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Kein Sauerstoff mehr im englischen Gesundheitswesen

Samstag, 18.02.06 10:05 by jo@chim - 1 Kommentar

Eigentlich könnte man täglich über den staatlichen britischen Gesundheitsdienst NHS schreiben. Irgend etwas passiert immer: Mal sind die Krankenhäuser unsauber, dann fehlen wichtige Medikamente, Patienten müssen jahrelang auf Operationen warten oder finden keinen Zahnarzt. Es ist bezeichnend, dass eine Krankenschwester aus der Ukraine über ihren ersten Tag in einem britischen Krankenhaus sagte, sie hatte das Gefühl, ein Museum betreten zu haben. Eine andere Krankenschwester aus Zimbabwe meinte gar, in ihrem Heimatland seien die Krankenhäuser sauberer als in Großbritannien. Und meine Frau, selbst Krankenschwester aus Australien, ist empört darüber, dass sie demnächst Chemotherapie geben soll, wobei sie lediglich durch eine Schürze vor den hochtoxischen Chemikalien geschützt wird. In australischen Krankenhäusern müssen hingegen deutlich strengere Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden.

The Welfare State We\'re InJames Bartholomew widmet dem NHS ein ganzes Kapitel in seinem lesenswerten Buch “The Welfare State We’re In“, das er mit “Like a train crash every day” überschrieb. Er hatte nämlich die britischen ßberlebenschancen bei verschiedenen Krankheiten mit jenen in anderen OECD-Ländern verglichen und kam dabei zu dem Schluss, dass die mangelhafte medizinische Versorgung jedes Jahr für mindestens 15.400 vermeidbare Todesfälle verantwortlich ist. Nach anderen Berechnungen sind es sogar etwa 48.000. Wenn man die unterste Schätzung einmal auf die Tage des Jahres umlegt, bleiben durchschnittlich 42 vermeidbare Todesfälle pro Tag. Man stelle sich den Aufschrei vor, wenn jeden Tag ein solches Zugunglück passieren würde. Oder wenn jeden dritten Tag ein kleiner Airbus abstürzte. Aber im englischen Gesundheitswesen ist dies leider Realität. Doch niemand regt sich sonderlich über diesen Skandal auf. Im Gegenteil: Man ist stolz auf seinen solidarischen, nationalen Gesundheitsdienst. Es gibt sogar immer noch Politiker, die meinen, der Rest der Welt könne vom NHS lernen.

Heute gab es die neueste Meldung aus dem NHS; die Times berichtet davon. Ein Teil des NHS sollte privatisiert werden, was prinzipiell zu begrüßen ist. Aber die Privatisierung wurde von der Gesundheitsbürokratie so dilettantisch und abrupt durchgeführt, dass am Ende die Versorgung der Patienten mit Sauerstoff zusammenbrach. Ein Todesfall ist offiziell bestätigt. Eine Patientin aus Carlisle starb an einer Unterversorgung mit Sauerstoff, nachdem sie neun Stunden auf eine Notversorgung gewartet hatte. Die Ministerin für Volksgesundheit Jane Kennedy drückte ihre Anteilnahme gewohnt routiniert aus:

??I would certainly like to express my condolences to the family. I am working with departmental officials and with the suppliers and with the National Health Service to make sure that the service runs in the way that we intend.?

Sicherlich ein tragischer Fall, aber eben nur einer von mindestens 42 am Tag. England mag in vielem ein modernes Land sein. Aber sein nationaler Gesundheitsdienst ist ein einziger Skandal. Man wird anscheinend besser in Zimbabwe oder der Ukraine krank – von Deutschland oder Australien ganz zu schweigen. Statt die Volksgesundheit durch ein allgemeines Rauchverbot zu verbessern, sollten die britischen Politiker vielleicht erst einmal damit anfangen, die von ihnen verantwortete Dauergesundheitskatastrophe des NHS unter Kontrolle zu bringen.


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  1. [...] Von den Problemen des britischen Gesundheitswesens war an dieser Stelle schon häufiger die Rede. Nun hat die British Medical Association einen neuen Bericht veröffentlicht, der die Krise anhand einiger Zahlen verdeutlicht. Danach infizieren sich bis zu 10 Prozent der Patienten im Krankenhaus aufgrund mangelnder Hygiene. Das sind 300.000 Fälle jährlich. In der Folge sterben daran jedes Jahr bis zu 5.000 Patienten. [...]

    Pingback von antibuerokratieteam.de » Krankenhuser machen krank — 22.02.06 08:54 #

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