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Ni Allende, ni Pinochet

Dienstag, 09.01.07 23:20 by jo@chim - 17 Kommentare
Wie weit muss die Inflationsrate sinken, um Folterungen durch Elektroschocks zu rechtfertigen? Wie schnell muss das Bruttosozialprodukt wachsen, bevor die Polizei beim Verhör vergewaltigen darf ?

Mit diesen Fragen führt Stephan Pfaffenzeller in seinem Beitrag Ein Tyrann! für die neue eigentümlich frei Nr. 69 (in der übrigens auch das Antibürokratieteam aufs Korn genommen wird) die Argumentation jener ad Absurdum, die in der Diktatur Augusto Pinochets liberale Aspekte erkennen wollen. So wie – in der selben ef-Ausgabe, aber nicht online abrufbar – ein Herr Möller von einer, etwas obskuren, Monarchieliga, der sich berufen fühlt, den Tyrannen als echter Liberaler und nobler Mann zu belobhudeln.
Die berechtigte Kritik an Salvador Allende, der die chilenische Verfassung missachtete und für seine sozialistischen Umgestaltungspläne keine parlamentarische Mehrheit hinter sich hatte, legitimierte in keiner Weise das Regime Pinochets, das Freiheitsrechte mit weitaus grösserer Brutalität missachtete, stellt der Autor dem gegenüber klar. Der einzige Verdienst Pinochets und seiner Generäle bestand darin, sich weitgehend aus der Wirtschaftspolitik herausgehalten und damit vergleichbar hohe Wachstumsraten und wirtschaftliche Stabilität ermöglicht zu haben. Und – vielleicht – dass er ganz im Gegensatz zu anderen Diktatoren einer Volksabstimmung wich, anstatt sich bis zum letzten Atemzug an die Macht zu klammern, wäre zu ergänzen.
Pinochet war also kein liberaler Diktator. Er war ein Tyrann, der zufällig in Wirtschaftsfragen gut beraten war. Diesem Resüme bleibt nichts hinzuzufügen – ausser vielleicht der Anmerkung, dass “liberaler Diktator” einen Widerspruch in sich darstellt, imho.


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17 Kommentare »

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  1. Joachim: “Die berechtigte Kritik an Salvador Allende, der die chilenische Verfassung missachtete und für seine sozialistischen Umgestaltungspläne keine parlamentarische Mehrheit hinter sich hatte, legitimierte in keiner Weise das Regime Pinochets.” Doch genau das, zumindest aber den Putsch gegen Allende. Sollen freiheitsliebende Menschen denn sehenden Auges einfach still abwarten, wenn ein Land in eine marxistische Diktatur abdriftet? Es gibt ein Recht auf Selbstverteidigung, und dies gilt selbstverständlich auch und gerade gegenüber sozialistischen Bestrebungen, deren Realisierung eine schreiende Ungerechtigkeit bedeuten würde.

    Kommentar von Wolfgang Scheide — 10.01.07 09:24 #

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