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Meinungsfreiheit ist doch teilbar!

Mittwoch, 12.04.06 12:32 by jo@chim - 47 Kommentare

Dies suggeriert zumindest eine an Bigotterie kaum zu überbietende Kampagne gegen die satirische Zeichentrick-Serie Popetown, eine stellenweise recht deftige Verulkung des Papstes und seiner Hofschranzen im Vatikanstaat:
Verschiedene christlich-fundamentalistische und konservative (Online-)Magazine und Weblogs von Vers1.net (”Stoppt Popetown”) über die Hardcore-Katholiken von Kreuz.net (”Der Hetzfilm kommt nach Deutschland”) bis hin zu den konservativen Haudegen von Politically Incorrect empören sich über den für 3. Mai geplanten Ausstrahlungsbeginn bei MTV.
Und die Kampagne hat den politisch korrekten Mainstream erreicht: Das ZK (sic) der deutschen Katholiken erwägt rechtliche Schritte, wie in der Welt zu lesen ist. Auch mein fränkischer Landsmann Söder bläst sich (was nicht anders zu erwarten war) wieder einmal auf, nutzt die Gunst der Stunde und fordert eine Verschärfung des absurden Blasphemie-Paragraphen 166.
Dies alles nur einige Wochen nach der – berechtigten – Empörung über die Anmassung muslimischer Fundamentalisten, Karikaturen ihres Propheten aus der Welt zu schaffen. So oder so. Nach Boycott Denmark jetzt also Boycott MTV?
Hier zeigt sich, imho, wie richtig die Aussage der von den Autoren des Antibuerokratieteams unterzeichneten Online-Petition gegen die Einschränkung der Meinungs-, Kunst- und Pressefreiheit war, dass die entscheidenden Fronten im ??Kampf der Kulturen? nicht zwischen islamischer und christlicher Welt verlaufen, sondern zwischen den ??Vertretern von Humanismus und Aufklärung? einerseits und den diversen ??Feinden der offenen Gesellschaft? andererseits.
Q.e.d.


Das Antibuerokratieteam - seit 15.08.07 auf www.antibuerokratieteam.net

47 Kommentare »

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  1. Jede Randgruppe hat ein Recht darauf, durch den Kakao gezogen zu werden. Wenn ich als Katholik nun einmal dazugehoere, dann sei’s drum. Damit muss man leben koennen. Und dann kann man sich schliesslich auch damit troesten, dass auf die Macher von Popetown das Fegefeuer wartet ;-)

    Kommentar von Oliver M.H. — 12.04.06 12:36 #

  2. Völlig richtig die Feststellung, daß die konservative Szene hier stark zur Heuchelei neigt. Die müssen sich natürlich auch die Frage gefallen lassen, wie schwach eigentlich ein Glaube ist, der ein Plakat und eine Comicserie nicht verkraftet.

    Aber die Heuchelei findet man natürlich auch in den bekannten linken Pöbelblogs. Dort, wo man in die Mohammed-Karikaturen übelsten Rassismus hineingelesen hat und die armen, wehrlosen Mohammedaner vor dem bösen westlichen Humor schützen wollte, kämpft man jetzt, wo es gegen Rom geht, ganz plötzlich und eifrig für das Recht auf Blasphemie. Das ist auch ziemlich schäbig, finde ich.

    Kommentar von statler — 12.04.06 12:50 #

  3. Einspruch ;-)

    Ich halte es für normal, wenn Katholiken gegen diese Ausstrahlung protestieren, so wie ich es für normal halte, wenn Muslime gegen Mohammed-Karikaturen protestieren. Das muss gerade auch eine “offene Gesellschaft” aushalten – den Gegenwind, den eine bewusste Provokation auslöst.

    Vermischen wir das nicht mit einer ganz anderen Frage, nämlich ob eine Gruppe versucht, das Ziel ihres Protestes mit Gewalt durchzusetzen oder mit den Mitteln, die ein freiheitlicher Rechtsstaat bietet. Hier den gewalttätigen und von Morddrohungen begleiteten Aufstand radikaler Muslime mit dem durch und durch zivilen Protest eine ZK der deutschen Katholiken auf eine Stufe zu stellen, wird dem Thema nicht gerecht und dient einer ganz anderen Agenda.

    Kommentar von Rayson — 12.04.06 12:51 #

  4. @Rayson: auf Deinen Einspruch habe ich gewartet, wirklich :) Warum soll es normal sein, anderen das eigene Geschmacksempfinden aufdrängen zu wollen? Sollen sie doch die Glotze aus lassen und Radio Maryia anhören. Ebenso wie die Muslime sich um ihren eigenen Kram kümmern sollten, anstatt Ungläubige gewalttätig oder gewaltfrei ihre Moralvorstellungen aufzuzwingen. Gegen zivilen Protest habe ich natürlich nichts – solange nicht versucht wird, ihn zivilrechtlich zu machen … Weg mit dem Paragraphen 166!

    Kommentar von jo@chim — 12.04.06 13:11 #

  5. [...] (Merci, Achim.) [...]

    Pingback von ICH WILL POPETOWN SEHEN at e pluribus unum — 12.04.06 13:17 #

  6. P.S. – und dann kommen wir schon @Statler: dass diverse Linkshysteriker ebenso bigott sind (nur eben umgekehrt) … full Ack. Meinungsfreiheit ist keine Frage von Rechts oder Links, sondern unteilbar und nicht verhandelbar. Eines der “Basics” dieses Weblogs.

