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Pornos ab 16?

Mittwoch, 14.02.07 11:37 by jo@chim - 17 Kommentare

Die Jungen Liberalen in Niedersachsen wollen, dass Pornografie für Jugendliche ab 16 Jahre freigegeben wird. Zudem sollten im Fernsehen ab Mitternacht Pornofilme gezeigt werden dürfen. Da stellt sich zwar die Frage, ob in der Realität irgendein 16jähriger durch Gesetze abgehalten wird Pornos zu sehen, aber lassen wir mal diese irrelevanten Spitzfindigkeiten beiseite- die sprechen ja eigentlich auch eher für eine Anpassung der Gesetze an die Realität. Ich finde eigentlich weniger die Forderung, als den ausgelösten Wirbel verwunderlich. Kaum geht es um Sex, ist die Empörung scheinbar besonders groß. Wieso regt sich eigentlich niemand über Gewalt im Fernsehen auf?

“Der Gesetzgeber legitimiert den Geschlechtsakt zwischen 16-Jährigen, untersagt ihnen aber bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres dabei zuzusehen”, meint der Landesvorsitzende der Jungen Liberalen Niedersachsens, Christopher Vorwerk. Der niedersächsische FDP-Vorsitzende Philipp Rösler lehnt den Vorschlag ab: „Ich halte davon nichts. Die FDP kann im Interesse des Kinder- und Jugendschutzes Pornografie für Minderjährige nicht legalisieren und freigeben.“ Und er legt bzw. tritt nach. Er würde sich wünschen, dass die Jungen Liberalen sich um wesentliche Dinge wie Arbeitslosigkeit und Bildungspolitik kümmerten. Wer den ganzen Antrag bzw. das Antragsbuch der Julis Niedersachsen sieht merkt, dass die Bemerkung von Rösler ziemlich unangebracht ist. Ein Sturm im Wasserglas?


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17 Kommentare »

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  1. Ich gestatte mir zwei kurze Anmerkungen, eine abstrakte und eine konkrete.

    …sprechen ja eigentlich auch eher für eine Anpassung der Gesetze an die Realität.
    Nein, tun sie nicht. Die Tatsache, daß das tatsächliche Verhalten von Menschen partiell vom Gesetz abweicht, spricht nie dafür, das Gesetz an dieses Verhalten anzupassen. Sonst spräche ja auch die Tatsache, daß manche Menschen vorsätzlich andere Menschen töten, dafür, die Vorschriften, die dies verbieten, der “Realität anzupassen”. Im Gegenteil steht die Rechtsordnung als Sollensordnung per definitionem nicht in Übereinstimmung mit dem Sein, das mit dem Sollen erst zur Deckung gebracht werden muß.

    legitimiert den Geschlechtsakt zwischen 16-Jährigen, untersagt ihnen aber bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres dabei zuzusehen
    Das, mit Verlaub, ist kurzgedacht und erfaßt den Sinn der einschlägigen Vorschriften nicht. Diese dienen dem Schutz von Jugendlichen vor Störung ihrer menschlichen Entwicklung, die gerade in diesem Alter ohnehin Schwierigkeiten zu bewältigen hat. Zum Beispiel die, ein angemessenes Verhältnis zum und die richtigen Verhaltensmuster gegenüber dem anderen Geschlecht zu finden. Das Bild vom Verhältnis zwischen den Geschlechtern, das der durchschnittliche Pornofilm wohl vermitteln dürfte, ist dabei kaum hilfreich und als Vorbild für Menschen, die alters- und entwicklungsbedingt nach Vorbildern suchen, eher ungeeignet. Das gilt in diesem Maße sicherlich weniger oder nicht für “echte” menschliche/geschlechtliche Erfahrungen mit Gleichaltrigen. Insofern ist die Gesetzeslage weit weniger unsinnig, als Herr Vorwerk meint.

    Übrigens, wenn sich jemand mal über die Gewalt auf dem Bildschirm aufregt, und das Verbot zB von sog. “Killerspielen” fordert, ist es dem Liberalen aber auch wieder nicht recht, oder?

    Kommentar von FAB. — 14.02.07 13:01 #

  2. “Wieso regt sich eigentlich niemand über Gewalt im Fernsehen auf?!” – Ganz einfach: weil die ganze Empörung für die “Killerspiele” drauf geht.
    Nein, im Ernst, es gibt ja durchaus eine (Jahrzehntelange) Debatte über Gewalt im Fernsehen, die gern mit einem beachtlichen Aufwand an Scheinheiligkeit und Doppelmoral geführt wird. Aber das Thema “Sex” hat einfach das größere Potenzial an Empörung, Scheinheiligkeit und Doppelmoral – auch 40 Jahre nach der “Sexwelle” (die keine “sexuelle Revolution” war, aber gern so genannt wurde).

