Libertäre Ver(w)irrungen
In einer Pressemitteilung fordert das Libertäre Institut (ein Projekt aus dem Umfeld der von André Lichtschlag herausgegebenen libertär-konservativen Zeitschrift eigentümlich frei) unter dem Teaser weniger Demokratie wagen Wahlrechtsentzug für Nettostaatsprofiteure und erklärt die BRD für nicht reformierbar. Die Thesen sind nicht nur falsch, imho, ich kann auch wenig Libertäres (im Sinne von: konsequent Liberales) daran entdecken.
Da ich hier aber keine weitere “Diskussionsbaustelle” eröffnen möchte, verweise ich auf die entsprechenden Beiträge bei Oliver Luksic und den Bissigen Liberalen, wo ich mich an der Diskussion beteilige. (Update: auch die Freiheitsfabrikanten und Bodo Wünsch tragen Lesenswertes bei)
Weitere Beiträge und Diskussionen zum Thema Hans-Hermann Hoppe & Fans auf Antibuerokratieteam.de:
- Hoppe-Debatte zum Zweiten und Dritten
- Hans-Herrmann Hoppe – ein libertärer Erzreaktionär
- Schnüffelstaat made in Dubai
- Der arme Professor (veröffentlicht in ef 51)
17 Kommentare »
RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel. TrackBack URI
Einen Kommentar hinterlassen
You must be logged in to post a comment.
--- Alle Beiträge anzeigen ---
Powered by WordPress 2.2.1 DE


antibuerokratieteam.de






Heute gibt es Herrn Lichtschlag sogar die DIE WELT:
http://www.welt.de/data/2006/09/19/1041723.html
Kommentar von Wolfgang Scheide — 19.09.06 11:21 #
Unmöglich.
Ich habe heute die ef abbestellt.
Kommentar von Bodo Wünsch — 19.09.06 11:59 #
Warum bestellen immer alle Leute etwas ab, nur weil eine Person mal ein bisschen Polemik übt Oo Gibt es heutzutage kein Verständnis mehr für eine Glosse?
Die Zeitschrift enthält doch immer wieder gute Artikel und sie ist einer der wenigen freien liberalen Magazine in Deutschland und dann hört man mit der Unterstützung auf, weil einer mal etwas überzogenes sagt Oo
Kommentar von Max — 19.09.06 12:33 #
Ein ‘interessantes’ Papier. Demnach sollen also Soldaten u.U. ihr Leben riskieren für einen Staat, der ihnen das Wahlrecht entzogen hat. Und gehen sie dann in Pension, bekommen sie es auch nicht, da sie ja nichts für die Gesellschaft geleistet haben und leisten. Tststs…
Kommentar von Olaf Petersen — 19.09.06 13:40 #
Die Nettostaatsprofiteure leben vom Staat und das ist nicht die Gesellschaft sondern der Nettosteuerzahler. Und jetzt wählen diese Leute eine Regierung, die dann die Steuern für die Nettosteuerzahler erheben darf.
Das ist der Zirkelschluss den Lichtschlag und co mit dem Artikel aufzeigen wollen. Ob dieses System reformierbar ist oder nicht sei dahingestellt – aber ganz im Sinne von John Galts Schwur sehe ich nicht, wo die libertären Defizite in dem Artikel zu finden sind?
Kommentar von Dagny Taggart — 19.09.06 15:03 #
Dagny Taggart, ich
habe im B.L.O.G. ausführlich zu den “Defiziten” der PM Stellung genommen, wie ich sie sehe. Bei weiterführenden Diskussionen finde ich es immer ein wenig unübersichtlich, wenn diese dann in x Blogs “zerfasern”.
Kommentar von jo@chim — 19.09.06 17:19 #
Dagny, wir wissen beide, dass in Ayn Rands Roman “Atlas Shrugged” eine Elite ein Land verläßt, um eine unabhängige Kommunität zu bilden. Ich sehe dort wirklich keine Parallelen zu den Äußerungen von Herrn Lichtschlag, abgesehen einmal von der Kritik am Wohlfahrtsstaat, die natürlich legitim ist. Herr Lichtschlag schlägt aber von dieser Kritik ausgehend vor, darüber nachzudenken, ob man nicht große Teile der Bevölkerung vom Wahlrecht ausschließt, was üblicherweise in Deutschland nur für Kriminelle hin und wieder angeordnet wird. Man kann schon darüber sinnieren, wie er dieses bewerkstelligen möchte, da doch das System aus sich selbst heraus angeblich “unreformierbar” sein soll.
Kommentar von Wolfgang Scheide — 20.09.06 09:25 #
Liebes A-Team!
