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Poppen mit Bauchdurchschuss

Dienstag, 07.03.06 12:08 by jo@chim - 7 Kommentare

Allein die unsäglich alberne Lazarett-Nummer in Teil I der ZDF-Bombenteppichschnulze ??Dresden?? hätte gereicht, diese für den Konsalik-Förderpreis zu (dis)qualifizieren. Ein weiteres trauriges Beispiel für das Elend des deutschen Fernsehfilms. Kitsch as Kitsch can. Nicht nur:

Rüdiger Suchinsland analysiert auf Telepolis das Herz-Schmerz-Kriegsdrama als Metapher der Relativierung, die Auschwitz neben der Operation Thunderclap verschwinden lässt (verschwinden lassen soll?) und eine Charakterisierung des Oberbefehlshabers des britischen Bomber Command Arthur Harris als dem eigentlichen Bösewicht ermöglicht, wenn nicht nahelegt.

Trotz aller für das Zwanzig-Uhr-Fünfzehn-Publikum inszenierten Schockeffekte und die – gelegentlichen – Reminiszenzen an die Ursachen hinter der Wirkung liegt er mit seinen Hinweisen auf die politischen Konsequenzen dieses Geschichtsmelodrams durchaus richtig, denke ich.

Ist es denn nicht auch die Lehre aus Auschwitz, dass man in bestimmten Situationen eben einen Krieg führen muss? Der Satz “Nie wieder Krieg!” in diesem Zusammenhang – ein Verteidigungskrieg gegen eine angreifende Diktatur – desavouiert die Anstrengungen der Anti-Hitler-Koalition, um die Nazi-Barbarei zu beenden.

So sein Resümee angesichts der friedensbewegten Orginalbilder von der Einweihungsfeier der wiederaufgebauten Dresdner Frauenkirche, die als mediale Zuckerwatte ans Ende des Films geklebt wurden. Und auch diese Worte sind aktueller, als es vielleicht scheinen mag.


Das Antibuerokratieteam - seit 15.08.07 auf www.antibuerokratieteam.net

7 Kommentare »

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  1. Die Frage ist jedoch, in wie weit hier dann auch kollektivierend zurück geschlagen werden darf?
    Ist es vertretbar unschuldige Zivilisten um zu bringen, die unter Hitler’s GEheimpolizei keine Chance zum Aufstand hatten?

    Und genau hier liegt dann der Knackpunkt Dresden, ob es denn noch Kriegsnotwendigkeit war, oder doch schon unnötige Zerstörungswut…
    Gerade im Hinblick auf den russischen Vormarsch ist hier doch einige Skepsis angebracht, gerade wenn man es mit dem Kommunismus-Warner Churchill in Verbindung bringt. Hätte nicht ein Aufhalten an der Ostfront für die Amis und Briten von Vorteil sein können? Warum also Dresden angreifen?

    Kommentar von Max — 07.03.06 17:20 #

  2. Weil die Briten, nachdem sie Mitte 1942 den Beschluß gefaßt hatten, anstelle von Militärobjekten künftig die Innenstädte zu zerstören, fast zwei Jahre gebraucht haben, um die Methodik des Flächenbombardements zu vervollkommnen. Und in dem Moment, wo sie soweit waren, daß die Abfolge und das Mischungsverhältnis von Spreng- und Brandbomben optimiert, Einflugschneisen vermessen, die Flugabwehr ausgeschaltet und die Bomberkapazitäten gebaut waren, da war der Krieg eigentlich vorbei. Und da hat man eben das Instrument, das man sich geschaffen hatte, noch ein bißchen benutzt – weil es eben da war.
    Dresden ist ja kein Einzelfall; die Bombenschäden vom Herbst `44 bis Kriegsende waren schwerer als die der vorherigen fünf Kriegsjahre zusammen.
    Preisfrage: Heiligt in einem an sich gerechten Krieg der Zweck die Mittel? Und selbst wenn man das bejaht – wie steht es mit Mitteln, die überhaupt keinem rationalen Zweck dienen, sondern der nackten Zerstörungswut?
    Insofern möchte ich dem oben zustimmend zitierten Satz dann doch widersprechen. Grade derjenige, dem es darum geht,
    eine Barbarei zu beenden, muß sich davor hüten, darüber selbst zum Barbaren zu werden.

    Kommentar von FAB. — 07.03.06 19:04 #

  3. Joachim, Dichter wirst DU in diesem Leben nicht mehr, was? Die Überschrift hätte sonst geheißen:

    Bumsen mit Bauchschuß *grins*

    Aber mal Spaß beiseite: wer schaut sich denn solche Sendungen an? ist Euch nicht schon von den Ereignissen der Gegenwart schlecht?

    Kommentar von Gudrun — 07.03.06 20:59 #

  4. @Gudrun

    An sich noch nicht. Und früher war doch alles besser … :-)
    Für die hohen GEZ-Gebühren (”GEZ noch?”) darf man sich diese 10-Mio-Euro-Produktion doch mal ansehen.

    Ich habe bislang nur den ersten Teil gesehen und habe auch Schwierigkeiten das hochgelobte Fernsehereignis zu loben.

    Kommentar von Jobst — 08.03.06 01:03 #

  5. Übrigens, zum ähnlichen Thema wird aktuell eine Persiflage auf den Nationalsozialismus in Berlin gedreht. Hitler wird von Helge Schneider dargestellt. Man darf gespannt sein … Der Film könnte noch mehr Aufsehen inner- und außerhalb Deutschlands erregen.

    Kommentar von Jobst — 08.03.06 12:49 #

  6. Die Touristen welche die Dreharbeiten beobachten sind jedenfalls ganz schön verwirrt, einer fragte sogar ob Adolf zurück kommt(ein Ami). Und in manchen Berliner Zeitungen ist eine etwas komisch anmutende Diskussion im Gange wie man solche Dreharbeiten den erlauben könne(mit Hakenkreuzfahnen und so).

    Kommentar von Hardy — 08.03.06 16:06 #

  7. “Dresden” im zdf: mit dem zweiten sieht man besser…

    Liebes zdf, lieber Thomas Stammer!
    Das Filmereignis des Jahres hat mich schon im ersten Teil restlos überzeugt. Aber für 10 Millionen Euro Produktionskosten hätten Sie doch die paar Hochhäuser am Goldenen Reiter gleich mit wegsprengen können&#……

    Trackback von doppelhorn.de — 27.03.06 14:36 #

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