    Nach meinen persönlichen Erinnerungen liegt der Reiz von Pornos auf Jugendliche ganz wesendlich im Reiz des Verbotenen. Ich war entäuscht, als es mir als 13-jährigen gelang, an die Ponohefte meines Vaters zu kommen – fand ich überwiegend so erregend wie eine Schüssel Fleischsalat. (Und das in einem Alter, in dem ich mich von erotischen Phantasien kaum retten konnte.)
    Eine Herabsetzung des “Schutzalters” auf 16 oder gar eine völlige Freigabe würde außerdem m. E. am *realen* Porno-Konsumverhalten Jugendlicher nicht viel ändern – man käme zwar leichter ‘ran aber der Reiz des Verbotenen wäre weg, womit auch der Reiz von heimlichen Porno-Videoabenden für Jungs in der vorgeschrittenen Pubertät weitgehend beseitigt wäre.

    Also: Viel Lärm um nichts. Genau wie übrigens auch bei den “Killerspielen” und den “Gewaltfilmen”. Minimaler (negativer) pädagogischer Effekt, maximale Aufregung. Sündenbock-Themen, gut für Aktionisten aller Art (”Wir tun was” – was ist egal).

    Kommentar von MartinM — 14.02.07 14:53 #

  3. Naja, ich denke der Ansatz geht zu kurz. Während es für Gewaltverbrechen durchaus einen logischen philosophischen Unterbau gibt, ist dieser bei “Pornographie bis 18 verboten” nicht wirklich gegeben. Während es sich beim Töten von Menschen durchaus um Verletzung des Eigentum (in dem Fall auf den eigenen Körper) anderer geht, ist dies bei Pornographie NICHT gegeben. Der Vergleich hingt hier also.

    Die Frage warum sollen Gesetze sich NICHT an die Realität anpassen, kann man mit einem Verweis auf die Eugenik und das 3. Reich ganz einfach verdeutlichen. Solche sozialen Gesetze dienen doch immer einer Art sozialistischer Menschheits”heilung”, wie simple und insignifikant sie auch daher kommt.
    ——————

    Auch das Gegenargument, dass es sich um den Schutz des Jugendlichen Menschen handelt, ist wiederum fern von der Realität. Wenn gute Gesetze immer auch mit der Realität bestätigbar sind, so ist dieses Gesetz eines der faulsten. Wer selbst durch die Jugendzeit gegangen ist (eigentlich jeder), der weis wie fern dort Gesetze oder gar das Gesetzbewusstsein ist. Es ist also für den durchschnittlichen Jugendlichen irrelevant was das Gesetz sagt, er macht eh was ihm die Hormone sagen. Letztlich schafft es also nur eine künstliche Straftat.
    Jedoch muss man eindeutig zwischen Pornographie unter Einverständnis und Zwangspornographie unterscheiden, also ist auch hier die Maxime der Freiwilligkeit ausschlaggebend.

    Kommentar von Max — 14.02.07 16:09 #

  4. Wieso regt sich eigentlich keiner über das Fernsehangebot als solches auf? Volksverdummung sollte Straftatbestand werden! ;-)

    Kommentar von Holger Ehrlich — 14.02.07 17:37 #

  5. Publius Cornelius Tacitus: “Im verdorbensten Staat gibt es die meisten Gesetze.”

    Der Staat als Sittenwächter ist IMMER der Bock zum Gärtner gemacht!

    Kommentar von DDH — 14.02.07 19:28 #

  6. “Wer die Sexualität der Menschen kontrolliert, kontrolliert die Menschen.”

    Weise Worte – von einem (kath.) Theologen und Freund, der noch hinzufügte: Mit gutem Grund hält es so die christliche Lehre über Jahrhunderte bis heute.

    Diese Debatte ist ekelhaft.

