Eine Grundgesetz für Haustiere
Ein von Margaret Thatcher geprägter Ausdruck für einen überregulierenden und überbeschützenden Staat lautet “Nanny State”. Das ist ein Staat, der seinen Bürgern gegenüber auftritt wie ein Kindermädchen (der deutsche “Vater Staat” ist davon nicht allzu weit entfernt). In diesen Tagen kann man in Großbritannien wieder einmal beobachten, was Margaret Thatcher damit wohl gemeint hat. Konkret geht es um die Einführung eines neuen Gesetzes, nämlich des Animal Welfare Act. Dabei handelt es sich um eine Art Erklärung zum Schutz der Menschenrechte – wenn auch für Haustiere.
Haustiere sollen nach diesem Gesetz ein Recht auf eine ausgewogene Ernährung haben. Sie sollen in einer angemessenen Umgebung leben. Ein soziales Umfeld muss gewährleistet werden, aber auch die nötige Privatsphäre, wenn sie einmal für sich sein wollen. Sie sollen sich, wie es ihrer Art entspricht, benehmen dürfen und ein Anrecht auf ein Leben ohne Schmerzen, Verletzungen, Krankheiten und Leiden haben. Zudem sollen sie auch die nötige geistige Anregung bekommen, um sich gut und artgerecht entwickeln zu können. Verstöße werden mit Geldstrafen bis zu 5.000 Pfund oder Freiheitsentzug bestraft. Eine eigene Haustierpolizei soll die Einhaltung der Vorschriften überwachen. Diese “Pet Police” soll auch das Recht haben, Wohnungen zu durchsuchen und Tiere zu beschlagnahmen. Anwendbar ist das Gesetz in seiner jetzigen Fassung nur auf Wirbeltiere; ein neues Gesetz für Wirbellose (z. B. Hummer) ist aber bereits in Vorbereitung.
Wie es in der englischen Gesetzgebung üblich ist, werden spezifische, technische Fragen nicht im Gesetz selbst geregelt, sondern in sogenannten “Codes of Conduct”. Im Falle des Tierrechtegesetzes soll es davon für jede einzelne Haustierart einen geben, so zum Beispiel für Katzen. Von dessen Entwurf berichtete die Times:
The 18-page A4 document, drafted for MPs scrutinising the Bill, warns cat owners of the dangers of dogs. It reads: “Dogs should be introduced to cats very carefully. The dog should be on a lead at first so that it cannot chase the cat.”
Im Einzelnen liest sich das Katzengrundgesetz laut der Times dann so:
- Keep cats indoors at night to protect them and the local wildlife
- Neuter cats at four months old. Females can produce up to 18 kittens a year, the code says, and “motherhood takes a lot out of a cat”. Cats advertise their availability by screeching, fighting and wandering off, it adds
- Provide areas where cats can hide, such as an enclosed bed or box, or a high ledge where they can escape from children and other pets
- Ensure that cats have enough “mental stimulation” so that they do not become bored or frustrated
- Use lightweight rolling balls, or toys that stimulate “catching behaviour”, such as fishing rods
- Make sure that cats do not become overweight, and know their ideal weight at every stage of their life
- Ensure that cats’ preference for privacy is met by giving them a hidden away place with cat litter to relieve themselves. This advice forms part of a nine-point guide for “going to the toilet”
Wie der Kommentator der Times sarkastisch feststellt, ist es eine bizarre Vorstellung, dass Haustiere überhaupt Rechte haben können:
Pets don’t tend to bother about their rights, for the simple reason that they don’t know they have any. This arrangement always worked well: because pets have no responsibilities they can have no rights, as anyone who ever tried to get a cocker spaniel to take the bins out knows only too well.
Um es klar zu sagen: Es spricht nichts dagegen, Tiere gut und artgerecht zu halten – ganz im Gegenteil. Aber früher reichte dafür offenbar noch der gesunde Menschenverstand und die Moral. Auf die Idee einer Haustierpolizei wäre man wohl nicht gekommen. Dafür brauchte es erst einen Staat, der seine Bürger rundherum bevormundet. Margaret Thatcher wusste genau, warum sie so einen Staat als “Nanny State” bezeichnet hat.