    Kommentar von jo@chim — 12.04.06 13:24 #

  7. Ich sehe das auch so wie Natürlich können die Katholiken demonstrieren und protestieren, ebenso, wie es die hier lebenden Muslime tun durften. Aber wenn der “Blasphemie-Paragraph” nun greifen sollte, dann kann man ganz klar von Doppelmoral sprechen.

    Und dass sich einige, die sich gern als Freunde liberalen Gedankenguts präsentieren, wenn es gegen islamisch-totalitäre Forderungen geht, nun als Anhänger christlich-totalitärer Ansprüche herausstellen, war für mich keine Überraschung. Für euch etwa? Individuelle Freiheit und Offene Gesellschaft bedeuten diesen Herrschaften wenig, sie missbrauchen sie nur für ihre Zwecke.

    Kommentar von Karsten — 12.04.06 13:27 #

  8. “Warum soll es normal sein, anderen das eigene Geschmacksempfinden aufdrängen zu wollen? ”

    Beleidigung ist immer auch eine Geschmacksfrage. Wenn ich dich bei B.L.O.G. mit unflätigen Schimpfworten überziehe und dir allen möglichen Schweinskram andichte, wärest du von meinem Einwand, du brauchtest unsere Website ja nicht aufzusuchen, bestimmt ebenso wenig erbaut.

    Kommentar von Rayson — 12.04.06 13:39 #

  9. Jaja, der gute Philipp “Kein-Hüftgelenk-für-Omma” Mißfelder meldet sich auch zu Wort:

    http://martin-hagen.blogspot.com/2006/04/mifelder-vs-popetown.html

    Kommentar von Martin S. Hagen — 12.04.06 13:44 #

  10. Rayson, wenn der Papst sich beleidigt fühlt, soll er gerne klagen. Aber würdest Du es nicht auch etwas lächerlich finden, wenn, sagen wir einmal, ein Antibürokratisches Solidaritätskomitee die Schliessung irgendwelcher Linkshysterikerblogs auf Basis des Hechtphemieparagraphen 666 fordern würde, weil die mich dort als Neoconnard beschimpfen?

    Kommentar von jo@chim — 12.04.06 13:49 #

  11. Joachim,

    es geht ja nun wirklich nicht um den Papst, sondern um die Menschen, die in ihm und seiner Kirche etwas Besonderes sehen.

    Deine Gegenfrage verfehlt den Punkt etwas – der 166 ist nicht nur auf Religionen anwendbar, und eine gewisse Relevanz sollte der beleidigte Personenkreis vielleicht auch haben (was in der “Störung des öffentlichen Friedens” zum Ausdruck kommt).

    Weißt du, mir selbst liegt
    nicht viel an einem 166, ich möchte dann nur zu manchen “Religionskritikern” auch mal sagen dürfen, dass ich sie für arrogante Säcke halte, die auf ihre Ignoranz auch noch stolz sind (liberale Blogbetreiber sind damit natürlich nicht gemeint ;-)). Da steht mir aber leider der 185 entgegen. Gegen “Waffengleichheit” hätte ich nichts einzuwenden.

    Kommentar von Rayson — 12.04.06 16:32 #

  12. @rayson (12:51)

    Sehr richtig.

    @statler

    Wir haben uns mit Jyllands Posten solidarisiert, weil die Redaktion physisch bedroht wurde. Weil man die Westliche Welt durch Militanz und Fanatismus einschüchtern, als Ganzes zum Teil mit staatlicher Unterstützung bekämpfen wollte. IN IHR, MIT IHREN MITTELN (FREIE PUBLIZISTIK) UM DIE EIGENE SACHE ZU STREITEN, IST DAS SEHR GUTE RECHT ALLER MUSLIME. Dänemark boykottieren zu wollen, das ist daneben. Jyllands Posten angemessen zu antworten, wäre absolut okay! Ich habe mich mehrfach, schon im Februar, gegen Blasphemie, will sagen: gegen die pöbelhafte Beleidigung von Menschen, deren Verbrechen darin besteht, weder an Hayek, noch an Guido Westwelle glauben zu wollen, gewandt. Wenn manche nicht bloß Überschriften lesen würden, wäre dieses wohl auch bekannt.
    Der Freie Westen ist die Grundlage unseres Zusammenlebens. Auch eine Werthaltung. Aber er ist keine Religion. Jedenfalls nicht für uns. Wenn Ihr an Locke glaubt, oder an Ricardo, oder an Mises, -schön, das toleriere ich. Aber warum soll man Menschen in ihrer z.T. sehr intimen, metaphysischen Ehrfurcht (Jesus: Lachen, statt abhängen) kränken, Menschen, deren religiöse Überzeugung zwar gesellschaftlich relevant, politisch eher irrelevant sein will, deren Überzeugung als solche auch kritisiert werden kann, aber eben nur in ihren “weltlichen” Aspekten: Warum wollt Ihr um ein Jenseits kämpfen, an das Ihr nicht glaubt?

    @joachim

    Die simple Identifizierung der Du auf PI zugestimmt hast:

    liberal = tolerant
    atheistisch = weltoffen
    FDP Bamberg = Freier Geist

    christlich = unaufgeklärt
    christlich = borniert
    christlich = vormodern
    christlich = bigott;

    ist manichäisch, mechanisch und voller Vorurteile. Ich sehe nicht ein, dass man Robben nicht, Christen sehr wohl diskriminieren darf. Und, wem bei der Schönheit des Bamberger Domes nichts einfällt als Scheiterhaufen, der ist seinerseits borniert, kulturlos und engherzig.

