Kein Wegschauen für Gas
Man stelle sich vor, ein bekannter demokratischer US-Milliardär will gegen Bush antreten, wird enteignet und muss nach einem dubiosen Verfahren ins Gefängnis. Man stelle sich vor, ein Bush-kritischer Journalist würde ermordet nachdem unabhängige Medien zudem verstaatlich wurden. Man stelle sich vor, ein Bush-kritischer ehemaliger CIA-Agent würde vergiftet. Die Protestwelle in Europa wäre wohl unvorstellbar!
Was aber nun, wenn man USA und Bush gegen Russland und Putin austauscht? Es gibt weder beim EU-Russland Gipfel Kritik an Russland, mit Ausnahme der aufmüpfigen Polen, die ihre Geschichte noch nicht vergessen haben. “Kein Blut für Öl!” wird nicht skandiert von einer wütenden Bevölkerung. Müsste man nun aber nicht “Kein Wegschauen für Gas!” plakatieren? Wenn es gegen den großen Satan USA geht sind Regierungen und Bevölkerung in Europa schnell mit Kritik und Verurteilungen. Wenn Demokratie, Pressefreiheit und Menschenrechte vom Kreml offensichtlich mit Füßen getreten werden herrscht aber das große Schweigen.
4 Kommentare »
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Tja, das Problem ist wohl eher, dass sich die USA als demokratischer Vorreiter geriert, also als Leitbild für den gesamten demokratischen Nord-Westen. Da die Russen hier nicht ganz so provokant sind, fallen sie eben bei den Europäern unter den Radar :)
Kommentar von Max — 24.11.06 16:02 #
Hast Du etwa etwas anderes von denen erwartet?
Kommentar von Hardy — 24.11.06 16:02 #
Man sucht sich halt immer den Gegner aus, von dem man nichts zu befürchten hat! Aus demselben Grund haben die Autonaomen damals immer die TAZ besetzt – da wußten sie halt, daß sie nicht rausgeworfen würden. Ist so eine Art Demonstrationsopportunismus oder ganz einfach Feigheit.
Kommentar von spruance — 25.11.06 09:44 #
In Ihren Parallelbeispiel haben Sie nur ein paar entscheidende Details zu brücksichtigen vergessen:
1. Der “bekannte demokratische US-Milliardär” muß dann auch einer sein, der sich sein Imperium aus der Auflösung von Staatsbetrieben mit Korruption und Steuerhinterziehung ergaunert hat und so zu seinen Milliarden gekommen ist. Tja, wenn sie glauben, daß das in den USA zu keinem Prozeß (+ ggf. langjähriger Freiheitsstrafe) führt …
2. Man stelle sich vor, eine Bush-kritische ehemalige CIA-Agentin würde enttarnt (und damit in praxi zum Abschuß freigegeben) … scheibe! … das gab’s doch wirklich! Und Bush wurde trotzdem nicht deswegen mit Massenprotesten empfangen …
“Kein Wegschauen für Gas!” ist was anderes als die Verweigerung aktiver Teilnahme an einem Krieg — oder wollen Sie, daß deutsche Armeen die Russen wieder einmal von einem bösen Diktator befreien. Das ist letztes Mal bekanntlich nicht so toll angekommen. D.h. in der Ukraine und am Kaukasus schon, aber im Rest hielt sich die Begeisterung in Grenzen — und das, obwohl die Leute immerhin einen Stalin losgeworden wären (okay, ich gebe zu: Hitler dafür einzutauschen dämpfte vermutlich die Freude entscheidend!) …
Sie sehen also: nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich.
Kommentar von LePenseur — 27.11.06 12:16 #