Echt k(G)rass, Habermas
Hat Habermas wirklich die Wahrheit verschluckt? Jürgen Habermas hat beim Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung erwirkt, die es dem Rowohlt-Verlag unter Androhung eines Ordnungsgeldes von 250.000 Euro verbietet, die unter dem Titel „Ich nicht“ bereits erschienenen Lebenserinnerungen von Joachim Fest mit einer Passage zu verbreiten, die Habermas für vorsätzliche üble Nachrede hält. Dies spricht nicht gerade für ihn. Ausgerechnet Habermas, der den herrschaftsfreien Diskurs predigt, setzt nun auf die Zensur. Deutschland hat ein Oberschichtenproblem!
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Naja, Grass und Habermas sind auch für mich Ikonen der alten, verschwindenden Bonner Bundesrepublik. Beide personifizieren dabei für mich das, was ich an der Linken nicht ausstehen kann: Selbstgefälligkeit, Selbstverliebtheit, Larmoyanz in eigener Sache, eine hinter piefiger Gebärde und lehrerhaftem Habitus bauernschlau verheuchelte Arroganz etc. etc.
ABER: Jetzt wie einst die Ökopaxe politische Gegner dadurch zu erledigen, dass man ihnen irgend so eine NS-Verstrickung nachweist, um en passant und, naja so irgendwie halt mal, das Konzept eines “herrschaftsfreien Diskurses” gleich mitzuwiderlegen, das stellt uns Liberalen oder Konservativen dann auch kein so gutes Zeugnis aus. Also: Zur Sache, bitte …!
Kommentar von ralph — 04.11.06 16:49 #
es fällt schwer, dem hervorragenden Beitrag von Ralph noch etwas hinzuzufügen.
Vielleicht, dass die Erkenntnis der nazistischen Verquickungen des Habermas etwas spät erfolgt. Man hätte es doch ahnen können. Mir jedenfalls fiel damals, während der Vorlesungen, bereits auf, mit welcher Unbekümmertheit der larmoyante Ideologe des herrschaftsfreien Diskurses mit solchen nazistisch kompromitierten “Grössen” wie dem Führerbewunderer Heidegger oder gar dem völkischen Herder-Interpreten Gadamer umging. Mit solchen Gestalten will ich jedenfalls rein gar nichts zu tun haben. Mit missfällt bereits die antiquierte geisteswisschenschaftliche Orientierung der Habermas&Co.
Vielleicht sollte man den Fall des falschen Engels Habermas auch einmal zum Anlass nehmen, den Beitrag bundesdeutscher Fakultäten zur internationalen Diskussion kritisch zu beäugen. Eventuell ein zweiter Positivismusstreit, diesmal nicht allein der Soziologie gewidmet.
Kommentar von DragonFly — 05.11.06 11:04 #
Hoppe, der bei Habermas studiert hat, nennt ihn übrigens einen “intellektuellen Ganoven”.
http://dominikhennig.blogspot.com/2006/11/generation-habergrass-vor-dem.html
Kommentar von DDH — 05.11.06 16:04 #
Vielleicht hat der “Ganove” ein Problem damit, dass es noch größere Ganoven als ihn gibt.
Diese intellektuellen Klugscheißer ziehen doch alle den Schwanz ein wenns an ihr Ego geht.
Insofern überrascht mich das nicht.
Kommentar von Cleos — 05.11.06 16:41 #