    Kommentar von ralph — 12.04.06 16:33 #

  13. @ralph:
    Na gut, zuerst zum Nebenkriegsschauplatz des “nur Überschriften lesens”: 1. Kewils Moskitos waren die Spitze eines Eisbergs. Vor längerer Zeit, als F&F in unsere Blogroll kamen, gab es inhaltlich eine relativ große Schnittmenge zwischen unseren Blogs, nämlich eine pro-amerikanische Schnittmenge. In den letzten Monaten beschränkt sich F&F im wesentlichen darauf, hinter jedem Gebüsch eine muslimische Invasionsarmee zu vermuten. Die inhaltlichen Gemeinsamkeiten nahmen daher schon länger ab und die “Moskitos” waren der Tropfen, der das Faß überlaufen ließ. Daß die “Moskitos” nur ein Zitat waren, tut nichts zur Sache. Sie wurden nämlich distanzlos zitiert, Kewil schien sich das Zitat durchaus zueigen zu machen.

    Zum eigentlichen Thema: Ich bin Christ, und zwar nicht nur als Kirchensteuerzahler. Aber ich habe in einer freien Gesellschaft glücklicherweise keinerlei Anspruch darauf, daß die Inhalte meines Glaubens (und schon gar nicht der organisatorische Rahmen meiner Kirche) vor Humor, Satire und Kritik geschützt werden. Wieso sollte ich einen solchen Anspruch auch haben? Der Spielraum der Redefreiheit darf bei religiösen Fragen nun wirklich nicht eingeengt werden.
    Denken wir mal einen Schritt weiter: Wird irgendeiner der Inhalte des christlichen Glaubens dadurch geschmälert, daß irgendwelche Leute Witze darüber machen? Ich denke nicht. Und wie wertvoll ist eigentlich für eine Glaubensgemeinschaft ein Respekt, der durch staatlichen Zwang (das Rechtssystem) oder durch Boykottdrohungen erzwungen werden muß? Ich fände den ziemlich wertlos. Wenn jemand aus freien Stücken den Glauben respektiert — schön, wunderbar.
    Aber sich über ein wenig Satire derart zu echauffieren, als würde dadurch mein Glaube ernsthaft tangiert — das ist fast noch würdeloser, als der Witz selbst. Die einzige angemessene Reaktion ist stoische Gelassenheit.

    Kommentar von statler — 12.04.06 17:09 #

  14. Der Spielraum der Redefreiheit darf bei religiösen Fragen nun wirklich nicht eingeengt werden.

    A) Ist auch so ein Dogma. Frage mich, wer es geoffenbart hat. Egal: Es geht nicht um staatliche Intervention, sondern um gesellschaftliche. Zwei gesellschaftliche Fraktionen, MTV und Vers1, sind eben unterschiedlicher Meinung darüber, was kränkender ist: Jemanden zu beleidigen, oder diese Beleidigung zurückzuweisen. MTV zensiert ständig. Die oberste Zensurbehörde heisst Markt aka Quote aka Image. Warum sollen wir nicht MTV wissen lassen, dass es dem Image abträglich ist, gesellschaftliche Gruppen, ach was: uns, zu diskriminieren. Zumal gegenüber Jugendlichen und Kindern. Natürlich, man muss sie nicht MTV schauen lassen, aber es wird natürlich durch solche Formate ein gesellschaftliches Klima erzeugt, das uns nicht gefällt: -Wir sind meinungsfrei genug, um ein anderes zu werben.

    B) Nebenbei: Die freie Rede muss gerade hinsichtlich metaphysischer Gehalte eingeschränkt werden. Nicht durch den Staat, sondern durch gesellschaftlich nahegelegte, hätte fast gesagt: erzwungene Höflichkeit. Metaphysik hat nämlich die dumme Eigenheit, wenn sie Kampfplatz wird, in unentscheidbarer Schlacht zu erstarren. Das Feld des Religiösen im engeren Sinne des Wortes ist demnach gerade zu neutralisieren; Streit (Polemos und Polemik) ist legitim und notwendig im Politischen und Rechtlichen, insofern hier Kriterien der Entscheidbarkeit eingezogen sind: Richterspruch ohne Appell; Majorität.

    C) Folglich: Um Werte, zumal jenseitig verhaftete, darf man zwar dezent werben; aber nicht, indem man die anderer mit Füssen tritt. Was man auch nicht im Namen diesseitiger “Tugenden” sollte.

    D) Auf der Ebene des Persönlichen ist Stoizismus immer angeraten. Aber Stoizismus ist eben Rückzug aus dem Politischen und auch aus dem Sozialen. Aber ist solch eine a-politische und auch a-soziale Haltung wirklich die angemessene Haltung eines Christen, eines Liberalen, eines Bloggers?

    E) Zuletzt: Deine Trennung von Kirche und Religion, hier geht es schon los, ist ihrerseits ein religiöses, ein protestantisches, darf ich wohl sagen, Vorurteil. Tolerierst Du, dass ich, der ich bloß ein kulturell-ästhetisches Interesse am Christentum habe, Dir schon allein hier widerspreche?

    Kommentar von ralph — 12.04.06 17:46 #

  15. hat wenigstens eine konsistente Position, auch wenn ich sie nicht immer teile.

    An dieser Stelle: Chapeau! :-)

    Aber die polizeistaatlichen Rülpser von Söder & der ganzen klerikal-fundamentalistischen Mischpoke sind geradezu unterirdisch! Ich fordere: Stallpflicht für Söder und Mißfelder!!!

