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Castro war nie ein Kommunist

Montag, 07.08.06 14:11 by jo@chim - 6 Kommentare

Castro war nie ein Kommunist – er ist ein Faschist, der zu spät gekommen ist

So der US-Kongressabgeordnete Lincoln Diaz-Balart gestern in einer ZDF-Dokumentation zur ausgehenden Castro-ßra. Der familiäre Hintergrund des Exil-Kubaners ist im Zusammenhang mit diesem markigen Spruch allerdings durchaus erwähnenswert:
Sein Batista-naher Clan (in den Fidel Castro 1948 übrigens einheiratete) hatte wohl einiges an Pfründen durch den Putsch der Guerilleros verloren. Kein Wunder also, dass Lincoln noch schlechter als andere auf Fidel zu sprechen ist, könnte man denken.
Aber auch Jorge Edwards, unter dem Sozialisten Salvador Allende chilenischer Gesandter in Havanna, setzt in seinem Spiegel-Essay der gute Stern des Tyrannen einen ähnlichen Bezug, indem er die Post-Castro-Zeit mit der Post-Franco-Zeit vergleicht.

Wie auch immer Herrschaftspraxis und -Theorie des Castrismus sich im Einzelnen aus kommunistischen und/oder faschistischen Versatzstücken speisen mögen: vor allem – und auch darauf weist Edwards hin – ist Fidel Castro Ruz ein charismatischer Machtpolitiker, begnadeter medialer Selbstdarsteller und typischer lateinamerikanischer Caudillo gewesen, der es (fast) immer verstanden hat, sich trotz katastrophaler wirtschaftlicher Entwicklung, Terror nach innen und einer überbordenden, korrupten Partei- und Staatsbürokratie Unterstützung auch in Teilen der Bevölkerung zu verschaffen. Als Hauptinstrument der Machtsicherung fungierte dabei nicht die sozialistische Ideologie (das ökonomische Scheitern des Systems ist jedem Kubaner bewusst), sondern ein kubanischer Nationalismus, der sich vor allem aus der Gegnerschaft zu den USA speiste.

Nun sieht es also so aus, als wenn sich für die Kubaner, sowohl die auf der Insel verbliebenen, als auch die über 2 Mio. vor Not und Unterdrückung geflüchteten im Exil, mit dem schrittweisen Abgang des Jefe doch bald ein Ausweg aus dem dunklen Tunnel ohne Ende (Edwards) eröffnen könnte. Dem kubanischen Volk ist zu wünschen, dass diese Transformation unblutig verlaufen wird, und nicht wie im Falle Haitis – wo der Diktatorenclan der Duvaliers nach seinem Abgang Ende der 80er Jahre ebenso ökonomisch und moralisch verrottete Strukturen hinterlassen hatte – zu dauerhafter Instabilität und Bürgerkrieg führen wird.

Darüber ob in Castros Regime nun die kommunistischen oder faschistischen Elemente überwogen, mögen dann eines – hoffentlich nicht allzu fernen – Tages die Historiker an der Universität von Havanna frei diskutieren.


Das Antibuerokratieteam - seit 15.08.07 auf www.antibuerokratieteam.net

6 Kommentare »

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  1. Das habe ich auch gestern im ZDF gesehen..:-)

    Gewagte These, aber interessant. Ideologie zur Festigung der eigenen Herrschaft ist jedenfalls immer ein gerne beliebtes Mittel…

    Kommentar von Oliver — 07.08.06 14:20 #

  2. Hmm, ob dabei dem Feindbild USA nicht auch die schwachsinnigen Wirtschaftsblockaden halfen, die nur der armen Bevölkerung, nicht aber den Freunden und Parteioberen um Castro, schadeten?

    Kommentar von Max — 07.08.06 14:24 #

  3. @Max: ja, zu dieser Ansicht tendiere ich auch.

