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Klare Worte wider das Kreuzrittergeschwätz

Dienstag, 14.03.06 19:19 by jo@chim - 11 Kommentare

Die Kollegen vom Weblog Politically Incorrect sehen sich als Transatlantiker wie wir, allerdings klar nicht liberaler sondern konservativer Ausrichtung.
Wie viele Konservative haben sie zu Bürgerrechten und Rechtsstaatlichkeit gelegentlich ein ambivalentes Verhältnis. Ich habe derlei zum Beispiel hinsichtlich ihres Aufrufes zur USA-Reise von Bundeskanzlerin Merkel im Januar kritisiert. Und auch sonst verbindet uns die eine oder andere Meinungsverschiedenheit. Trotzdem, auch trotz des trollinduziert meist recht niedrigen Kommentar-Niveaus auf PI, schaue ich dort gerne vorbei – und sei’s nur, um immer über aktuelle GOP-Banner informiert zu sein ;)

In unserer Einschätzung des Islamismus – der gerade mit der Buber-Rosenzweig-Medaille ausgezeichnete holländische Schriftsteller Leon de Winter bezeichnet ihn nach dem linken Faschismus der Sowjets, nach dem rechten Faschismus der Nazis als den Faschismus des 21.Jahrhunderts – sind wir uns aber einig. Eine Appeasement-Politik gegenüber der totalitären Bedrohung durch islamistische Terrornetzwerke und multikulturelles Wegsehen angesichts des Entstehens gewalttätiger Parallelgesellschaften ist grundfalsch, imho.

Ebenso wichtig erscheint mir freilich – neben Zero Tolerance gegenüber Gewalt (gleichgültig von welcher Seite) und der Forderung an muslimische Minderheiten, sich in offene Gesellschaften zu integrieren – die Anerkennung ihrer kulturellen Identität(en) und der Freiheit zur Ausübung ihrer Religion. Xenophobe Abgrenzung und kulturchauvinistische Arroganz sind die effektivst mögliche Werbung für islamistische Netzwerke.
Der eine oder andere Kommentator auf PI (und auch bei anderen konservativen Blogs) bläst allerdings genau in dieses Horn: der Islam an sich, undifferenziert als monolithischer Block dargestellt, sei nicht kompatibel mit “unserem” Wertesystem, nicht reformfähig, “die Araber” seien per se rückständig, undsoweiter.

In seinem Beitrag Kreuzberg â?? Bagdad auf PI bezieht nun Ralph – endlich möchte ich fast sagen – grundsätzlich Position hierzu. Ebenso wie ich der Auffassung, dass ein demokratischer Irak der Nucleus einer großräumigen Demokratisierung und damit auch einer befriedeten Verbürgerlichung des Nahen/Mittleren Ostens werden kann, stellt er fest:

Wer es dagegen nicht einmal den muslimischen Türken in Kreuzberg zutraut, sich in unser westliches Rechts- und auch Wertesystem zu integrieren, der muss konsequenterweise den Muslimen Bagdads eben dieses umso mehr absprechen.

Genau. Und auch den restlichen 1.2 Milliarden Anhängern dieser Weltreligion.
Die Konsequenz aus der Behauptung, der Islam sei grundsätzlich nicht reformierbar und seine Gläubigen seien in ihrer Mehrheit integrationsunfähig wäre die â??Rückführungâ?? (wohin in der 2. oder 3. Generation?) aller Muslime und Abschottung unserer offenen Gesellschaften. Oder vielleicht “Umerziehung” in stalinistischem Stil?

Wie auch immer â?? es handelt sich bei derlei Kreuzrittergewäsch um eine rassistische Agenda, wie sie hierzulande von der NPD und anderen Nazis vertreten wird. Keine gute Gesellschaft, nicht für Liberale und auch nicht für Konservative. Umsomehr freue ich mich über die klaren Worte auf PI.


Das Antibuerokratieteam - seit 15.08.07 auf www.antibuerokratieteam.net

11 Kommentare »

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  1. Hervorragender Text, den ich hiermit virtuell unterschreibe!

    Kommentar von Christian — 14.03.06 19:44 #

  2. “Klare
    Worte wider das Kreuzrittergeschwätz”…

    vom Antibürokratieteam meint:
    Die Kollegen vom Weblog Politically Incorrect sehen sich als Transatlantiker wie wir, allerdings klar nicht liberaler sondern konservativer Ausrichtung.
    Wie viele Konservative haben sie zu Bürgerrechten und Recht…

    Trackback von Dankeschön! — 14.03.06 19:53 #

  3. Die hier lebenden sind schon integrationsfähig, nur leider fehlt bei vielen der Wille dazu(nicht nur bei Ausländern, du weißt was ich meine). Die Sache ist allerdings auch die, dass sich in der deutschen Politik erst jetzt die Leute Gedanken über die Integration machen, nachdem sich schon regelrechte Ghettos gebildet haben in denen man sich nicht in die deutsche Gesellschaft integrieren muss. Und das ist, wie wir wissen, leider etwas spät. Hoffentlich nicht zu spät.

