Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien:

Don’ t Trespass the Red Line! Zum Offenen Brief an die Kanzlerin

Mittwoch, 11.01.06 15:05 by jo@chim - 13 Kommentare
[...] Es wäre daher schon viel gewonnen, wenn Sie, Frau Bundeskanzlerin, den Eindruck noch nachdrücklicher vermitteln würden, dass in Anbetracht des globalen Terrors die uneingeschränkte Freundschaft und das Vertrauen zu den Vereinigten Staaten von Amerika für unser Überleben unabdingbar sind. Die USA sollten von uns wieder als Freunde, Alliierte und Vertraute behandelt werden und eben nicht – wie hierzulande tagtäglich medial suggeriert – als “die eigentlich Bösen auf dieser Welt”! [...]

Diese Kernaussage aus dem im konservativen Weblog Politically Incorrect veröffentlichten Offenen Brief an Bundeskanzlerin Merkel, der auch von liberalen Blogs aus der Nachbarschaft des Antibürokratieteams wie Statler und Waldorf oder den Freunden der offenen Gesellschaft unterzeichnet wurde, unterstütze ich vorbehaltlos. Antibuerokratieteam.de wendet sich gegen den antiamerikanischen Mainstream in diesem Land. Es ist nötig, gegen die Bedrohung durch den islamofaschistischen Terror entschieden vorzugehen. Das Engagement der USA und ihrer Alliierten im Irak war und ist meiner Auffassung nach richtig und angebracht.

Die Unterzeichner des Aufrufes gehen allerdings in ihrer Unterstützung der aktuellen Politik der amerikanischen Administration weiter, als ich ihnen folgen kann: den Patriot Act, sowie andere Freiheitsbeschränkungen und Akte staatlicher Anmassung, kritisiere ich ebenso wie amerikanische Libertäre, z.B. vom CATO Institut.
Der offene Brief bezieht sich darüber hinaus im Untertitel ausdrücklich auf die Meinung von Frau Merkel zu Guantanamo. Meine Auffassung zu diesem Sonderlager habe ich vor kurzem hier geäussert: ich bin mit der Kanzlerin einer Meinung, wenn sie sagt, diese Haftanstalt sollte so nicht weitergeführt werden. Und, um es ganz deutlich auszusprechen: wenn im Namen des Kampfes gegen die islamistische Bedrohung und durch Anti-Terror-Massnahmen rote Linien in Richtung weiterer Einschränkungen verfassungsgemäss garantierter Rechte verschoben werden sollen, gleich ob in Deutschland, USA oder anderswo, wird auf Antibuerokratieteam.de weiterhin scharfe Kritik daran formuliert werden.

Oliver, Co-Autor in diesem Weblog, hat mir geschrieben: Ich wuensche mir ein freundschaftliches Verhaeltnis zu den Amerikanern: Dass man sich kritisieren kann, ohne sich dabei hochmoralisch zu belehren. Dass man voneinander lernen kann, ohne sich selbst dabei stets als ueberlegen zu empfinden. Dass man auch – gerade als Deutscher – dankbar dafuer ist, was Amerika und die Amerikaner fuer Deutschland getan haben und immer noch tun. That’s it! Es wäre schön, wenn in dem Aufruf von Stefan Herre Sätze wie dieser formuliert worden wären – leider verliert er sich aber viel zu oft in undifferenziertem Pathos.

Und, meine geschätzten Blogger-Kollegen, ich erlaube mir auch, einer Aussage zu widersprechen, die schlicht falsch ist: nicht die Amerikaner haben Ostdeutschland von Stacheldraht und Mauer befreit. Das marode SED-Regime implodierte von selbst – den Todesstoss versetzte dieser Diktatur deutscher Sozialisten eine prokapitalistische Massenbewegung. Unseren amerikanischen Freunden ist dafür zu danken, dass sie der Wiedervereinigung nichts in den Weg gestellt haben.


Das Antibuerokratieteam - seit 15.08.07 auf www.antibuerokratieteam.net

13 Kommentare »

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel. TrackBack URI

  1. Das würde ich gerne auch unterschreiben, wenn ich denn nur zur Überzeugung gelangen könnte, daß meine 1/4-Verwandten auch zugänglich für Kritik sind und nicht, wie man aus interkulturellen Studien weiß, an einem kollektiven überhöhten Selbstwert leiden würden. “Leiden” deshalb, weil man weiß, daß eine derartige Selbstbewertung die Offenheit für Kritik erschwert, wenn nicht gar unmöglich macht.