Habt Ihr schon mal was von “Provokation” gehört. Ihr nehmt Lichtschlagsartikel viel zu ernst (im Sinne der Forderung nach Abschaffung das allgemeinen Wahlrechts). Übrigens vertreten auch andere Leute die These, dass Deuschland unter den gegebenen Mehrheitsverhältnissen nicht reformierbar ist. Z.B. Prof. Hans-Werner Sinn von der Uni München
Grüße,Gernot
Kommentar von Gernot — 21.09.06 15:15 #
Hi Gernot, wie gehts? Du hast sicher mich gemeint, nicht wirklich das A’Team als spirituelle Entität? Deshalb AW von mir – dass das eine Provo-Aktion war, hat sich mir insoweit schon erschlossen; sie ging aber imo in die falsche Richtung:
Klar ist die BRD unter den gegebenen Mehrheitsverhältnissen nicht reformierbar. Die Hoppe’schen Paläolibertären schliessen daraus, dass “das System” durch Gewalt oder per Ausschluss umgestürzt werden müsse.
Das ist platter Extremismus, da trennen sich unsere Wege – nur politisch-kulturelle Hegemonie kann/wird das System verändern, imho. Ich kann mir eine freiheitlich organisierte Gesellschaft gegen den Willen von Mehrheiten (Headcounts, nicht Zensus, im Sinne von gleichen “Marktzugangsbedingungen”) nicht vorstellen, beim besten Willen nicht.
Mehr vielleicht bald als eigener Beitrag.
Kommentar von jo@chim — 21.09.06 15:43 #
Hallo , hallo Gernot,
“Liberalismus mit der Brechstange”, könnte man sagen. – Es ist auch noch ein Unterschied zwischen “gegebenen Mehrheitsverhältnissen” und etwa gegebenen Entscheidungsfindungsmethodiken, also die (regelmäßigen) möglichen Entscheidungskonflikte allüberall.
HopiHoppe-Indianer wollen Konflikte … äh ja… wie denn nun?… entscheiden.Liberale, die schonmal was vom Rechtsbegriff gehört haben, fassen Hoppe mit spitzen Fingern an.
Und wer jetzt behauptet, die Idee jederzeit möglicher Konflikte unter Menschen als obsolet oder abwegig glaubt hinstellen zu können, der wird eine Antwort auf die Frage der Entscheidungsfindungsproblematik nichts beitragen können, geschweige denn, sie lösen.
Da legt man doch wieder Hoppe getrost beiseite und holt seinen v. Mises raus :)
Kommentar von Bodo Wünsch — 21.09.06 16:12 #
Einst stimmt auf jeden Fall: In einer Demokratie – den rationalen Wähler unterstellt – wird sich immer eine Mehrheit pro Umverteilung finden, weil auf jeden Fall 50% der Subjekte weniger als die Hälfte eines beliebigen Gutes besitzen. Also hat aus logischer Sicht die unbeschränkte Demokratie die inhärente Tendenz zum Sozialismus. Würde man genauer argumentieren könnte man besser noch fordern, dass das Stimmgewicht anhand der Nettotransfersumme zu bemessen wäre, welches der Einzelne dem Staat übereignet. Der Effekt wäre: Bereichert sich jameand am Staat, dann verliert er das Wahlrecht. Finanziert jemand den Staat außerordenrlich, dann erhält er als Gegenleistung ein höheres Stimmgewicht. Ich sehe da erst einmal nicht Verwerfliches an Überlegungen in diese Richtung. Mindestens würde das größte Problem der Demokratie – ihre Entartung zum Umverteilungsmonster – wirksam eingeschränkt.
Andererseit wird sich niemals eine Mehrheit für die Einührung eines Zensuswahlrechtes finden. Der Grund ist der selbe, weshalb der Demokratie die Tendenz zum Sozialismus innewohnt.
Kommentar von Roland Scheel — 23.09.06 09:34 #
Roland, Dein Denkfehler ist, dass Umverteilung für die Mehrheit ihrer Nutzniesser (langfristig gesehen) kein vernünftiges Verhalten darstellt.
Nach
Deiner Argumentation würde ein Junkie rational agieren.
Kommentar von jo@chim — 23.09.06 09:56 #
Manche fühlen sich zunehmend vom Islam überrannt, andere wiederum von Rentnern und Arbeitslosen bedroht. Arme Schweine …
Kommentar von Klaus — 23.09.06 23:09 #
Joachim, dein Denkfehler ist, dass du nicht zwischen Verstand und Absicht unterscheidest. Agieren ist nur dann Agieren (in Abgrenzung zu Sich-Verhalten), wenn es auf die Vernunft gründet. Ein Junkie will Drogen konsumieren und wählt über seinen Verstand beispielsweise den Diebstahl als Mittel zur Erlangung seiner Drogen. Stiehlt ein Junkie, so verhält er sich rational.
