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Hans-Herrmann Hoppe – ein libertärer Erzreaktionär

Mittwoch, 23.11.05 20:58 by jo@chim - 14 Kommentare

In den letzten Tagen tobte ein kleines Herbstgestöber zwischen Liberalen und Libertären – vertreten durch die liberale Achsenmacht des Guten, die sich über die eigentümlich frei beschwert und den – ansonsten um die eine oder andere Stichelei gegen die “pöhsen Pushisten” nie verlegenen – Freiheitsfabrikanten, die blödelnd sekundieren: Die Anhängerdes libertären Propheten vs. die Anhänger des kriegsführenden Präsidenten (oder sind es die kriegsführenden Anhänger des Präsidenten?): Lager gegen Lager, Legion gegen Legion.
Haben Sie überhaupt gedient, Herr Kastner?
Leider verzichteten die Freiheitsfabrikanten bisher auf die fällige differenzierte Auseinandersetzung mit der Kapitulation des erklärten Anarchisten Hans-Herrmann Hoppe vor den Paläokonservativen weitgehend. Man tut aber den beiden und den meisten anderen Libertären Unrecht, “den Anarchokapitalismus” mit den Thesen des libertären Erzreaktionärs Hoppe – für die Aufklärung Rückschritt ist und Monarchie der Demokratie vorzuziehen – gleichzusetzen, wie das Karsten Dürotin reichlich denunziatorisch in einem Kommentar im B.L.O.G. tut. Trotzdem geht Hoppe in der Begründung seines homophoben und xenophoben Naturrechtskonservativismus ohne Staat, wie er ihn in seinem Buch Demokratie. Der Gott, der keiner ist ausbreitet, durchweg von anarchokapitalistischen Grundpositionen aus, das ist richtig. Ich empfehle jedem, der die Diskussion fundiert führen will, die Lektüre dieses – passagenweise durchaus brillanten – Versuchs einer Synthese der anarchokapitalistischen Negation des Staates mit dem Rechtsextremismus US-amerikanischer White Militia Rednecks.
Die von Bijan Nowrousian und Oliver Marc Hartwich aus liberaler Sicht verfasste und auf der Achse veröffentlichte Kritik der Irrtümer des Hans-Hermann Hoppe als Reflexionen zur Gummersbacher Veranstaltung (die auch ich besucht habe) ist ein wichtiger Beitrag zu dieser Debatte – mit das Beste was bisher zu Hoppe zu lesen war, imho. Sie können das Dokument, der besseren Lesbarkeit halber, hier als PDF-Datei laden.
Unter dem Titel der arme Professor Hoppe habe ich übrigens vor einem dreiviertel Jahr hier auf Antibuerokratieteam.de einen Beitrag zur sogenannten Hoppe-Affäre (in der er sich ziemlich wehleidig und überhaupt nicht so eloquent wie sonst präsentiert) publiziert, der auch in der eifrei veröffentlicht wurde.


Das Antibuerokratieteam - seit 15.08.07 auf www.antibuerokratieteam.net

14 Kommentare »

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  1. “Trotzdem geht Hoppe in der Begründung seines homophoben und xenophoben Naturrechtskonservativismus ohne Staat”

    “mit das Beste was bisher zu Hoppe zu lesen war”

    “Ich empfehle jedem, der die Diskussion fundiert führen will, die Lektüre dieses – passagenweise durchaus brillianten – Versuchs einer Synthese der anarchokapitalistischen Negation des Staates mit dem Rechtsextremismus US-amerikanischer White Militia Rednecks.”

