Schurkenstaat Israel: Es fehlen die Begriffe.
Es fehlen die Begriffe, meint der Kommentator im “WDR2-Klartext”, Jürgen Hanefeld. Und mir fehlen angesichts seines Kommentars die Worte. Zitat:
Israelische Militäroffensive: Sündenbock Libanon
Uns fehlen die Worte. Oder besser: die Begriffe fehlen! Ist das nun eine Geiselbefreiung? ein Racheakt? Ist es bereits Krieg? Nichts von alledem. Es ist ein ßberfall. Auf einen souveränen und friedfertigen Staat.
Egal, welche innenpolitischen Motive Premierminister Olmert und seine Falken dazu bewogen haben, sich wie “Schurken” zu verhalten – aber sie tun es. …
Die Frage ist: Wer bringt Herrn Olmert zur Vernunft, bevor der ßberfall in einen Krieg mündet, der nicht nur den Nahen Osten erschüttern, sondern die Welt erneut spalten kann. Ein westlicher Diplomat bemerkte neulich, Israel glaube immer noch, Anspruch auf die Sympathien des kleinen David mit der Steinschleuder zu haben. Und merke nicht, dass es längst als aggressiver Goliath wahrgenommen wird. Wer sagt es Herrn Olmert?
Merke: Der WDR-Kommentator hält Israel für einen aggressiven Schurkenstaat, der aus innenpolitischen Motiven seine friedlichen Nachbarn angreift. Wie bitte?
Es gibt – zum Glück – aber auch noch andere Meinungen in den Medien, zum Beispiel die von Andrea Seibel. In der Welt schreibt sie:
Israel marschiert in den Libanon ein. Was Franzosen und Russen umgehend als “Kriegshandlung” geißeln, wird von den USA und Deutschland wohlverstanden als Akt der Selbstverteidigung. Die Lage in Nahost, immer volatil, ist so ernst und verfahren wie schon lange nicht mehr. Israel versucht Abschreckung durch Frontalangriff. Hisbollah im Libanon wie Hamas in Gaza soll mit aller Macht, und die liegt nun einmal im Militärischen, klar gemacht werden, daß Raketendauereschuß und die Entführung von Soldaten zu erpresserischen Zwecken nicht geduldet werden.
Israel hat keine Wahl. In einem hochgradig feindlichen Umfeld, in dem man bei Libanon, Syrien oder Iran nicht von “Nachbar”-Staaten sprechen kann, scheint dies die einzige Sprache, die Terroristen verstehen. Man hat sich vergangenes Jahr aus Gaza und Jahre zuvor aus dem Südlibanon zurückgezogen und auf politische Lösungen gesetzt. Doch dies wurde nur als Schwäche interpretiert – eine bittere Lektion. Israel muß weiter mit der schier unerträglichen Tatsache leben, daß ein Großteil der arabischen Welt es am liebsten ausgelöscht sähe.
Israel ist in Not. Der neuer Premier Ehud Olmert nennt die Militärintervention eine "Operation angemessener Preis". Er ist sich der Gefahr der Eskalation bewußt. Israel braucht mehr Unterstützung denn je.
Ob Frau Seibel und Herr Hanefeld wirklich in derselben Welt leben?
8 Kommentare »
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Danke, da bist Du mir knapp zuvor gekommen, Oliver.

Apropos fehlende Worte – wie wärs mit
Solidarität mit Israel!
Ich wünsche den IDF von ganzem Herzen viel Erfolg!
Kommentar von jo@chim — 14.07.06 19:15 #
Hanefeld ist der Korrespondent in Amman, also wenn es eine Meinung ist, dann die der Syrischen Regierung. So würde ich das sehen.
Kommentar von peetgp — 14.07.06 19:19 #
Ich bin immer wieder fassungslos, wenn die Israeli in souveränen Staaten auf Terroristenjagd geht. Man stelle sich einmal vor, die Bundeswehr wäre zu RAF-Zeit nach Belgien geflogen und hätte belgische Dörfer bombardiert, weil sie dort RAF-Terroristen vermuteten. Eine völlig absurde Vorstellung – in Israel Alltag!
Hisbolla, Hamas und wie sie alle heißen sind Terrororganisationen, wie einst die IRA. Und genau wie diese werden sie von ihren Anhängern als Freiheitskämpfer gesehen. Militäraktionen lösen deshalb das Problem nicht, sie verschärfen es! Hier hilft nur langfristige Diplomatie – so wie in Nordirland. Und so wie dort sollten die Israeli nicht jede Provokation gleich militärisch beantworten. Für die Befreiung entführter Soldaten wäre der Geheimdienst wesentlich besser geeignet. Aber den israelischen Politikern geht es leider mehr darum Stärke zu demonstrieren und innenpolitische Vorteile daraus zu ziehen.
