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Chor der zynischen Empörung

Samstag, 30.12.06 20:25 by jo@chim - 17 Kommentare

Saddam Hussein schmort also nun in der Hölle (falls es eine jenseitige Örtlichkeit dieser Art geben sollte). Genügend Untertanen des narzistischen und grössenwahnsinnigen Diktators haben jedenfalls im Namen der national-sozialistischen und panarabischen Ideologie seiner Baath-Partei ganz real – dieseitig – die Hölle erlebt, bevor seine Schergen sie ins Jenseits beförderten.
Insofern mag sich Mitleid oder gar Bestürzung über die Hinrichtung des Massenmörders bei mir nach wie vor nicht so recht einstellen – möge er verrotten!

Ich denke aber Yassin Musharbash hat nicht unrecht, wenn er in einem – insgesamt sehr nachdenklichen Artikel – auf SPON schreibt:

Aber einen friedlicheren Irak und einen hoffnungsfroheren Nahen Osten schafft seine Hinrichtung alleine auch noch nicht. Man kann deshalb nur hoffen, dass die Exekution sich als genau so irrelevant erweist, wie Saddams letzte Worte es waren.

Ebenso irrelevant bleibt hoffentlich auch der Chor der zynischen Empörung der deutschen Betroffenheitspolitiker:

Gut – wer den Herrn Beck ernst nimmt ist selbst schuld. Und ich darf doch wohl davon ausgehen, dass der werte Herr Staatsminister im Auswärtigen Amt Gernot Erler beim nächsten Besuch in der Volksrepublik China ebenso laut und deutlich gegen die Todesstrafe Stellung nimmt, wie anlässlich der Urteilsvollstreckung gegen Saddam Hussein?

Aber dass auch Politiker aus der FDP, u.a. der aussenpolitische Sprecher Werner Hoyer, in das populistische Schande! Niederlage! Geschwätz einstimmen und sogar Seit’ an Seit’ mit dem SED-, PDS-, “Linkspartei”-Fraktionschef Gysi die Legitimität des Prozesses in Frage stellen, berührt mich als Mitglied dieser Partei dann doch ebenso unangenehm, wie Martin Hagen oder meinen A’Team-Kollegen Oliver Luksic. Insbesondere auch deshalb, weil Herr Hoyer ganz offensichtlich auch zu differenzierteren Stellungnahmen fähig ist, wenn er will.


Das Antibuerokratieteam - seit 15.08.07 auf www.antibuerokratieteam.net

17 Kommentare »

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  1. So rein gefühlsmässig dachte ich bislang immer, dass Liberale die Menschenrechte bejahen und die Todesstrafe ablehnen. Aber was musste ich heute bei clarification of fact lesen? Oben rechts in der Sidebar? “Liberale Blogger gegen die Sharia”

    Und worüber freut sich der Blogger in seinem aktuellen Posting? Über den Vollzug der Sharia, nämlich Saddams Hinrichtung. Welch eine fadenscheinige Heuchelei.

    Also, wie steht’s, Liberale: Gibt es an der Ächtung der Todesstrafe irgendwas zu relativieren? Und wenn dem nicht so ist und im Lichte der Ereignisse, habt ihr nichts besseres zu tun als den ‘Chor der zynischen Empörung der deutschen Betroffenheitspolitiker’ zu verhöhnen? Es ist für mich keine Frage, wo hier der Zynismus tatsächlich liegt.

    Kommentar von 2020 — 30.12.06 21:27 #

  2. [...] Wer mal was von Leuten lesen will, die wirklich gegen jede Todesstrafe eintreten (und die daher natürlich auch gegen die Hinrichtung des ehemaligen irakischen Diktators sind), dem empfehle ich Hands off Cain. Bei denen können vermutlich auch meine Parteifreunde Martin Hagen, Oliver Luksic und Achim Hecht nur zustimmen. Oder? [...]

    Pingback von B.L.O.G. - Bissige Liberale ohne Gnade » Eindeutig — 30.12.06 23:39 #

  3. Tatsächlich “freut” sich dieser Blogger ganz und gar nicht über einen Vollzug der Todesstrafe. Er ist allerdings sehr erleichtert über die Entsorgung eines Symbols das in den letzten Jahrzehnten wie wenige andere für Barbarei und Staatsterrorismus stand. Und über den ersten Sieg einer noch jungen Demokratie.
    Ganz davon ab hat betreffender Blogger (in diesem Falle tatsächlich meine Wenigkeit) lediglich einen umkommentierten (und inhaltlich leider nur bedingt zutreffenden) Cartoon dokumentiert: das noch junge Jahr 2007 legt den Schalter um – Saddam wird gehenkt.

    Kommentar von Felix Möser — 30.12.06 23:45 #

  4. Natürlich steht für Liberale die Todesstrafe gar nicht zur Debatte und ist abzulehnen.

    Kritik wird doch nur an dem populistischen Sprüche-Klopfen der Politiker geübt. Wie kann man denn als Politiker glaubwürdig die Hinrichtung Saddams verurteilen, aber zu den hunderten Personen, die in den Vereinigten Staaten jedes Jahr vom Staat ermordet werden schweigen?