7 Kommentare »
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Ja es ist leider so, dass Menschen, die eine schlechte Kinderstube genossen haben, ihr Leben lang gewisse moralische Leitsätze, die Anderen eine Selbstverständlichkeit sind, vermissen lassen. Sie lernen nie das Leben Anderer oder das Leben an sich zu respektieren. Sie sehen nur ihren eigenen Vorteil und ordnen dem alles Andere unter. Sie agieren immern nach den Leitsatz, was mir nützt ist gut. Sie bedenken nicht, dass sie Teil einer Gesellschaft sind und letztendlich ohne die Unterstützung dieser Gesellschaft verloren wären. Der Mensch in der industrialisierten Welt verliert schnell den Bezug zu seinen Ursprüngen, vergisst, dass seine Gene und seine Seele für ein harmonisches Zusammenleben mit Anderen und für Andere gemacht sind. Wer wollte denn ernsthaft die Rechte, die dem höchstentwickelten Tier selbstverständlich sind den anderen Tieren versagen? Das wäre ein Frevel an der Schöpfung, den bestimmt auch Miss Thatcher abgelehnt hätte.
Kommentar von Thilo — 11.02.06 15:25 #
>Miss Thatcher
Mrs Thatcher. Oder Baroness. So viel Zeit muß sein. ;-)
Kommentar von Robert Grözinger — 11.02.06 16:17 #
Maggie oder Margaret tut’s auch … ;-)
Kommentar von Oliver M.H. — 11.02.06 16:19 #
[...] Trotz dieses Ergebnisses haben nun in England einer Meldung des Daily Telegraph zufolge einige Stadtverwaltungen damit begonnen, Eltern bis zu 80 Pfund dafür anzubieten, wenn sie zu Stoffwindeln wechseln. Aus Sicht der Städte mag sich dies sogar rechnen, sie können damit nämlich unter Umständen ihre Mülldeponiekosten senken. Ob die Umwelt am Ende auch davon profitiert, kann wegen der genannten Unsicherheiten nicht abschließend geklärt werden. Auf jeden Fall wird damit aus dem Nanny State endgültig der Nappy State. Beitrag versenden – Druckansicht – Kategorien: Alle • Junk Science • London Calling [...]
Pingback von antibuerokratieteam.de » Stoff oder Plastik? — 13.02.06 12:55 #
Ich muss sagen sagen dass ich die Idee von Tierrechten nicht ganz so absurd finde. Ich bin kein PETA-Aktivist und Vegetarier aber ich denke dass Tiere je nach “Komplexität” auch gewisse “Rechte” haben (das ist halt die “artgerechte Haltung”). Auch das Tiere kein Bewußtsein für Recht/Unrecht haben ist nicht richtig. Es ist halt (je nach Tierart, ich beziehe mich hier auf Säuger) wesentlich simpler und schwerlich in menschliche Rechtsvorstellungen einzuordnen. Aber ein Hund gehorcht seinem Herrchen aus seinem “Rechtsverständnis” (schlechtes Wort dafür) heraus wenn man so will.
Es gibt im UK doch bestimmt bereits Gesetze die Handhabe gegen Tierquäler, usw. gestattet, oder?
Aber mal davon abgesehen, ist das Gesetz sowieso kaum durchsetzbar und enthält anhand der genannten Beispiele ohnehin nur Selbstverständlichkeiten.
Kommentar von googlehupf — 14.02.06 17:44 #
[...] Und deswegen bleibt nach der heutigen Abstimmung im Unterhaus eine erneute Erosion der Freiheitsrechte festzustellen. In England braucht man demnächst also nicht nur einen Personalausweis, es gibt nicht nur eine Haustierpolizei, sondern man kann auch nicht mehr – selbst bei Einverständnis aller Beteiligten! – rauchen, wo man will. Ich bleibe dabei: New Labour macht Großbritannien Stück für Stück zum Nanny State. Vielleicht werden die Briten irgendwann merken, dass sie immer deutscher werden. Schade eigentlich. Beitrag versenden – Druckansicht – Kategorien: Alle • London Calling [...]
Pingback von antibuerokratieteam.de » Nichts mehr wie es war in englischen Pubs — 14.02.06 21:37 #
[...] Nein, sagt bislang der Gesetzentwurf für ein neues Tierschutzrecht (wir berichteten). Hunde hätten ein Recht auf körperliche Unversehrtheit und daher sei es nicht hinnehmbar, dass ihnen die Schwänze gestutzt werden. Dagegen protestieren wiederum einige Hundebesitzer der Countryside Alliance. Sie argumentieren, dass das Kupieren gerade bei Hunden, die sich im dichten Holz bewegen, sinnvoll sei, um diesen schmerzhafte Verletzungen zu ersparen. [...]
Pingback von antibuerokratieteam.de » Norman Baker und die Hundeschwänze — 10.03.06 18:07 #