Ob Umverteilung aus sich des pro Umverteilung Optierenden vernünftig ist hängt allein davon ab, ob er für die Umverteilung votiert, weil es ihm seine Vernunft so gesagt hat. Und im Falle der Demokratie haben wir den klassischen Fall der Allmende: Das Privateigentum wird durch Dritte übernutzt, weil ihnen keine Grenzen im Zugriff auf fremdes Eigentum gesetzt sind. Unser Grundgesetzt ist nur ein äußerst schwacher Schutz vor Enteignung, wie die Staatsquote von 63% eindrucksvoll belegt.
Kommentar von Roland Scheel — 24.09.06 20:14 #
[...] Als ich in einer der wenigen (Frei-)Zeitfenster der letzten Tage dieses Zitat von Roland Baader als “Quote of the Day” gelesen habe, kam mir in den Sinn, dass in seiner Aussage eine treffende Unterscheidung zum liberalen Extremismus manch eigentümlich Freier formuliert sein könnte. [...]
Pingback von antibuerokratieteam.de » Unterscheidung zum “liberalen Extremismus” — 30.09.06 16:36 #
Der SPIEGEL (42/2006) spekuliert gerade, Angela Merkel könne den EU-Gipfel im Frühjahr 2007 dazu nutzen, für einen europäisch-nordamerikanischen Abschottungsblock gegen die böse, böse fernöstliche Konkurrenz zu plädieren. Zitat:
â??Womöglich nutzt Merkel die dann fällige Grundsatzrede für ein erstes öffentliches Werben um die transatlantische Freihandelszone. Deren Gegner versuchen, das Zusammenrücken Europas mit den USA als Akt des Protektionismus zu brandmarken. Mit demselben Argument hatte die FDP seinerzeit die Gründung Europas abgelehnt. Adenauer setzte die Römischen Verträge auch im eigenen Kabinett mit einem sogenannten Integrationsbefehl (Ludwig Erhard) durch.â??
Diese putzigen Sätze offenbaren zunächst das völlige Unverständnis der Autoren (allem voran Gabor Steingart) von der Idee des Freihandels, wie ihn etwa Frederic Bastiat überzeugend vertreten hat, sowie ein erschreckendes MaÃ? an Unkenntnis über das protektionistische Wesen der EU. Dieses AusmaÃ? an Ignoranz wird dem geneigten Leser dann noch dummdreist als höhere Einsicht in realpolitische Notwendigkeiten verkauft.
Sie zeigen aber auch noch etwas anderes: Die tonangebenden Meinungslager dieser Republik waren seit eh und je so unempfänglich gegenüber wohlbegründeten Einwänden zu falschen historischen Weichenstellungen und auch im Nachhinein durch keine noch so massive Tatsachenfülle zum Fehlereingeständnis oder gar zur Korrektur bereit, wie sie es heute noch sind. Ungestümere Naturen als der Betreiber dieses Blogs könnten daher durchaus auf den Gedanken kommen, weitreichendere SchluÃ?folgerungen zu ziehen und beispielsweise zu fragen, ob die von Semi-Libertären wie etwa von dem von mir sehr geschätzten Achim Hecht immer noch aufrecht erhaltene Ansicht, die BRD sei reformierbar, nicht lediglich eine morbide Form von â??wishful thinkingâ?? darstellt, die zudem keiner empirischen Ã?berprüfung standhält. DaÃ? immer mehr Menschen an der Reformfähigkeit dieser Republik grundsätzliche Zweifel hegen, das zeigen nicht zuletzt auch jene exorbitant hohen Auswanderungszahlen, ein Exodus, wie wir ihn zuletzt am Ende der 30er Jahre hatten.
http://dominikhennig.blogspot.com
Kommentar von Dietmar-Dominik Hennig — 17.10.06 19:57 #
[...] Es ist traurig, eigentümlich frei zu einer sektiererischen Provotruppe mutieren zu sehen. Da ist immer weniger von dem Marktplatz des Liberalismus zu finden, den die Zeitschrift einmal repräsentierte. Stattdessen werden Ressentiments bedient: sperrt den charakterlich und mental degenerierten Millionen einfach die Mittel und schon marschieren wir nicht mehr moralisch und wirtschaftlich in den Abgrund. So einfach kann Hoppes “liberale Revolution” sein. Dass da niemand vorher draufgekommen ist. [...]
Pingback von antibuerokratieteam.de » Kopfschütteln und Entsetzen — 31.10.06 00:24 #