    Hätte es in der Ex-DDR eine prokapitalistische Massenbewegung gegeben, so hätten wir jetzt vielleicht weniger Probleme, weil mehr selbstverantwortete und -motivierte Menschen dort.

    Kommentar von Wilhelm [Schoggo-TV] — 11.01.06 15:23 #

  2. Die prokapitalistische Massenbewegung konnte ich als damals 18-jähriger DDR-Bürger auch nicht erkennen.
    Es war eher eine Absetzbewegung vom zusammenbrechenden Sozialismus in eine etwas ungewisse aber Wohlstand und Sicherheit versprechende Zukunft.

    Kommentar von Boche — 11.01.06 15:52 #

  3. “nicht die Amerikaner haben Ostdeutschland von Stacheldraht und Mauer befreit.”

    Dem muss energisch widersprochen werden. Wenn die Ostdeutschen das aus eigener Energie geschafft hätten, dann erscheint der Zeitpunkt doch äusserst merkwürdig, da er gerade mit dem Zusammenbruch des gesamten Ostblocks koinzidiert – und daran, das wird wohl niemand bestreiten, war keiner mehr beteiligt als die USA unter Ronald W. Reagan.

    Zu Bush 41:

    “Unseren amerikanischen Freunden ist dafür zu danken, dass sie der Wiedervereinigung nichts in den Weg gestellt haben.”

    Das ist nicht grundsätzlich falsch, aber doch eine massive Untertreibung. Fast so, als würde man sagen, dass W. sich der Befreiung des Iraks nicht in den Weg gestellt habe.

    Kommentar von Franklin D. Rosenfeld — 11.01.06 16:41 #

  4. Stimmt. Laut Umfragen sind über die Hälfte der Deutschen und somit auch der Ostdeutschen der Meinung, daß der Sozialismus an und für sich ne gute Sache ist, die bloß falsch umgesetzt wurde.

    Kommentar von Matthias B. — 11.01.06 17:03 #

  5. Zustimmung auch von mir, Joachim.

    Wer für den Zusammenbruch der DDR verantwortlich ist und wem wir die Wiedervereinigung zu verdanken haben, darüber kann man sich lange streiten. Wahrscheinlich ist es so, dass eine ganze Reihe von Leuten zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Entscheidungen treffen mussten. Die USA haben jedenfalls eine wichtige Rolle dabei gespielt. Vom Anfang (Demonstration der Ausweglosigkeit eines Wettrüstens für die wirtschaftlich schwächere Seite) bis zum Ende (Unterstützung Kohls gegen Thatcher und Mitterand).

    Kommentar von Rayson — 11.01.06 17:49 #

  6. @boche, @franklin, @rayson: wenn man, so wie ich in meinem Beitrag, eine falsche Behauptung durch eine unzulässige Verkürzung beantwortet, hat man’s wohl verdient kritisiert zu werden – insofern: Je regrette, Messieurs!
    Wobei ich in der Tat davon überzeugt bin, dass es sich bei den Massenprotesten, die den endgültigen Ausschlag zum Sturz des DDR-Regimes gaben, weder vorrangig um eine “Freiheitsbewegung” handelte (das machen sich Liberale und Linke gerne vor) noch gar um eine “nationale” Bewegung, wie das Konservative oft behaupten. Sicher waren aber alle Elemente vorhanden. Ich würde gerne meine Auffassung in nächster Zeit ausführlicher in einem eigenen Beitrag begründen. Da können wir dann ja darüber diskutieren. Wäre das ok?

    Mit dem aktuellen Blogeintrag ging es mir nämlich weniger darum, eine Diskussion um den Untergang des Deutschen Dachdecker Regimes zu führen, als vielmehr den, imho, ausserordentlich schwachen Aufruf eines Spektrums (transatlantisch orientierte Weblogs) zu dem auch ich mich zähle zu kritisieren.

    Ich möchte noch zu Franklin hinzufügen: wenn Du auf die Rolle der USA zur Niederringung des Kommunismus hinweist, stimme ich Dir ausdrücklich und vollumfänglich zu: 1981 habe ich im Bonner Hofgarten gegen die Nachrüstung demonstriert.

    Ich lag falsch. Ich habe mich getäuscht und ich wurde getäuscht.

    Ronald Reagan, Helmut Schmidt und andere Pro-Atlantiker lagen hingegen vollkommen richtig.
    Inzwischen bin ich der Auffassung, dass R.Reagan einer der grossen US-Präsidenten war.
    Klar genug? :)

    Kommentar von jo@chim — 11.01.06 19:51 #

  7. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Deine primäre Aussage wird von mir völlig unterstützt und als solche auch erkannt. Das war mit “Zustimmung” gemeint.