Kommentar von Holger Ehrlich — 14.07.06 22:12 #
Lieber Holger Ehrlich – die “souveränen Staaten” führen einen schmutzigen Krieg gegen die einzige Demokratie im Nahen Osten. Da werden nicht nur Soldaten entführt, sondern – seit neuestem “demokratisch legitimiert” – Zivilisten massakriert. Bitteschön, die Israelis wollen nicht mehr ins Gas und auch nicht ins Meer getrieben werden. Haben sie kein Recht auf Selbstverteidigung?
Sage keiner, dass sie es nicht mit “langfristiger Diplomatie” versucht hätten: Ulrich Speck hat im Kosmoblog einige richtige Anmerkungen dazu publiziert.
btw: Gegen Terrorismus fielen übrigens durchaus auch schon deutschen Behörden adäquate Antworten ein …
Kommentar von jo@chim — 14.07.06 23:23 #
Ich habe heute Morgen den Kommentar im WDR-Radio auch gehört und war ebenso empört.
@Holger: Wenn es “souveräne” Staaten wären, dürften sie die permanenten Überfälle, die von offizieller Seite stets verurteilt werden, nicht zulassen bzw. würden sie verhindern.
Das Beispiel mit Belgien und der RAF ist wohl ziemlich daneben. Bisher hatten wir doch, wenn ich ich richtig erinnere, keine Raketenüberfälle aus Belgien.
Kommentar von apollon — 15.07.06 00:44 #
Es ehrt Euch alle sehr, daß Ihr Euch so vehement für Israel einsetzt. Und auch ich bestreite keinesfalls das Existenz- und Selbstverteidigungsrecht Israels – wie sollte ich auch, ich stamme aus einer jüdischen Familie, die zahlreiche Mitglieder in den KZ verloren hat – Aber dennoch finde ich nicht automatisch alles richtig und gerechtfertigt, was die Israeli tun! Die Hisbollah ist nicht der Libanon. Auch wenn sie dort zahlreiche Anhänger hat und auch wenn die Regierung dort nichts gegen diese Terroristen unternimmt. Als Selbstverteidigung ginge das Beschießen der vermuteten Raketenabschußorte ja durchaus in Ordnung, aber die Zerstörung des zivilen Flughafens oder des in der Innenstadt gelegenen Hisbollah HQ ist damit nicht zu rechtfertigen. Hier traf es hauptsächlich unbeteiligte Zivilisten, deren Angehörige ganz sicher nicht die Hisbollah verantwortlich machen werden.
@apollon – Die RAF, die damals tatsächlich auch von Belgien aus operierte, hat uns nur deshalb
nie mit Raketen beschossen, weil sie keine zur Verfügung hatten! Außerdem war der Vergleich eher symbolhaft, um die Absurdität der Situation zu demonstrieren. Oder meinst Du wirklich die Bundeswehr wäre nach Belgien geflogen, wenn es von dort einen Raketenangriff gegeben hätte???
Kommentar von Holger Ehrlich — 15.07.06 12:05 #
Lieber Holger Ehrlich, über die von Dir angesprochenen Punkte kann man ja auch gerne diskutieren. Aber was an dem WDR2-Kommentar einfach unerträglich war, war die implizite Gleichsetzung Israels mit “Schurkenstaaten”, die Behauptung, die Regierung Olmert würde nur von innenpolitischen Problemen ablenken wollen (als hätte es für die israelischen Angriffe gar keinen äußeren Anlass gegeben) und dann noch als Krönung die Behauptung, das aggressive Israel leben inmitten von friedfertigen Nachbarn (es wäre schön, wenn die Nachbarn wenigstens erst einmal das Existenzrecht anerkennen würden). Das ist das, was man sonst so von radikalen Islamisten oder deutschen Neonazis hören kann, und deswegen war ich – und apollon hat genau den richtigen Ausdruck dafür gefunden – empört. Wie gesagt: Über die israelische Strategie kann man gerne diskutieren, aber bei dem Kommentar stimmten schon die Prämissen nicht. Viele Grüße, Oliver
Kommentar von Oliver M.H. — 15.07.06 12:16 #
[...] Eins muss man dem WDR lassen: Er gibt sich in der gegenwärtigen Nahostkrise Mühe, nicht (zu) einseitig zu berichten. Nach dem extrem israelkritischen Kommentar von Jürgen Hanefeld, den ich an dieser Stelle kritisiert hatte, ist heute nun Israels Botschafter Shimon Stein zu Gast in der Sendung “Montalk“. Dort wird er von 19 bis 21 Uhr Gelegenheit haben, die israelische Sicht der Dinge zu erklären. [...]
Pingback von antibuerokratieteam.de » Radiohinweis: Montalk mit Shimon Stein — 24.07.06 17:39 #