    Bevor man sich also allzu intensiv für den Massenmörder Saddam in einem zutiefst unliberalen Sharia-System einsetzt, ist es doch besser, das Augenmerk auf Industrienationen zu richten, in denen auch heute noch die Todesstrafe existiert.

    Kommentar von ChrisM — 31.12.06 00:34 #

  5. Logische Gründe, warum es gerade bei der Hinrichtung Saddam Husseins angebracht ist, die Ablehnung der Todesstrafe zu demonstrieren:

    1. Der Irak ist in seiner jetzigen Verfasstheit ein sehr junger Staat. Somit ist auch die Todesstrafe dort nicht in Stein gemeißelt, im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten.
    2. Saddam war nicht nur Mörder, er war auch Diktator. Somit eine Person der Zeitgeschichte und prominenter, aktueller Bezugspunkt für alle Gegner der Todesstrafe.
    3. Er hat die Freiheit vielfältig mit Füßen getreten. Gerade bei solchen Menschen auch gegen ihre Hinrichtung zu sein, ist notwendig zur Demonstration unseres Verständnisses von vorkonstitutionellen und unantastbaren Menschenrechten.

    Mag es jedem Befürworter der Todesstrafe wie eine Bestätigung seines Bildes von ihren Gegnern vorkommen, aber die Äußerungen der Politiker sind notwendig, ihr Fehlen wäre unverzeihlich.

    Kommentar von Marcel — 31.12.06 03:11 #

  6. Der Umgang zivilisierter Gesellschaften mit Monstren wie Hussein wird wohl nie eindeutig geklärt werden können. Oder war die lebenslange Strafe gegen Rudolf Hess “humaner” als es seine Hinrichtung gewesen wäre?
    Ich habe übrigens zur Todesstrafe schon an anderer Stelle – durchaus eindeutig, wie ich meine – Stellung genommen.
    Mir ging es hier mehr darum, den Zynismus derjenigen fadenscheinigen Heuchler zu kritisieren, die mit der Urteilsvollstreckung an Hussein ihr populistisches Süppchen kochen.

    Kommentar von jo@chim — 31.12.06 09:07 #

  7. @ 2020: kannst Du das mit der Scharia erklären? Welche Bestandteile entsprechen der Scharia? War es nicht vielmehr so, dass der Irak für dieses Verfahren die Statuten den Internationalen Strafgerichtshofes angenommen haben? An welcher Stelle genau siehst Du Scharia?

    Kommentar von andreas_schneider — 31.12.06 11:50 #

  8. 1.) Im irakischen Rechtssystem gibt es seit 2004 die Todesstrafe für Kapitalverbrechen. Überführte Mörder wurden schon hingerichtet. Es gab, meines Wissens, keine vehementen Proteste. Jetzt sollte eine Ausnahme für einen Massenmörder gemacht werden. “Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen”? Wäre nicht dieser Eindruck bei seinen Opfern entstanden?
    2.) Wäre es erlaubt gewesen, den tyrannischen Präsidenten Saddam durch einen Anschlag zu ermorden?
    Gab es jetzt nicht die Anschläge der Baathisten u.a. auch deshalb, um Saddam wieder an die Macht zu bomben?
    Gab es nicht auch bei uns die Überlegung in politischen Kreisen, ihn wieder als Starken Mann einzusetzen, um den Irak zu “befrieden”?
    Ist es so abwegig, dass ein überlebender Saddam, nach Abzug der Amerikaner, wieder Macht erlangt hätte?
    Hätte man ihn dann wieder ermorden dürfen?
    Hatte Saddam nicht selbst großspurig vor einigen Monaten behauptet, er steuere den “irakischen Widerstand”?
    3.) Zum SPON-Artikel:
    Hat irgendjemand behauptet, dass sich durch die Hinrichtung Saddams die Situation im Nahen Osten sofort bessern würde?
    War etwa dies die Begründung für seine Exekution oder die ihm vorgeworfenen Verbrechen?
    Es werden wieder reichlich Allgemeinplätze verbreitet.
    Ob und welche Auswirkungen seine Hinrichtung für die Entwicklung des Irak hat, wird man sehen. Im Leerlauf spekulieren kann man eifrig.
    4.) Was mich an vielen Leuten und Institutionen stört, die sich jetzt heftig gegen seine Exekution ausgesprochen haben ist die Tatsache, dass sie dies für seine Opfer nicht taten.
    Was durch das Scheinargument, dass man besonders moralisch sei, wenn man sogar einem Massenmörder verzeihe, selbst wenn sich das Innere dagegen sträubt, nicht besser wird.
    5.) Es freut mich für seine Opfer, dass Ihnen Gerechtigkeit widerfahren ist.