    Kommentar von Rayson — 11.01.06 21:44 #

  8. @jo@achim: “1981 habe ich im Bonner Hofgarten gegen die Nachrüstung demonstriert.”
    … ich wußte doch, daß ich Dich von irgendwo her kenne – und scheinbar erlagen wir dort auch den gleichen Täuschern und Taschenspielern.
    So sehr sich meine Einstellung gewandelt hat, so bleibt dennoch meine (abgesicherte) Meinung über die geringe Fähigkeit zur Selbstkritik der US-Amerikaner bestehen. Dies ist eine schlechte Basis für einen Dialog zwischen wahren Freunden, welche sich auf gleicher Augenhöhe begegnen sollten. Alles andere ist Vasallentum.

    Kommentar von Wilhelm [Schoggo-TV] — 11.01.06 22:03 #

  9. Ich würde uns Freundschaft mit jeder Nation wünschen. Was Merkels Mission nach Amerika betrifft so scheint sie vor zu haben Deutschlands Beithilfe zum Irakkrieg demonstratief genug zu erhöhen das George W. ein paar Punkte bei seinen Wählern sammeln kann.

    Freunde die Du kaufen musst sind nie ihren Preis wert.Wir werden auch bestimmt bereuen George W. mit Prinzipen die uns so nahe liegen, wie die Unschuldsvermutung, gekauft zu haben.

    Kommentar von bitter_twisted — 11.01.06 23:33 #

  10. Was den offenen Brief angeht: Absolute Zustimmung.
    Auch das mit dem “undifferenzierten Pathos” trifft es (leider) ganz genau. Ich wünschte, mehrere hätten den Mut gehabt, das so klar zu sagen.
    Mein Eindruck ist, dass einige unterschrieben haben, ohne groß nachzudenken – vielleicht aus falsch verstandener Freundschaft. Medienkritik und NoPasaran z.B. haben gleichzeitig auf ihren blogs Artikel veröffentlicht, die dem Brief mehr oder weniger widersprechen.

    Kommentar von Fuchur — 12.01.06 11:26 #

  11. [...] Die Kollegen vom Weblog Politically Incorrect sehen sich als Transatlantiker wie wir, allerdings klar nicht liberaler sondern konservativer Ausrichtung. Wie viele Konservative haben sie zu Bürgerrechten und Rechtsstaatlichkeit gelegentlich ein ambivalentes Verhältnis. Ich habe derlei zum Beispiel hinsichtlich ihres Aufrufes zur USA-Reise von Bundeskanzlerin Merkel im Januar kritisiert. Und auch sonst verbindet uns die eine oder andere Meinungsverschiedenheit. Trotzdem, auch trotz des trollinduziert meist recht niedrigen Kommentar-Niveaus auf PI, schaue ich dort gerne vorbei – und sei’s nur, um immer über aktuelle GOP-Banner informiert zu sein [...]

    Pingback von antibuerokratieteam.de » Klare Worte wider das Kreuzrittergeschwätz — 14.03.06 19:19 #

  12. Von wegen Kampf gegen den Terrorismus. Bush ist auch im Atomkonflikt mit dem Iran allein am Vorteil der USA und dem Ausbau ihrer weltweiten Vormachtstellung interessiert, auch wenn er vordergründig im “Duell” gegen die unberechenbare Führung des Iran noch auf Diplomatie setzt. Und in Kanzlerin Merkel findet er eine gutgläubige und brave Schülerin, die er nur deshalb so eifrig lobt, weil sie ihm hörig verfallen ist. Dass sie sich dabei auf Bushs dumpfen ideologischen Kampf gegen die islamische Welt einlässt und den Terrorismus gezielt nach Deutschland locken wird, das wird Frau Merkel in ihrer blinden Gutgläubigkeit vielleicht erst dann bemerken, wenn Deutschland selbst zur Zielscheibe des Terrorismus geworden ist. Wahrscheinlicher ist es sogar, dass sie sich dann in ihrer fatalen Nibelungentreue zu Bush bestätigt fühlen wird, jedoch ohne sich dessen bewusst zu sein, dass sie selbst die Schlange am Busen genährt hat.

    Kommentar von Achim Wolf — 08.05.06 13:53 #

  13. Die arme Schlange :P

    Kommentar von jo@chim — 08.05.06 15:28 #

Einen Kommentar hinterlassen

You must be logged in to post a comment.


--- Alle Beiträge anzeigen ---

Powered by WordPress 2.2.1 DE

Listed on BlogShares

Antibuerokratieteam.de - (c)2005-2007 Achim Hecht