Wider die Amerikanisierung des Liberalismusbegriffes
Die Liberalen brauchen heute den Mut zu einem neuen Ansatz, zu einem kritischeren Staatsverständnis, das nach der vorauszusehenden Pleite des umverteilenden und bevormundenden Wohlfahrtsstaats in Verbindung mit dem Vertrauen in die Problemlösungsfähigkeit der Privatautonomie zu einem Hoffnungsträger werden könnte
So Robert Nef, der Leiter des Liberalen Institutes der Schweiz im Text warum wollen alle Liberale sein? … und warum wählen doch so wenige die FDP?
Er wendet sich in seiner Standortbestimmung (die sich auf die Debatte in der FDP der Schweiz bezieht, imho aber von Bedeutung auch für die Diskussion hierzulande ist) gegen eine konturlose “Politik der Mitte” und eine Amerikanisierung des Liberalismusbegriffes.
Konsequent verstandenen Liberalismus positioniert er jenseits ausgedienter Links-Rechts-Schemata und plädiert dagegen, ihn als Fortsetzung der bisherigen Politik mit etwas anderen Schwergewichten zu charakterisieren.
Die Analyse Nefs zeigt sehr deutlich, dass sich in der politischen Praxis zwar Berührungspunkte zu Sozialdemokraten bzw. sogenannten Links”liberalen” ergeben, wenn es um die Verteidigung bürgerlicher Freiheitsrechte gegen staatliche Anmassung geht, ebenso wie zu Konservativen, die sich gegen den Umverteilungsstaat wenden. Er nimmt beide gegen eine undifferenzierte anarchistisch-libertäre Staatskritik in Schutz, stellt aber fest:
Letztlich glauben alle Etatisten an eine Verbesserungsmöglichkeit der Menschen durch staatlichen Zwang und an eine Stärkung der Solidarität in der Gesellschaft durch ein Primat der Politik, sowie an das Dogma, dass das Kollektiv wichtiger sei als das Individuum.
Seiner Aufforderung an die Freisinnigen des Kantons Zürich, sie sollten angesichts dessen, statt in Richtung Etatismus zu lavieren, eine langfristige Perspektive verfolgen und den Mut zu einem radikaleren, staatskritischeren Liberalismus aufbringen schliesse ich mich auch mit Blick (nicht nur) auf die bayrischen Freien Demokraten gerne an.
2 Kommentare »
RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel. TrackBack URI
Einen Kommentar hinterlassen
You must be logged in to post a comment.
--- Alle Beiträge anzeigen ---
Powered by WordPress 2.2.1 DE


antibuerokratieteam.de






“Liberals”: Ein Plädoyer für den Pro-Amerikanismus in einer bestimmten Hinsicht…
Wo
jetzt schon von Liberalen in kritischer Absicht auf mich als Liberalen, als der ich mich nur in bestimmten Hinsichten fühle, sehe oder definieren würde, gelinkt wird, mische ich mich doch einfach mal wieder in Grundsatzfragen des Liberalismus ein. D…
Trackback von Metalust & Subdiskurse — 20.04.06 08:44 #
Auch ich schließe mich dem Plädoyer Robert Nefs für einen radikaleren, staatskritischeren Liberalismus (ebenfalls mit einem tiefen Seufzer die bayerische FDP betrachtend ;-) ) an, obgleich ich die anarchokapitalistische Kritik für durchaus berechtigt und zudem empirisch gesättigt halte (siehe auch Ralph Raico: “Die Partei der Freiheit”, wo der amerikanische Historiker und Experte auf dem Gebiet des deutschen Liberalismus den verhängnisvollen Triumph Fritze Naumannschen Pragmatismus über Eugen Richtersche Grundsatztreue schildert).
Die Debatte auf http://www.freilich.ch zu Nefs Aufsatz war übrigens auch sehr anregend!
Kommentar von Dietmar-Dominik Hennig — 20.04.06 21:01 #