    So, und jetzt lese ich meinen wohltuend a-religiösen Radnitzky weiter! :-)

    Kommentar von Dietmar-Dominik Hennig — 12.04.06 18:48 #

  16. Wenn man diese Serie verbieten würde wäre es eine Einschränkung der Freiheit, es ist vergleichbar mit dem Geschrei über die Mohammed Karrikaturen und das sie zu verbieten sind. Einige Menschen sehen sich eventuell als beleidigt oder verhöhnt an, aber was ist mit der Mehrheit?
    Haben denn heutzutage alle Menschen ihren Humor verloren? Und was wird dann demnächst verboten? Fängt Sientology oder ähnliche Sekten dann an zu klagen, und Politiker oder sogenannte Künstler die sich auf den Schlips getreten fühlen weil man die Wahrheit etwas überspitzt sagt(hatten wir ja schon mit Richter Buskes Urteil)?
    Das ganze erinnert mich irgendwie an Deutschlands dunkelste Zeit, in der auch niemand etwas sagen durfte. Ich kann nur sagen: Wehret den Anfängen!
    Und falls jemand doch noch lachen will so möge er diese Seite besuchen: http://www.zipperfish.net/free/yaafm12.php
    Viel Spass dabei, es lohnt sich.

    Kommentar von Hardy — 12.04.06 19:31 #

  17. Protest mit Gewaltandrohungen – das können christliche Fundamentalisten auch – siehe der aktuelle Fall in Salzburg.

    Kommentar von Externspeicher — 12.04.06 22:37 #

  18. @ralph:

    “Die oberste Zensurbehörde heisst Markt aka Quote aka Image.”

    Oh je, soll ich jetzt wieder mal was zur Ähnlichkeit von linken und konservativen Weltbildern sagen? Naja, vielleicht nicht, nur soviel: Der Markt zensiert nicht, er setzt allenfalls Anreize. Wenn jemandem das Verbreiten abwegiger Positionen, die niemand nachfragt, etwas wert ist, dann hindert ihn niemand daran, eigene Ressourcen in die Verbreitung dieser Positionen zu investieren. Der Markt schon gar nicht. Dieser Gedanke sollte gerade Bloggern ja nicht fremd sein.

    “Warum sollen wir nicht MTV wissen lassen, dass es dem Image abträglich ist, gesellschaftliche Gruppen, ach was: uns, zu diskriminieren.”

    Ihr fühlt Euch von einem humoristischen Comic diskriminiert? Dann kannst Du mit einem analogen Argument auch gleich das politische Kabarett verbieten. Und jeder indische Gemüsehändler könnte darauf bestehen, die Ausstrahlung der Simpsons zu unterbinden. Nein, so geht es nicht.

    Abgesehen davon: Fernsehen produziert zunächst einmal keine Externalitäten. Wer etwas sehen will, kann es sehen, wer etwas nicht sehen will, kann abschalten. Wieso sollte Dein Wunsch, bestimmte Witze nicht ausstrahlen zu lassen, einen höheren Stellenwert haben als der Wunsch von jemand anderem, diese Witze zu konsumieren? Möchtest Du auch den Verkauf von Peperoni-Pizza verbieten, weil Du lieber Thunfisch magst?

    “Metaphysik hat nämlich die dumme Eigenheit, wenn sie Kampfplatz wird, in unentscheidbarer Schlacht zu erstarren.”

    Das ist kein spezifisches Problem metaphysischer Diskussionsgegenstände. In allen politischen Diskussionen geht es letztendlich um Konflikte zwischen Werten, und zwar solchen, zwischen denen eigentlich kein Kompromiß zu schließen ist. Manchmal hat der eine Wert die Oberhand, manchmal der andere, aber die Diskussion hört niemals auf. Sie ist genauso eine “unentscheidbare Schlacht”. Sobald Robinson seinen Freitag trifft, geht diese Schlacht los, und sie hört nicht auf. Sie durch Redeverbote unterbinden zu wollen ist zwecklos.

    Kommentar von statler — 13.04.06 11:43 #

  19. @Externspeicher

    Der Unterschied ist nur, dass die einen Maulhelden bleiben, die anderen aber einen sehr aktuellen “track record” haben…

    Kommentar von Rayson — 13.04.06 12:53 #

  20. @Statler

    “Wieso sollte Dein Wunsch, bestimmte Witze nicht ausstrahlen zu lassen, einen höheren Stellenwert haben als der Wunsch von jemand anderem, diese Witze zu konsumieren?”

    Nun, es sollte klar sein, dass für ihn selbst dieser höhere Wert gilt. Ich halte es daher durchaus für ok, wenn solche Menschen sich dann beim Sender beschweren, um ihn vielleicht noch mal zum Nachdenken zu bewegen und an seiner Güterabwägung etwas zu ändern. Man muss ja nicht alles, was man darf, auch wirklich tun.

    Die Externalitäten sehe ich übrigens allerdings gegeben. Beleidigungen und Diffamierungen setzen nicht die Anwesenheit und Aufmerksamkeit des Beleidigten oder Diffamierten voraus. Auch die Herabsetzung vor Dritten trifft.

    So lange der Rechtsrahmen Handlungsmöglichkeiten bietet, kann man diese natürlich ausschöpfen (muss man wiederum auch nicht). Gerade weil der Protest sich in diesem Rahmen bewegt, ist es unzulässig, ihn mit dem Karikaturen-Aufruhr zu vergleichen.

    Ob man das Recht so lässt, wie es ist, und ob und wie man es ändert, darüber darf man sich in einer Demokratie ja zum Glück streiten. Als Liberaler wird man da eher für weniger Staatseingriffe sein als für mehr.

