Fair Trade für alle!
In jeder Studenten-WG in den 80ern, die etwas auf sich hielt, war er zu finden: “Sandino Dröhnung” – als kaffeeartiges Getränk früher Vorläufer eines Fair Trade Produkts. Der ökolinke* Balou führt das Banner noch heute auf seinen gebloggten Welten.
Ich habe dieser Plörre schon damals richtigen Kaffee, z.B. aus Äthiopien, vorgezogen – auch wenn ich mir dafür öfter “unsolidarisches Verhalten” vorwerfen lassen musste. Nun gut, für die Menschen in der Region war die Aktion wohl zumindest hilfreicher als Kampagnen im Stil von “Waffen für El Salvador” zur Unterstützung linker Guerilleros.
Inzwischen ist Fair Trade, nach der Definition der “internationalen Vereinigung der Dachorganisationen des Fairen Handels FINE” Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel strebt, eine etablierte Handelsform.
Was sollte man als Liberaler dagegen einzuwenden haben?
Sticheleien gegen Fair Trade, wie die des geschätzen Kollegen Miersch auf der Achse des Guten über angebliche oder tatsächliche ökonomische und/oder ökologische Nachteile lenken von der eigentlichen Argumentationsschwäche vieler Protagonisten ab:
Fair kann Handel nur als Freihandel mit gleichen Marktzugangsbedingungen für alle ohne protektionistische Beschränkungen sein – auch wenn diese als Subvention “erwünschter” Produkte oder sogenannte “Umwelt”- oder “Sozialstandards” daher kommen. Das Unfaire am real existierenden Weltwirtschaftssystem ist nicht, dass es zuwenig Genossenschaften gibt, in denen sich alle lieb haben und hierarchiefrei politisch korrekte Ökoprodukte für eine bessere Welt produzieren:
Die Zielrichtung von Fair Trade sollte also sein, sich vor dem EU-Parlament in Brüssel hinzustellen, und gegen die verbrecherischen und unsinnigen EU-Agrarsubventionen zu protestieren, und nicht an einem karitativen Pseudohandel teilzunehmen, welcher hauptsächlich einen persönlichen Ablasseffekt für das schlechte Gewissen des verwirrten Mitteleuropäers darstellt.
So bringt ein Kommentator beim Kapitalisten von der FTD das eigentliche Problem auf den Punkt.
Ob eine Handelsform für Konsumenten und Produzenten von Vorteil ist oder nicht, mögen diese selbst entscheiden. Welche Produkte in welcher Form durch wen – bei freiem Warenverkehr – hergestellt und gehandelt werden, sollte keine Angelegenheit der Politik sein, sondern der Ökonomie. Was übrigens – im Zuge der Konsumenteninformation – keineswegs freiwillige Qualitätssiegel, “Fair-Trade-Labels” etc. ausschliesst.
Fair Trade für alle, nicht nur für die jeweiligen “revolutionären Subjekte” hilfsbeflissener Ideologen, ist eine urliberale Forderung. Die Friedrich-Naumann-Stiftung hat mit ihrem kleinen Lesebuch über den Freihandel eine sehr informative Broschüre zur Thematik online gestellt. Buchempfehlungen des Liberalen Erich Weede zu Globalisierung, Armutsbekämpfung und Gerechtigkeit in den internationalen Beziehungen finden Sie hier.
*P.S.: Ich gebs ja zu, im Entwurf dieses Beitrags hatte ich Balou – angesichts des Artikels, der mich zu diesem Beitrag inspiriert hat und anderer wohl nicht völlig aus der Luft gegriffen – nicht als ökolinks, sondern als “ökocholerisch” charakterisiert. Ich will aber mal den Blutdruck des älteren Herren nicht weiter in die Höhe treiben. Er hat ja schon seine liebe Not mit all den Verschwörern um sich herum ;-)
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