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Indien plant die Armut

Donnerstag, 02.02.06 15:21 by Oliver M.H. - 1 Kommentar

Manche Dinge sind in der Vergangenheit so oft erfolglos versucht worden, dass man sich wundert, dass solche Versuche immer wieder und immer noch wiederholt werden. Wer einmal seine Hand auf eine heiße Herdplatte gelegt hat, macht dies in aller Regel nicht wieder; wer einmal seine Finger in die Steckdose gesteckt hat, tut das im Überlebensfall auch kein zweites Mal.

Bei wirtschaftlichen Desastern ist die Lernfähigkeit des Menschen anscheinend weniger stark entwickelt. Dafür spricht jedenfalls ein neues Programm der indischen Regierung, mit dem angeblich die Armut der ländlichen indischen Bevölkerung bekämpft werden soll.

Und das geht so: Die Regierung garantiert jedem einzelnen der 60 Millionen ländlichen Haushalte einen Arbeitsplatz für mindestens 100 Tage im Jahr, an denen zu einem Mindestlohn von 60 Rupien gearbeitet werden kann. Wenn es dann doch keine Arbeit gibt, dann haben die Arbeiter einen Anspruch auf eine Lohnersatzleistung, sprich Sozialhilfe.

Insgesamt wird dieses Programm je nach Schätzung zwischen 5 und 25 Mrd. US-Dollar kosten – wieviel davon in der Verwaltung oder in der Korruption hängenbleiben wird, ist nicht abzuschätzen. Ein weiterer Nebeneffekt ist, dass das Programm auch dafür sorgen wird, dass die Armen in den ländlichen Regionen bleiben, statt etwa in die Städte zu ziehen, wo die wirtschaftlichen Bedingungen besser sind und es mehr Arbeitsplätze gibt.

Vor allem aber gibt es ein ökonomisches Grundgesetz, das von der indischen Regierung geflissentlich ignoriert wird: Regierungen können langfristig keine Beschäftigung schaffen, sondern im besten Fall nur die Grundlagen für eine positive wirtschaftliche Entwicklung legen. Das beste Beispiel hierfür ist Hongkong, das sich noch vor fünfzig Jahren mit Indien auf einem ähnlichen Entwicklungsstand befand, heute aber weltweit zu den Ländern mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen gehört. Hongkongs Aufstieg war aber nicht das Resultat eines gigantischen Beschäftigungsprogramms, sondern das Ergebnis wirtschaftlicher Freiheit.

Wenn Indien somit wachsen und es seiner ländlichen Bevölkerung eine Chance geben will, wohlhabender zu werden, dann ist eine gigantische Arbeitsbeschaffungsmaßnahme wie die jetzt geplante der falsche Weg. Solche Projekte können nicht funktionieren, haben noch nie funktioniert und werden auch Indien nicht helfen. Es ist nichts weiter als der erneute Versuch, die Gesetze der Ökonomie außer Kraft zu setzen. Ebensogut könnten die Inder aber auch auf heiße Herdplatten fassen oder ihre Finger in Steckdosen stecken. Vielleicht funktioniert es ja doch einmal.


Das Antibuerokratieteam - seit 15.08.07 auf www.antibuerokratieteam.net

1 Kommentar »

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  1. >oder ihre Finger in Steckdosen stecken. Vielleicht funktioniert es ja doch einmal.

    Wenn die Kraftwerke erstmal ausgeschaltet sind, ist das ganz ungefährlich. ;-)

    Kommentar von Robert Grözinger — 02.02.06 15:40 #

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