    Kommentar von Rayson — 13.04.06 13:09 #

  21. Ralph, wie kommst Du denn zu einer derartig schrägen Aufstellung ? Wo hab ich derlei “zugestimmt”? So ein Unsinn! Ich wende mich nicht gegen Christen (warum auch?) sondern gegen die polizeistaatlichen Rülpser von Söder & der ganzen klerikal-fundamentalistischen Mischpoke, wie das DDH weiter oben so schön kommentiert hat. Und warum sollten Atheisten “weltoffener” sein, als Gläubige? (Als Agnostiker ordne ich mich übrigens keiner der beiden Gruppierungen zu).
    Inhaltlich hat Statler schon sehr treffend dargestellt, worum es aus liberaler Sicht geht.
    In der Zeit habe ich auch noch einen Beitrag gefunden, der’s auf den Punkt bringt:

    Doch das Konzept westlicher Freiheit, das wir für eine zivilisatorische Errungenschaft halten, umfasst nun mal das Recht, auch Religionen und Kirchen verspotten, ja beleidigen zu können. Ein Recht, das Christen im konkreten Einzelfall murrend, ja widerwillig hinnehmen mögen. Aber generell ist es in den westlichen Gesellschaften von allen Seiten akzeptiert. Jeder Versuch, diese Freiheit einzuschränken, stößt auf erbitterten Widerstand, allen voran von Künstlern, Intellektuellen und Journalisten.

    Gottseidank! ;)

    Kommentar von jo@chim — 13.04.06 13:09 #

  22. Der Artikel in der Zeit bringt es wirklich genau auf den Punkt, aus diesem Grunde bin ich auch für die Abschaffung des 166. Solange selbiger noch besteht, werden immer wieder einige religiöse Hitzköpfe kommen und unter Umständen unsere Gerichtsbarkeit belasten. Und m.E. nach haben selbige genug mit wirklich wichtigeren Dingen zu tun.

    Kommentar von Hardy — 13.04.06 14:55 #

  23. @joachim

    Ich bin gestern zu weit gegangen. Sorry. Ich fand nur das Scheiterhaufenunterstellung von Holger Danske gegen mich, der Du ausdrücklich zugestimmt hast, unangemessen, zumal unter politischen Freunden.Sorry!

    @Statler

    a) Wusstes Du, dass Ihr Liberalen mit den Kommunisten den Glauben daran teilt, das der homo oekonomikus, Technik, Produktion und Produktivität das Schicksal der Menschheit ausmachen? Gähn, solche Vorwürfe hin- und herzuspielen, ist langweilig, nicht?

    b) Was den Markt betrifft. Schön, Ironie ist keine These; von mir aus, nennen wir es also Anreize. Dann setzen wir halt Anreize, Popetown nicht auszustrahlen. Ein ökonomischer Vorgang. Nix Zensur. Nix Redefreiheit. Iis the economy, statler.

    c) Warum sollte mein Wunsch, dass diese Witze nicht ausgedtrahlt werden, geringer wiegen als Deiner. Ausserdem, mein Leben wäre ohne die Simpsons weder fredloser noch enger. Nebenbei: Die Ironie gegen Apu ist sehr viel versöhnlicher als “Lachen statt abhängen”.

    d.) Über den Unterschied von Politik und Religion habe ich mich schon eingehend ausgelassen. Wir sollten beides nicht gleichsetzen. Politik ist entscheidbar (Majorität), darum kann die Entscheidungsfindung auch polemisch begleitet sein.

    ralph

    Kommentar von ralph — 13.04.06 16:03 #

  24. Ralph, H.D. hat auf PI mit den Scheiterhaufen nicht Dich persönlich gemeint, zumindest habe ich das so gelesen:

    Hätten die Aufklärer der Vergangenheit nicht den Mut aufgebracht, religiöse Gefühle zu verletzen, würden in Europa die Scheiterhaufen wohl heute noch brennen

    Ich habe Dein Statement auf PI so verstanden, dass Du die Forderung nach Gesetzesverschärfungen nicht teilst und nehme das – gerade bei einem Konservativen wie Dir – wohlwollend zur Kenntnis :)
    Und Deine Anmerkung oben dann setzen wir halt Anreize, Popetown nicht auszustrahlen. Ein ökonomischer Vorgang. Nix Zensur. Nix Redefreiheit. Its the economy, statler ist ein Touch, das ich aus einem libertären Ansatz heraus zu akzeptieren habe. Ich gestatte mir aber als (auch) Werteliberaler, die Kampagne als albern, bigott und unangebracht zu kritisieren.

    Kommentar von jo@chim — 13.04.06 17:09 #

  25. Nein Ralph, entscheidbar ist in der Politik auch nichts, genauso wenig wie in der Religion. Wir haben uns auf die Demokratie als halbwegs erträglichen Mechanismus der Koordination des kollektiven Handelns geeinigt, gerade weil die Demokratie es möglich macht, friedlich die Politik zu wechseln. Und so hüpfen wir von einer Politik zur anderen und wieder zurück und streiten uns ständig darüber, wie es weiter gehen soll. Da wird nichts entschieden, da wird keine politische Wahrheit gefunden, sondern es wird sich permanent darüber gestritten, in welche Richtung die nächste Veränderung gehen soll. Schliesslich bleiben wir auch nach der Wahl ja entweder Sozialisten oder Konservative oder Liberale, wir nehmen ja nicht alle die Position der kurzfristigen Mehrheit an.

    Politik ist nicht entscheidbar. Und damit unterscheidet sich der Konflikt um politische Werte überhaupt nicht grundsätzlich vom Konflikt zwischen Konfessionen. Da machen wir auch unsere Witze übereinander, streiten uns über Engel auf Nadelspitzen oder über Bilderverbote — und am Ende bleiben wir trotzdem Katholiken, Protestanten, Orthodoxe, Moslems oder Hindus. Und können uns über Glaubensinhalte genauso streiten wie über politische Werte.