    Kommentar von F. Hoffmann — 31.12.06 12:07 #

  9. Tja, lange her, dass Liberale im liberalen Sinne liberal waren. Heute sind sie im plakativen Sinne … räusper … laut und es beschleicht einem das Gefühl, dass man ihnen, bevor man anfängt über Freiheit mit ihnen zu reden, man ihnen die Achtung vor dem Leben (ins besondere menschlichem) beibringen müsste (und das bitte nicht mit welchem Prügel auch immer). Vorbei die Zeiten, als man voraussetzen konnte, dass auch die Liberalen letztlich das Beste für die Menschen wollten. Aber vielleicht sind die Liberalen im Besitz des Wissens um das Leben und können es sich deshalb erlauben, die Todesstrafe angemessen zu finden. Ich glaube allerdings, es wird immer klarer, dass die Liberalen heute von den gleichen Halblingen überlaufen sind, wie es früher die Christlichen, die Muslime, die Konservativen und die Sozialisten waren. Liberale heute sind der Überzeugung, die Freiheit eines Menschen endet dort, wo es nicht mehr möglich ist den anderen aus dem Weg zu räumen. Moralfreies Faustrecht, wie es auch die Schergen dieser Welt praktizieren.

    Kommentar von Büromaschine — 31.12.06 12:10 #

  10. Hier geht es überhaupt nicht um die Todesstrafe.

    Der springende Punkt ist die Kommentierung deutscher und europäischer Politiker. Wenn diese mit der gleichen Schärfe und Empörung mal Steinigungen von Kindern im Iran oder politische Morde in Rußland oder China geißeln würden wäre dies ja erträglich, dieses selbstgerechte “die Iraker machen ja alles falsch” Gelaber ist aber nicht aus zuhalten!

    Kommentar von Oliver Luksic — 31.12.06 12:40 #

  11. @Oliver. Verstehe, der politisch Andersgläubige hat irgendwie immer Unrecht. Das wird ja immer besser. So erübrigt sich ganz automatisch jede vernunftbasierte Auseinandersetzung mit gegenläufigen Argumenten. Wie ich schon oben streifte, scheint liberal ein Indiz für Kleingeister zu werden.

    Kommentar von Büromaschine — 31.12.06 13:20 #

  12. Meine liebe Büromaschine, ja klar, “grosse” Geister wie Du argumentieren ad hominem, ohne den verwerflichen, völlig illiberalen, Zwang am Thema zu bleiben, sowie ohne gültige Email-Adresse, gell? Aber der IP nach zu urteilen kennen wir uns ja, nicht? ;-)
    Wie auch immer du es drehst oder schraubst: auch für dich gilt unsere Comment-Policy …

    Kommentar von jo@chim — 31.12.06 13:59 #

  13. @ Oliver Luksic, Kritik an Zuständen, die ausserhalb unseres Einflusses liegen, sagen wir mal z.B. Nordkorea oder Iran, ist wohlfeil, aber nutzlos. Auf die Amerikaner haben wir mehr Einfluss, deshalb ist auch legitim und erfolgversprechender, die Einhaltung der Menschenrechte bei ihnen anzumahnen.

    Kommentar von 2020 — 31.12.06 17:31 #

  14. @ andreas schneider
    Todesstrafe, anonyme Zeugen, Mord an drei Anwälten, aber immerhin wurden die Statuten des ISGH eingehalten? Das glauben Sie doch selbst nicht.

    Die Todesstrafe kann nicht auf Grund einer internationalen Übereinkunft ausgesprochen worden sein, weil sie international geächtet ist. Sie kann nur auf Grund eines irakischen Strafgesetzes ausgesprochen worden sein und das irakische Strafgesetz hat die Sharia zur Grundlage.

    Kommentar von 2020 — 31.12.06 17:41 #

  15. Ich glaube auch, dass es eine Menge würdigere Gelegenheiten gegeben hätte, sich gegen die Todesstrafe auszusprechen. Wer es bei Saddam tut und sich ansonsten bei diesem Thema vornehm zurückhält, hat Probleme, den Verdacht zu widerlegen, dass ihm die wirklich armen Schweine egal sind, während man sich als killender Diktator Sonderrechte erwirbt.

    @jo@chim

    Um diese schablonenhafte, vorhersehbare und daher insgesamt konsequent langweilige Schreibe zu erkennen, brauche ich keine IP.

    Kommentar von Rayson — 01.01.07 14:14 #

  16. @ Achim: dann ist Abtreibung für Dich auch Mord? Man darf nach Deiner Absicht ja nur zur Selbstverteidigung töten. Ich kenne keinen, der schon mal von einem Ungeborenen angegriffen wurde.

    Wenn Du jetzt zu dem Trick greifen solltest, dem Ungeborenen das Menschsein abzuerkennen, dann Willkommen in der Barbarei. Andere werden dann Saddam nicht als Menschen definieren…Für alle Liberalen sei empfohlen sich noch mal Kant zu Gemüte zu führen. Es ist ganz interessant, was er zur “Leibesfrucht” sagt.

    Kommentar von AHS — 04.01.07 17:27 #

  17. Über eine Abtreibung sollte allein die Frau selbst entscheiden, die schwanger ist und vielleicht in einer Notlage, die eine Abtreibung rechtfertigt. Ist diese gegeben, dann liegt selbstverständlich kein Mord vor.

    Kommentar von Achim Wolf — 04.01.07 19:15 #

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