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Keine roten Fahnen bei SAP

Freitag, 03.03.06 11:07 by jo@chim - 7 Kommentare

Ein von der IG Metall gesteuerter Betriebsrat widerspräche jeder Vernunft – dieser Aussage des SAP-Mitbegründers Dietmar Hopp in einem Interview in der Wirtschaftswoche schloss sich eine überwältigende Mehrheit der Mitarbeiter des Softwareriesen bei einer Betriebsversammlung an.
Seit Jahren versuchen die Gewerkschaften IG Metall und Verdi dort einen Fuss in die Tür zu bekommen. Vor dreieinhalb Jahren war der letzte diesbezügliche Versuch an zu geringem Interesse der SAP-Arbeitnehmer gescheitert.

Ein betriebsinternes Mitbestimmungsmodell mit 8 Arbeitnehmervertretern im SAP-Aufsichtsrat, aber ohne externen Einfluss von Gewerkschaftsapparatschiks, wird von der Belegschaft offensichtlich als sinnvollere Form der Interessensvertretung akzeptiert.

Nun erlitten die Funktionäre eine erneute â?? herbe â?? Schlappe: auf einer durch IG Metall Mitglieder angestrengten Versammlung schlossen sich gerade einmal 9% der SAP-Mitarbeiter der Forderung einen Betriebsrat unter Beteiligung der IG Metall zu installieren an.

Hopp hatte davor gewarnt, dass gewerkschaftliche Vorstellungen von Arbeitszeitmodellen nach dem Stechuhrprinzip die Flexibilität des Global Players bedrohen und damit langfristig den Standort Walldorf in Gefahr bringen würden: In China warten sie schon darauf, unseren Job zu machen wird er in SPON zitiert.

Der Spiegel-Autor Detlev Brechtel der sich beklagt, dass Unternehmensgründer, Ex-Chef und Aufsichtsrat Hopp versucht habe, Stimmung gegen das IG-Metall-Vorhaben zu machen, kann es immer noch nicht fassen: Viele SAP-Mitarbeiter teilen offenkundig seine Meinung.

Sieht aus, als wenn es fast alle wären …


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7 Kommentare »

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  1. Was ich in bislang keinem Bericht lesen konnte wie genau diese Abstimmung ablief. Wie anonym und geheim.

    Doch die klar überwiegende Mehrheit bei SAP möchte keine mitbestimmenden Gewerkschaften im Unternehmen sehen. Nicht umsonst ist SAP der beste Arbeitgeber 2006 dieser Unternehmensgröße.
    Und SAP hat eine vorbildliche Beteiligung der Arbeitnehmer am Unternehmenserfolg.
    Die hohen Prämien an Mitarbeiter über Aktienoptionen hat SAP vor 2-3 Jahren sogar schon mal in die Nähe von Zahlungsschwierigkeiten gebracht.

    Kommentar von Jobst — 03.03.06 17:34 #

  2. Meine erste Stelle war bei einem mittelständischen Software-Unternehmen. Ich hatte eine Menge Kollegen, die immer lauthals verkündeten, sie bräuchten keinen Betriebsrat, das wäre vollkommen unnötig. Tja, und der der am lautesten schrie, ist jetzt selber Betriebsrat.

    Kommentar von Kathrin — 06.03.06 13:50 #

  3. SAP hat einen Betriebsrat-aber einen der ohne Einflussnahme der Gewerkschaften arbeitet.

    Kommentar von Hardy — 06.03.06 14:06 #

  4. Mir scheint, als ginge es da um eine Grundsatzfrage, nämlich die: Brauchen wir heute noch Gewerkschaften oder haben die sich überlebt?
    Und wenn ja, wozu brauchen wir sie? – Lediglich um Streiks anzuzetteln wohl kaum.
    Machen Gewerkschaften wirklich noch Sinn? Wir haben da mit einer Diskussion angefangen, aber leider keine Betroffenen gefunden. Wenn es hier jemanden gibt, der sich mit Gewerkschaften besser auskennte als wir, mischt euch doch in die Diskussion ein.

    Kommentar von anaximander — 07.03.06 13:30 #

  5. @anaximander: mit Gewerkschaften kenne ich mich als ehemaliges DGB-KJA-Mitglied in einer mittelfränkischen Kreisstadt ganz gut aus, denke ich … ok, ist schon einige Jährchen her ;) Natürlich machen Gewerkschaften Sinn für die Mitglieder, sonst gäbe es sie ja nicht.
    Anmassend ist, imho, allerdings der gesamtgesellschaftliche Gestaltungsanspruch der Gewerkschaftsbürokratie (wie auch der Arbeitgeberverbände), die schon lange nur noch eine Minderheit der Arbeitnehmer bzw. Arbeitgeber vertreten – der Organisationsgrad der DGB-Gewerkschaften liegt aktuell bei weniger als 25%, mit kontinuierlich sinkender Tendenz (vgl. auch diesen Text auf mehr-freiheit.de)
    Im Namen der sogenannten Tarifautonomie wird durch die Funktionäre trotzdem – gesetzlich abgesichert – in die Betriebe, auch gegen den Willen der Eigentümer, bzw. der dort Beschäftigten, “hineinregiert”.
    Zu welch absurden Ergebnissen dies führen kann, zeigt gerade SAP, wo die drei Querulanten jetzt gegen das Votum der überwältigenden Mehrheit ihrer Kollegen einen Betriebsrat von Gewerkschafts Gnaden per Gerichtsbeschluss erzwingen wollen.
    Ich würde keine Wetten darauf eingehen, dass ihnen das nicht gelingt.

    Kommentar von jo@chim — 07.03.06 16:38 #

  6. Falls es ihnen gelingen sollte, kann man sich nur fragen was aus unser Demokratie geworden ist. Ich würde es dann eher eine “Demokratur” nennen.

    Kommentar von Hardy — 07.03.06 17:03 #

  7. [...] Immer öfter übrigens auch per Gerichtsbeschluss, wenn Arbeitnehmer es wagen, sich mehrheitlich gegen den Monopolanspruch ihrer selbst ernannten “Interessensvertreter” zu stellen – so erklagte z.B. erst kürzlich verdi ein ihr genehmes Betriebsratsmodell gegen das ausdrückliche Votum der SAP-Belegschaft. [...]

    Pingback von antibuerokratieteam.de » Vogelfreie Betriebsräte in Unterfranken — 28.11.06 12:02 #

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