie es billiger machen!” und forderte die Einführung kostengünstigerer Internet- und Handytarife.
“Mehr Kunden: vielleicht,” werden sich die Manager gedacht haben, “mehr Kosten aber wohl auch, und ob sich das dann wohl rechnet, wenn wir alles billiger machen?” Zu widersprechen wagte der Kanzlerin aber offenbar niemand.
Schade eigentlich. Es wäre doch eine gute Gelegenheit für einen der angesprochenen Manager gewesen, Frau Merkel das Mikrofon aus der Hand zu reißen und ihre freundlichen Ratschläge zu erwidern: “Sie müssen es besser machen! Dann kriegen Sie demnächst auch vielleicht einmal eine Gesundheitsreform hin, die diesen Namen wirklich verdient.”
Wirtschaftsvertreter sind manchmal einfach zu höflich.
9 Kommentare »
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Eigentlich: “Sie müssen es besser machen – dann kriegen Sie auch wieder Wähler!”
Kommentar von Spruance — 15.03.07 10:23 #
Streng betrachtet, frage ich mich, was ein PolitikerIn als solches überhaupt auf einer Messe zu suchen hat.
Kommentar von Bodo Wünsch — 15.03.07 11:11 #
Natürlich hat eine Politikerin (im Sinne von: Subventionsmanagerin) auf einer Messe etwas zu suchen :)
Kommentar von jo@chim — 15.03.07 11:20 #
Vielleicht ist es sogar richtig, daß günstigere Tarife mancher Technik (z. B. der Datenübertragung per Handy/PDA) zum Durchbruch helfen könnte.
Die Manager haben aber gerade im Computer-/TK-Bereich gezeigt, daß sie durchaus über die Preis-Schiene gehen, wo immer das möglich ist.
Was sie aber NICHT können, ist die Änderung ungünstiger POLIITISCHER Rahmenbedingungen in Deutschland.
Und da fällt Merkels Sermon genau auf sie selber zurück.
Es war ein Fehler der Politik, daß UTMS wegen der überdrehten Lizenzgebühren keinen Fuß auf den Boden bekommt.
Es ist ein Fehler der Politik, daß immer noch Monopolstrukturen die Fortschritte im Netz lähmen.
Es ist ein Fehler der Politik, daß Internetanschlüsse per GEZ abgestraft werden.
Es ist ein Fehler der Politik, daß deutsche Software-Entwickler wegen realitätsfremder und überzogener Jugendschutz- und Urheberrechts-Gesetze benachteiligt sind.
Es ist ein Fehler der Politik, daß Abmahnwahnsinn und fehlgesteuerte Hamburger Richter Internet-Publizieren erschweren.
Die deutschen Spitzenpolitiker haben so wenig Ahnung vom Internet – erfinden aber täglich neue Paragraphen und Verbote zum Thema.
Kommentar von R.A. — 15.03.07 12:00 #
Oder simpler: “Sie müssen die Steuern senken, dann kriegen Sie auch wieder mehr Steuerzahler”.
Kommentar von Rayson — 15.03.07 12:35 #
@Rayson
Stimmt vollkommen, wurde uns sogar schon von den USA vorgemacht(durch Steuersenkungen höhere Steuereinnahmen und weniger Arbeitslose). Nur hier in Deutschland will(oder kann?) das kein Politiker begreifen.
Kommentar von Hardy — 15.03.07 15:14 #
Die in den USA aktiven Netzwerke unternehmerisch denkender Menschen, die neue Produkte, Verfahren und Dienstleistungen ausbrüten, wird nicht schon dadurch in Deutschland entstehen, daß die Steuern gesenkt werden. Das ist zu billig gedacht.
Wir müssen einfach zu Kenntnis nehmen, daß die Basis für diese Überlegenheit bereits Ende des 19. Jahrhundert geschaffen wurde, als man in Deutschland noch glaubte, man könnte auf die Amerikaner herabsehen.
Kommentar von Libero — 15.03.07 17:35 #
@Libero
Nur das in den USA damals sowohl eine hohe Arbeitslosigkeit als auch Steuerlast für den Bürger herrschte(wie jetzt in Deutschland), und entgegen der in Deutschland in solchen Fällen üblichen Politik der Steuererhöhung, der Präsident zwei Steuersenkungen durchsetzen konnte, was zur Folge hatte, dass jedesmal mehr Gelder eingenommen wurden. Sein Nachfolger der Demokraten hat sich daran übrigens ein Beispiel genommen, und konnte auch die geplante 3.Senkung durchsetzen, was wiederum eine Erhöhung der Steuereinnahmen brachte.
“No nation in history has ever survived a tax burden that reached a third of its national income.”
Aus: “The Speech” http://www.americanrhetoric.com/speeches/ronaldreaganatimeforchoosing.htm
Kommentar von Hardy — 16.03.07 14:50 #
Die Unternehmensteuern werden in D gesenkt. Von daher alles im Plan. Mal sehen, ob es sich diesmal für den Staatsseckel rechnet. Die letzten Unternehmenssteuersenkungen in D haben zu weniger Einnahmen geführt.
Kommentar von digito — 19.03.07 15:19 #