    Kommentar von Bodo Wünsch — 15.02.07 09:57 #

  7. Ja Bodo & ddh, da gebe ich Euch beiden völlig recht – und ziemlich billig ist die populistische Aktion der Julis auch noch: Oder denkt irgend jemand wirklich, dass die Kampagne ernsthafte Folgen hat? Das erinnert mich an die völlig sinnbefreite Steck ihn rein-Wahlpostkarte der Hamburger Julis vor einiger Zeit. Oder an die gelegentlichen, mehr oder weniger treffenden Stellungnahmen zur Drogenpolitik. Am Themenkreis staatliche Autoritätsanmassung – der ja an sich nicht unwichtig ist – dran zu bleiben, fehlt dann den Kolleginnen und Kollegen Event-Politikern doch die Konsequenz, der politische Wille und wohl auch ein wenig der Mut. Im gegebenen Fall stellen sie den volksgemeinschaftlichen Erziehungsanspruch der Sittenwächter ja nicht einmal in Frage, sondern geben nur Tipps zur effektiveren Ausführung …

    Kommentar von jo@chim — 15.02.07 11:25 #

  8. Der “volksgemeinschaftliche Anspruch” wird ja wohl schon in Frage gestellt, Joachim. Klar geht es hier um PR, das ist aber nichts verwerfliches. Mut würde ich Kollegen Vorwerk nicht absprechen, so eine Forderung birgt eine Menge an Druckpotential in der Partei und macht ihm das Leben nicht einfach…

    Kommentar von Oliver Luksic — 15.02.07 11:40 #

  9. Ach du je. Kaum hält man den Schutzzweck der §§ 184ff. StGB für nicht völlig an den Haaren herbeigezogen, schon kommt einer mit Sprüchen wie “volksgemeinschaftlicher Erziehungsanspruch”. Nach üblicher Terminologie sind wir also mal wieder bei den Nazis gelandet. Großes Kino, nochmal Popcorn bitte.

    Kommentar von FAB. — 15.02.07 12:57 #

  10. Klar, dass das Argument kommt, es gäbe ja wichtigeres zu tun. Damit wird auch in Diskussionen um die Legalisierung von Cannabis immer auf die Zwölf gehauen. Es gibt immer etwas wichtigeres zu tun!

    Kommentar von Boris — 15.02.07 13:01 #

  11. Anders rum, lieber FAB: ich will hier nicht Demokraten in die Nähe von Nazis rücken, sondern die Nazis haben sich ebenso wie Etatisten jeglicher anderer Coleur (ob Sozialisten, National-Sozialisten, Konservative oder Liberaloide ist in diesem Kontext gleichgültig) angemasst, das Volk als eingebildete Gemeinschaft (eben Volksgemeinschaft) zu erziehen.
    Diese Anmassung bildet die Wurzel des Totalitarismus. Ob victimless crimes (z.B. Drogengebrauch, Pornographie, Prostitution, “Volksverhetzung” etc.) verfolgt werden ist entscheidend – nicht was kriminalisiert wird oder in welchem Ausmass.
    So habe ich das gemeint, nicht in dem Sinn “wer gegen die Freigabe von Pornos ist, ist ein pöhser Nazi”. Insofern gebe ich auch dem Vor-Kommentatoren Boris recht: das Thema hat tatsächlich grundsätzlichen Charakter. Und ist deshalb eigentlich zu schade für etwas PR-Geplänkel, Oliver.

    Kommentar von jo@chim — 15.02.07 13:28 #

  12. Nachtrag:
    Grade eben gefunden, mag zur Verdeutlichung meines Standpunktes aus dem ersten Kommentar dienen. Natürlich ist der Stern keine wissenschaftliche Fachzeitschrift, und dementsprechend um den Illustriertenheftchen-Faktor zu kürzen. Dennoch: Voll Porno. Nochmal drüber nachdenken, ob die fatale “Volksgemeinschaft” vielleicht doch auch ethische Pflichten hat, ihren Nachwuchs nicht sehenden Auges menschlich zerstören zu lassen? Lassez-faire mag ja in wirtschaftlichen Dingen und unter Erwachsenen einiges für sich haben. Aber.

    Kommentar von FAB. — 18.02.07 21:11 #

  13. Ethische Pflichten kann keine “Volksgemeinschaft” oder irgendeine andere eingebildete Entität – “Nation”, “Klasse”, “Wertegemeinschaft”, whatever – haben, FAB: Verantwortung ist immer individuell. Kollektivismus führt nicht nur in wirtschaftlichen Dingen zu Verwahrlosung und Armut, sondern auch zu moralischer und geistiger Verelendung. Gerade das machen doch die Zustände in den “Subvention Areas” des Wohlfahrtsstaates, die der Stern-Artikel beschreibt, deutlich.