    Kommentar von statler — 13.04.06 17:10 #

  26. @Joachim/Statler

    Ja, jetzt haben wir alle ganz dicke Bretter gebohrt. Angebohrt wenigstens. Und bei aller Kontroverse bewiesen, dass wir einander doch unsere Differenzen nachsehen können.

    Neben dem politischen Liberalismus gibt es auch noch einen persönlichen oder ethischen, nennt sich Großzügigkeit. Und immerhin, die haben wir alle, glaube ich, trotz mancher Polemik meinerseits bewiesen. Ich “konservativer Haudegen” habe mich wenigstens darum bemüht …

    Also, in dem Sinne:

    Frohe Ostern Euch beiden.

    ralph

    Kommentar von ralph — 13.04.06 18:25 #

  27. Ich weiß, es ist eigentlich schon alles gesagt. Trotzdem:

    @ralph

    Ihr habt ja nicht einfach nur den gewalttätigem Protest abgelehnt. Ihr habt gleichzeitig alle, die die Karikaturen nicht abgedruckt haben, als Dhimmis usw. beschimpft.
    Das macht die Heuchelei ja so offensichtlich. Hättet ihr damals den Standpunkt vertreten, dass religiöse Gefühle im allgemeinen nicht verletzt werden sollten, die Proteste also grundsätzlich angebracht (wenn auch weit übertrieben) seien – ok. Das haben im übrigen einige Rabbis und Geistliche getan, und sind dafür von euch harsch kritisiert worden.

    Was die Dänen wirklich zum Einknicken gebracht hat, waren eben nicht die Gewaltausbrüche, sondern die wirtschaftlichen Sanktionen: Anreize eben. Ein ökonomischer Vorgang.
    Damals habt ihr so getan, als stünde die Meinungsfreiheit und die Zukunft des Abendlands auf dem Spiel, wenn jemand diesen ökonomischen Anreizen nachgeben würde. Aber wenn Katholiken wirtschaftlichen Druck ausüben, dann ist plötzlich alles gaaanz anders?

    Wer findet, dass es “Pflicht” ist, islamkritische Karikaturen abzudrucken, aber dann “ausrastet”, wenn die eigenen religiösen Gefühle verletzt werden, der macht sich lächerlich.

    Volle Zustimmung für das A-Team.

    Kommentar von Fuchur — 13.04.06 18:48 #

  28. In dem Moment, wo Popetown ausgestrahlt wird, wird auch nicht mehr South Park zensiert.

    Und wenn die Muselmanen darob im Dreieck hüpfen.

    Kommentar von mousseman — 13.04.06 21:08 #

  29. Ralph, auch Dir, ebenso wie allen unseren Lesern – je nach persönlicher Vorliebe – erholsame Feiertage, frohe Ostern, schönes Pessach!

    Kommentar von jo@chim — 13.04.06 21:42 #

  30. [...] Zur scheinheiligen Debatte, ob Popetwon denn nun ausgestrahlt werden soll oder nicht. [...]

    Pingback von F!XMBR » Zu Ostern das Zitat der Woche — 13.04.06 23:10 #

  31. Besinnliches zum Karfreitag…

    In den letzten Tagen hatten wir, Liberale und Neocons, in der Kommentarsektion des A-Teams einen kleinen Disput zur vermutlich doch recht geschmacklosen MTV-Serie Popetown ausgefochten. Meine Position dazu ist, daß ich Popetown sehr wahrscheinlich nic….

    Trackback von Statler & Waldorf — 14.04.06 18:58 #

  32. Man kann feststellen: Es gibt eine neue Kultur der Empörung. Außerdem ist es natürlich in und chick Petitionen oder Kampagnen zu starten. Weil wir ja uns ja nun mal für zivilisiert halten, erschöpft sich das zunächst in Stickers (0,50 Cent) Buttons und dolle vielen Emails an “Verantwortliche”. Weniger zivilisierte fackeln Fahnen oder Konsulate ab.

    Es war doch ein verdammter Fehler der Katholen 1966 den Index abgeschafft zu haben. Der hatte nämlich alle die Bücher aufgelistet welche den Gläubigen nicht zumutbar waren und die sie infolge dessen auch nicht lesen durften.

    Man sollte ihn wieder einführen. Und ihn um einen Index der Sendungen und Sender und Zeitungen und Zeitschriften und Blogger und Blogs und wasweißichnochalles erweitern. Da gelänge es dann endlich die Gläubigen auf einem Level der Infantilität zu belassen der der moslemischen Welt so vorbildhaft zu eigen ist.

    Man muß in diesen bedrohlichen Zeiten, wo hinter jeder Litfass-Säule, in den Annoncen, ja sogar in der hehren Bloggerwelt Blasphemiker hocken, auf einander zugehen und eine interreligiöse Arbeitsgruppe bilden. Katholen und Muslime an einen Tisch: STOPPT die Blasphemie. WIR sind EMPÖRT! (Kauft unsere Buttons) Wir haben ja doch – letztlich viele Gemeinsamkeiten. Jedenfalls dann, wenn wir Kunst und Humor, und Karikatur und Sprache, na usw. beurteilen.

    Kommentar von Robin Renitent — 14.04.06 23:08 #

  33. Jetzt sag ich Euch mal was Ihr Herren Statler, Waldorf, Hecht, Herre, Kewil und Konsorten.

    Ihr habt einen Knall. Ihr habt in Eurer Blogsphere den bezug zur realen Welt verloren. Die einen sehen nur noch Eurabien, die anderen schwadronieren in theoretischen Abhandlungen zur freien Meinungsäußerung.