    Kommentar von jo@chim — 07.08.06 14:33 #

  4. Ach ja, jetzt, wo Castro genauso agonisiert wie sein! Land und sein! Volk, jetzt kehren sich offenbar auch einige Linke von Fidel ab, -so nach dem Motto: Jeder sozialistische Despot darf in seiner Schäbigkeit mit dem Sozialismus als Idee nichts zu tun haben. Insbesondere seine regierige Wirklichkeit darf die hehre marxistische Ideologie nicht besudeln, darum ist Castro jetzt eben Faschist oder Phalangist (Phalangismus und Faschismus haben übrigens nicht sonderlich viel miteinander zu tun: Aber über den diametralen Prinzipiengegensatz zwischen totalitärer Mobilisierungsideologie und autoritärem Staat, -vielleicht ja ein andermal!).

    Castro hatte allerdings noch ein anderes Trumph-As, das in der offiziellen Arbeiter-Ideologe (Internationale) keine, in den sozialistischen Wirklichkeiten immer eine große Rolle gespielt hat: Den Nationalismus. Ob Stalins rotzaristische Rede vom “Vaterländischen”, ob Titos Hätschelung des serbischen Chauvinismus, ob Ost-Berlins oder Ungarns oder Tschechiens letztlich fehlgehender Versuch, prononcierten Patriotismus und Kommunismus zu verschmelzen, – wann immer der Sozialismus, zeitweilig, Erfolg hatte, dann nur, weil er sich mit nationalen Leidenschaften nebst historischen Feindbildern aufladen konnte. Ungarns oder Prags populäre Revolte gegen ihren Satellitenstatus hatten wenig mit einem innovativen Sozialismus als vielmehr mit Nationalismus und Unabhängigkeitsstreben gegen Moskau (wie schon zuvor gegen Wien) zu tun. Nationalismus und Religion haben sich als mächtigere Kollektivkräfte bezeugt, im Vergleich jedenfalls zu Ökonomie und Sozialtechnik.

    Speziell in der Dritten Welt konnte sich der Hass auf die alten Kolonialmächte oder ihren westlichen “Nachfolger” USA mit vagen Vorstellungen vom Sozialismus als einer verlangsamten, antiwestlichen, antiamerikanischen, aber auch antifranzösischen Moderne verbinden. Man denke an Vietnam, an die PLO, an Kuba und Angola, jetzt vielleicht an Chavez. Da, wo eine echte nationale, also organisch gewachsene Identität fehlt, insofern Grenzziehung und zentrale Administration ebenso künstlich-kolonial waren wie überhaupt auch statsbürgerlicher Patriotismus als Idee von 1789, da konnte dann eben der Sozialismus stehen für Revolte, für kämpferische Absage an den Westen, an den Nachbarn und seine Ansprüche auf eine Hemi-Sphäre (Monroe-Doktrin). Eine Art Nationalismus ohne Nation, aber mit (überlegenem) Feind. Also: nationaler Sozialismus? Oder nicht eher kollektiver, schicksalsgemeinschaftlicher Pauperismus im Schatten eines “Reichen und Mächtigen und mächtigen Reiches des Bösen”?

    Kommentar von ralph — 08.08.06 14:42 #

  5. @ralph: Deinen, jeden Apologeten des Sozialismus wie die Faust aufs trübe Auge treffenden Satz “Jeder sozialistische Despot darf in seiner Schäbigkeit mit
    dem Sozialismus als Idee nichts zu tun haben” habe ich als Zitat in unsere Quotes-DB aufgenommen. Falls er nicht originär von Dir ist, lass es mich bitte wissen ;-)

    Kommentar von jo@chim — 08.08.06 23:19 #

  6. [...] Während die einen heute Maximo Führers Geburtstag feiern, wurde ein anderes sozialistisches Geburtstagskind des 13.8. schon länger vom verdienten Ende ereilt … Happy Birthday Mr. Castro [...]

    Pingback von antibuerokratieteam.de » Geburtstagswnsche zum 13.8. — 13.08.06 20:03 #

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