    Kommentar von jo@chim — 18.02.07 21:49 #

  14. Fein. Was aber, wenn Du irgendwann feststellst, daß in der Schule, auf die deine Kinder gehen, haufenweise kleine Monster herumlaufen, deren Eltern das mit der individuellen Verantwortung leider nicht so drauf haben? Die eigene Tochter in der Gesellschaft der beschriebenen “Porno-Kids” zu wissen, gibt kein wirklich gutes Gefühl während des Arbeitstages. Nicht jeder kann sich eine gute Privatschule leisten.
    Ich bin mir der Probleme wohlbewußt, die die Abgrenzung der Verantwortungsbereiche zwischen Individuum und Kollektiv mit sich bringt, und tendiere durchaus im Zweifel zum Individuum. Allerdings halte ich das knappe Abbügeln der Frage nach dem kollektiv wahrzunehmenden Teil der Verantwortung mit dem Hinweis, die Nation etwa sei nur “eingebildet”, für, pardon, intellektuellen Verbalradikalismus. Das mag als theoretische Position immerhin interessant sein (wenn auch falsch), ist aber praktisch nutzlos.
    Also, klarstellend: natürlich ist Verantwortung letztlich immer individuelle. Aber deren Wahrnehmung kann nicht in jedem Fall ausschließlich durch vereinzelte Individuen erfolgen. In manchen Fällen wird eine Koordination der individuellen Wahrnehmung nötig sein – und zack, da haben wir das satanische “Kollektiv”. Das gehört nunmal zur menschlichen Existenz dazu, no man is an island.

    Kommentar von FAB. — 19.02.07 08:50 #

  15. [...] auf einen pragmatischen Vorschlag der “Jungen Liberalen” in Niedersachsen (A-Team: Pornos ab 16? weißt darauf hin, dass zumindest in der “veröffentlichten Meinung” die [...]

    Pingback von B.L.O.G. - Bissige Liberale ohne Gnade » Vorrangiges Rechtsgut Sexualmoral — 22.02.07 10:35 #

  16. “Was aber, wenn Du irgendwann feststellst, daß in der Schule, auf die deine Kinder gehen, haufenweise kleine Monster herumlaufen, deren Eltern das mit der individuellen Verantwortung leider nicht so drauf haben? Die eigene Tochter in der Gesellschaft der beschriebenen “Porno-Kids” zu wissen, gibt kein wirklich gutes Gefühl während des Arbeitstages.”

    Spätestens dann wird ein denkfähiges Exemplar der Spezies Mensch zum Libertären, der Schulzwang und die Politik der “forced integration” infragestellt und sich und die seinen und alle die ihm nahestenen – no man is an island – versucht, mit aller Gewalt vor diesem abscheulichen Zugriff des Staates auf das Leben der Kinder zu beschützen.

    “Nicht jeder kann sich eine gute Privatschule leisten.”

    In einer nicht-defekten Sozialordnung, also einer Privatrechtsgesellschaft (egal ob nun minimalstaatlich oder nullstaatlich) kann das eben doch jeder! Aber: Er muß nicht, und das ist auch gut so! Denn: Nicht jeder braucht die gleiche Bildung! Die manuell Geschickten (oder nenne sie “praktisch Begabte”) werden ja gerade durch langjähriges Versauern in Bildungseinrichtungen frustriert und vom Geldverdienen und von der freiwilligen und erfolgreichen Integration in die Gesellschaft abgehalten und müssen später auch noch die “Studierten” mit ihren Steuern aushalten. Sehr sozial, das Ganze, mir kommen echt die Tränen der Rührung!

    Kommentar von DDH — 22.02.07 21:58 #

  17. Spinnen wir den Gedanken weiter: keine staatliche Schulpflicht. Es kann aber nicht jedes Elternpaar seine eigene kleine Privatschule organisieren (manche können, homeschooling etc, aber das sind Ausnahmen). Also werden sich Eltern zusammenschließen, um Privatschulen zu gründen. Sie werden das zuallererst mit ihresgleichen tun. Das bedeutet eine Segregation in diverse ethnische und religiöse Gruppen, die sich, da mangels Kontakt zur Außenwelt nur innere Rückkopplung und positive Verstärkung stattfinden, radikalisieren und irgendwann – ich kürze ab – auf den Straßen im Bürgerkrieg begegnen. Großartiger Plan.
    Danke, ich behalte den Staat und auch die staatliche Schulpflicht. Sie müssen nur inhaltlich korrekt gestaltet sein, d.h. reaktionären Prinzipien folgen. (Reaktionär = zur Vermittlung zivilisierten Verhaltens willens und in der Lage, einschließlich kultureller “Zwangsintegration” im jeweiligen Staatsvolk).

    Kommentar von FAB. — 23.02.07 08:01 #

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