    Herr Herre mal zu Ihnen. Ich habe Ihre Seite sehr gut gefunden. Jetzt aber leider nicht mehr. Mich langweilt es tödlich jeden Tag 6 Berichte über Dhimmis, Eurabien und den Untergang des Abendlandes zu lesen. Ich mache Ihre Seite hin und wieder mal auf, und wenn ich den 3.”bösen Islam” Artikel gesehen, nicht gelesen, habe, dann klick ich Ihre Seite weg.

    Und jetzt zu Ihnen, Hecht. Sie haben es geschaft, Parteibuch-Marcel zu überholen. Respekt, hätte nicht gedacht, das mal jemandem sagen zu müssen. Tut es so weh, dass die FDP in Bayern gar nichts reisst, wo man doch sich moralisch und intellektuell für so überlegen hält?
    Das sind sie doch, gell Hecht.

    Nur schade, dass man dann einen solchen Dreck wie “die polizeistaatlichen Rülpser von Söder & der ganzen klerikal-fundamentalistischen Mischpoke” absondern muss. Da haben sie jetzt nämlich eine Kleinigkeit übersehen. Das ist eine knallharte persönliche Beleidigung. Darüber wurde die CSU-Landesleitung informiert und ich hoffe mal, die zeigt Sie an.

    Q.E.D. Herr Hecht? Was haben sie bewiesen ? Dass der Disput zwischen “Humanismus und Aufklärung” einerseits und den “Feinden der offenen Gesellschaft” andererseits ausgetragen wird. Und zu den Humanisten gehört natürlich “die polizeistaatlichen Rülpser von Söder & der ganzen klerikal-fundamentalistischen Mischpoke”-Hecht. Auf der anderen Seite die bösen Islamisten, vereint mit katholischer Kirche und CSU.

    Was sie ganz zufällig übersehen haben ist, dass die einen auf dem Boden von Recht und Demokratie handeln, diskutieren und vielleicht auch mal polemisieren und polarisieren.Die anderen mal bisschen was abfaklen. Also mal schnell weg mit dem q.e.d..

    Kommentar von wirtschaftsexperte — 15.04.06 19:13 #

  34. “Darüber wurde die CSU-Landesleitung informiert und ich hoffe mal, die zeigt Sie an.”
    JAWOLL! Herr Blockwart! Was meinen Sie eigentlich wieviel Narren, deren intellektuelle Fähigkeiten nicht ausreichen, zwischen Zitat und Meinungsäusserung zu unterscheiden, mir schon derartiges angedroht haben?
    btw: Kennen Sie eigentlich eine meiner Lieblingskarikaturen? Et voil:

    Schee, ned?

    Kommentar von jo@chim — 15.04.06 19:35 #

  35. Von mir aus können mich diese klerikalen, fundamentalistischen Arschlöcher auch Anzeigen Sie so genannter “Wirtschaftsexperte”. Sie scheinen ja auch total zu den religiösen Spinnern zu gehören, die wahrscheinlich auch den geistig umnachteten Religionstrotteln zustimmen, welche in Teilen Amerikas Darwin nicht nur ablehnen sondern als regelrechtes Feindbild haben, denn das ist gegen die Bibel, und die hat immer Recht(wie der Koran, nicht wahr?). Kehren Sie in Ihr Kämmerlein zurück und singen aus dem Gesangsbuch, eventuell hilft es Ihnen ins Mittelalter zurückzukehren. Sie und Ihres gleichen werden es jedenfalls nicht schaffen die freie Meinungsäußerung zu beschneiden.

    Kommentar von Hardy — 15.04.06 21:19 #

  36. Hardy, stay cool :) Jeder hat seine Macken, und manche fassen ihre Macken eben in Psalmen oder Suren. Ich sehe das wirklich eher entspannt … wer mir allerdings mit seinem Onkel, der einen Rechtsanwalt kennt droht: der kriegt den Bart.gif
    Insofern sind wir uns ja einig ;)

    Kommentar von jo@chim — 15.04.06 22:52 #

  37. *kicher*

    Wenn die CSU-Landesleitung tatsächlich den anzeigt, dann haben wir monatelang was zu lachen. Wo bei der Bezeichnung “klerikal-fundamentalistische Mischpoke” die persönliche Beleidigung liegen soll, muss man mir erst mal erklären. In der politischen Auseinandersetzung ist nämlich so einiges erlaubt, was im täglichen Leben vielleicht kritisch wäre – übrigens nach höchstrichterlichen Urteilen. Da geht von “Mauermörder” für PDS-Politiker bis “Nazifreund” für den rechten Flügel der Union fast alles durch.

    Und das weiß die CSU-Landesleitung auch. Und wird die Anzeige daher sicher nicht tätigen. Davon abgesehen, dass die (hoffentlich) besseres zu tun haben, als einen Blogger juristisch zu verfolgen.

    Kommentar von Karsten — 16.04.06 00:21 #

  38. Eigentlich dachte ich, dass man den Unterschied zwischen den Popetown-Protesten und dem Karikaturenstreit selbst den Liberalen nicht zu erklären bräuchte. Nun muss ich mit Entsetzen feststellen, dass so mancher Liberaler nicht nur seine Probleme mit der Religion an sich hat, sondern sogar die Prozesse der Meinungsbildung in einem liberalen Rechtsstaat als Illegitim empfindet. Was wäre die Alternative? Proteste ganz verbieten? Eine liberale Leitkultur wäre dann nichts anderes als Totalitarismus.