    Kommentar von Hardy — 14.03.06 20:57 #

  4. “sich in unser westliches Rechts- und auch Wertesystem zu integrieren, der muss konsequenterweise den Muslimen Bagdads eben dieses umso mehr absprechen.”

    Für die dort lebenden Individualisten kann ich nur hoffen, dass sie nicht den selben Weg beschreiten wie der Westen, denn trotz allem ruschen wir doch auch immer mehr in eine totalitäre Haltung ab, die so verschieden von den Ereignissen im Irak nicht ist. Ob jetzt Totalitarismus Marke Sozialismus oder Theokratie, beides ist doch letztlich grauenvoll für die “Mitglieder”…

    Kommentar von Max — 14.03.06 21:56 #

  5. Wenn Spiegel-Online-Autoren philosophieren ……

    … dann wächst der Hang zum Patchwork ungemein, und man kann sicher sein: Durcheinander gebracht wird mit Sicherheit alles. Heute: Die Werte. Mit diesem seltsam-konservativen Gestus, der auch die Diskussion um die vermeindliche Renaissance des Bürgert…

    Trackback von Metalust & Subdiskurse — 15.03.06 09:30 #

  6. Richtig. Ich lese auch immer wieder PI und ärgere mich über dieses Geschreibsel.

    PI und andere Konservative verteidigen immer wieder das Recht auf das eigenen Ressentiment, z. B. gegen Schwule und ärgern sich darüber, wenn man 60 Jahre post Hitler immer noch an die deutschen Verbrechen erinnert. Aber wenn ein türkischer Einwanderer Schwule nicht mag, dann heißt es, Moslems seien mit “unserer” Werteordnung nicht kompatibel.

    Kommentar von Alex — 20.03.06 07:43 #

  7. @Alex: für das “Recht auf das eigenen Ressentiment” trete auch ich ein, das nennt sich “Meinungsfreiheit” ;-) Aber Deine Anmerkung ist schon richtig: diese Bigotterie empfinde ich als eine lustige (bzw. besser: traurige) Eigenschaft vieler Konservativer … ein Teil ihrer Klientel hätte wohl bei den von ihnen forcierten Einbürgerungstests wenig Chancen auf die deutsche Staatsbürgerschaft.

    Kommentar von jo@chim — 20.03.06 09:13 #

  8. @joachim
    Du wirst lachen, aber auch ich bin für einen Einbürgerungstest wie er unter anderem auch in den USA und Australien durchgeführt wird. Selbstverständlich mit anschließender Vereidigung auf die Verfassung wie es auch dort der Fall ist. Es ist m.E. nach allerdings zu prüfen welche Fragen gestellt werden können, und was die Prüflinge mit eigenen Worten erklären müssen. Ebenso hat der zu prüfende selbstverständlich der deutschen Sprache mächtig zu sein wenn er deutscher Staatsbürger werden will. So etwas sollte sich doch wohl bei aller Liberalität von selbst verstehen. Wenn ich allerdings die Fragen sehe die von einigen Fernsehanstalten den Bürgern gestellt wurden bzw. deren Antworten, so ist dieses eher ein Zeichen unserer Bildungsmisere(erster Bundeskanzler, 20.Juli 1944, 17.Juni 1953,wer ist z.Z. Bundespräsident). Das allerdings Reich-Ranitzki glaubt er würde den Test nicht bestehen, bestätigt mich lediglich in meiner Ansicht das man vieles von dem, was man einmal in der Schule gelernt hat wieder vergisst, sofern man es nicht ständig braucht.

    Kommentar von Hardy — 20.03.06 12:05 #

  9. @Hardy: nein, ich lache nicht, sondern stimme Dir zu, wenn Du Dich z.B auf die US-amerikanische Verfahrensweise beziehst :) Die Forderung nach Deutschkenntnissen und eine Vereidigung auf die Verfassung würde auch ich unterstützen.

    Kommentar von jo@chim — 20.03.06 12:37 #

  10. @Joachim
    Ja, ich meine die selbige. Die komischen 100 Fragen vom hessischen Innenministerium habe ich mir übrigens ausgedruckt und muss ehrlich sagen das ich sie nicht besonders schwer finde. Lediglich die Fragen 7(wusste ich einmal, hat sich aber zwischenzeitlich durch Einzelverordnungen verändert), und die Fragen 84 und 85(mangelndes Interesse meinerseits) konnte ich nicht beantworten. Dementsprechend müsste ein Herr Reich-Ranitzki selbige mit Leichtigkeit beantworten können.

    Kommentar von Hardy — 20.03.06 15:40 #

  11. Zurück zu den Sachen und Menschen selbst…

    Mannomann, jetzt passiert genau das, weshalb ich mich so schwer tat damit, bei dieser Blog-Demo mitzumachen: Während die Angegriffenen sich in ihrer Weltsicht bestätig fühlen, weil diese ja a priori als Selbst-Immunisierung und Selbst-Gerechtigkeit …

    Trackback von Metalust & Subdiskurse — 06.08.06 11:46 #

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