    Hier gehts zur Erlärung:

    Kommentar von andreas_schneider — 16.04.06 08:58 #

  39. uups, URL vergessen:
    http://freedomwatch.blog.de/2006/04/16/popetown_und_die_mohammed_karikaturen~731012

    Kommentar von andreas_schneider — 16.04.06 09:00 #

  40. @andreas_schneider
    Du hast zwar einerseits Recht, insbesondere was den 166 angeht(aus diesem Grunde bin ich ja auch gegen diesen Paragraphen an sich, er ist mittelalterlicher Blödsinn), jedoch scheinst Du Dir nicht im klaren zu sein was gewisse Leute, quasi durch die Hintertür, mit Protesten gegen solch eine Satire anrichten wollen. Sie wollen eine Verschärfung von Gesetzen; insbesondere zu mindestens z.Z. noch bezüglich des Religionsschutzes; jedoch wird dieses erst der Anfang sein, und darüber sollte sich jeder klar werden.
    Und was fundamentalistische Christen anrichten und verbreiten, konntest Du Dir am Do.auf Vox (BBC Exclusive:Gott gegen Darwin)ansehen.
    Übrigens wird sich die Serie, falls sie sich keiner ansieht, sowieso gestrichen. Also wird sich das Ganze nach dem Markt richten.
    Aber es darf nie mehr so sein das uns vorgeschrieben wird was wir lesen und sehen dürfen. Auch wenn einige Leute das am liebsten so wollen.

    Kommentar von Hardy — 16.04.06 09:58 #

  41. Lieber Andreas, stecke mal die Totalitarismus-Keule ganz schnell wieder ein, ich habe sie auch nicht gegenüber den Verbot!-Campagneros gebraucht.
    Zum Thema: “Prozesse der Meinungsbildung” sind natürlich legitim. Wenn mir allerdings, z.B., Erzbischöfe einer Religion, der ich nicht angehöre oder Generalsekretäre, deren Partei ich nicht wähle meine Meinungsbildung verunmöglichen wollen, indem sie Zensurparagraphen wie den 166 noch verschärfen wollen … dann werde ich patzig.
    Keiner zwingt Euch, MTV einzuschalten. Warum wollt Ihr mir vorschreiben, was ich sehen darf und was nicht?

    Kommentar von jo@chim — 16.04.06 10:03 #

  42. Wer “verunmöglicht” denn Deine Meinungsbildung? MTV behauptet doch, dass es mit Popetown keine Meinung oder Position vertreten will, sondern dass es sich um Kunst handelt. Ausserdem können und wollen Christen keine Zensur einführen, es geht alleine darum, dass Verantwortliche darüber nachdenken, ob Provokation automatisch Kunst ist UND darum, mal zu überprüfen, meinetwegen auszutesten, warum der 166er nur gewaltbereiten Religionsanhängern einen wirksamen Schutz bietet. Ist das ein modernes Recht des Stärkeren?

    Also: entweder komplette Abschaffung des 166 oder eben gleicher Schutz für alle, unabhängig vom Gewaltpotential. Zumindest letzten Punkt müssten doch auch Liberale unterschreiben können, oder?

    Kommentar von andreas_schneider — 16.04.06 13:37 #

  43. Das ist Demokratie: Langweilig wird sie nie!…

    So, jetzt muß ich ja doch noch meinen erweiterten Senf zur Popetown-Debatte dazu geben, bißchen spät – aber wo ich hier gerade auf die etwas eigenwilligen Ausführungen bei Freedomwatch verwiesen wurde, einem mir bis dato unbekannten Weblog, hoffentlich…

    Trackback von Metalust & Subdiskurse — 16.04.06 14:53 #

  44. Also: entweder komplette Abschaffung des 166 oder eben gleicher Schutz für alle, unabhängig vom Gewaltpotential. Zumindest letzten Punkt müssten doch auch Liberale unterschreiben können, oder?

    Ja Andreas, das sehe ich auch so – deshalb habe ich auch den 166 im Beitrag als absurd bezeichnet. Worin klar die Forderung nach Abschaffung dieses wie aller anderen Gesinnungsparagraphen intendiert ist. Polizeistaatliche Rülpser nach Verschärfung des 166 benötigen wir schon gleich gar nicht.

    Kommentar von jo@chim — 17.04.06 16:24 #

  45. @joachim

    “Polizeistaatliche Rülpser”, da hast Du gestern wohl doppelt aufstoßen müssen – zum einen vom Osterlamm und anschließend von diesen absurden Debatten um Popetown.

    Zum RL-Popetown:
    Im öff.-rechtl. Zweiten kommt heute Abend eine Dokumentation über ‘unseren’ 16. Benedikt, mit Kommentaren von Weggefährten und Kritikern.

    Kommentar von Jobst — 18.04.06 13:59 #

  46. [...] So kurz nach den Osterfeiertagen hat ein Christ wohl eher Anlass, sich über das Ereignis seines Glaubens schlechthin zu freuen, und sollte irdischem Gezänk gegenüber eher milde gestimmt sein. Dennoch: Vielleicht ist der Konflikt um die MTV-Sendung “Popetown” nützlich, um sich einiger grundlegender Dinge klar zu werden. [...]

    Pingback von B.L.O.G. - Bissige Liberale ohne Gnade » Nachschlag zu Popetown — 18.04.06 21:41 #

  47. Eine sehr müde Debatte gestern bei MTV – wie auch SPON meint.

    War das extra flaches Niveau für die normalen MTV-Zuschauer …?

    Kommentar von Jobst — 04.05.06 13:59 #

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