    Das ist wohl eine der sinnfreiesten Reflexionen zu Hoppe’s Werk (wenn es überhaupt aus Deiner Feder stammt, was ich stark bezweifle), die ich jemals zu Gesicht bekommen habe. Du könntest Deine Empfehlung zu Herzen nehmen und das Buch mal selbst lesen. Mich würde nämlich stark interessieren, wo genau Du die Information über die Syntheseversuche des Anarchokapitalismus mit den “White Militia Rednecks” extrahierst. Deine Zustimmung zu dem Artikel überrascht nicht wirklich, da es genau aufzeigt, wieviel Etatistenlogik in diesen beiden Köpfen herumschwirrt. Es gibt Kritikpunkte an Hoppe, aber diese mithilfe von “Rechtsphilosphien”, die über das Wissen von staatlichen Unis nicht hinausgehen, ansprechen zu wollen, ist wohl die Offenbarung schlechthin.

    Kommentar von Sécessionniste — 23.11.05 22:01 #

  2. In deutlichem Gegensatz dazu würde eine Gesellschaft, in der das Ausschlußrecht für Privateigentümer vollständig wiederhergestellt wäre, gründlich unegalitär, intolerant und diskriminierend sein. Es gäbe wenig oder nichts von der “Toleranz” oder “Aufgeschlossenheit” die den Linkslibertären [damit meint Hoppe bspw. das CATO Institute!] so lieb und teuer ist [...] Linkslibertäre und multi- oder gegenkulturelle Experimentatoren, müssten, selbst wenn sie sich nicht kriminell verhalten würden, wieder einen Preis für ihr Verhalten bezahlen. Wenn sie ihr Verhalten oder ihren Lebensstil beibehalten würden, würden sie aus der zivilisierten Gesellschaft ausgeschlossen und physisch getrennt von ihr leben, in Ghettos oder an den Rändern der Gesellschaft, und viele Stellen oder Berufe wären für sie unerreichbar

    Hans-Herrmann Hoppe, Demokratie. Der Gott, der keiner ist, S. 396 – Voilà (par exemple) Monsieur Sécessionniste: Was ist das anderes als Anbiederung an diejenigen, die er als moralische und kulturelle Konservative der kompromisslosesten Sorte identifiziert?

    Kommentar von jo@chim — 23.11.05 22:56 #

  3. “Reichlich denunziatorisch”? Meine Güte, in Kommentarspalten wird man eben auch mal etwas deutlicher – da schreibe ich Dinge, die ich vielleicht noch einmal umformulieren würde, wenn sie einen Artikel darstellen sollten. Du nicht?
    Darum habe ich es nachher auch noch einmal etwas abgeschwächt. Zur Bezeichnung des Anarchokapitalismus als rechtsextreme Ideologie stehe ich allerdings nach wie vor, so weit sie sich an der Hoppeschen Denkschule orientiert oder sich jedenfalls nicht klar von ihr distanziert. Wer meint, auf ein Element des Dreiklangs Demokratie – Marktwirtschaft – Rechtsstaat verzichten zu können, ist für den Liberalismus kaum der richtige Verbündete.

    Kommentar von Karsten — 23.11.05 23:16 #

  4. Karsten wie kommst Du auf so’n Quatsch: “Anarchokapitalismus als rechtsextreme Ideologie”. Eine “Hoppesche Denkschule” gibt es überhaupt nicht. Ich wäre Dir dankbar, wenn Du nicht nur mit Behauptungen arbeiten würdest, in dieser Diskussion.

    Kommentar von jo@chim — 23.11.05 23:27 #

  5. Dann nenn es eben “Leute, die den Hoppe nachplappern”, und davon habe ich eben schon eine ganze Menge gelesen und gesprochen. Er wurde auch in der Blogosphäre von einigen empfohlen; im Freiheitsforum spielte er eine ziemlich dominante Rolle in der Diskussion. Er ist also auch nicht gerade ein Außenseiter libertären Denkens und im Augenblick wohl der einzige halbwegs bekannte anarchokapitalistische Publizist – zumindest aber derjenige, der ohne den nötigen Widerspruch die größte Aufmerksamkeit genießt. Meiner Auffassung nach denkt er aber in vielerlei Hinsicht – etwa die Ablehnung der Demokratie oder der Befürwortung einer Stammesgesellschaft – nur konsequent zuende, wo viele Anarchokaps nur spielen wollen. Die Prämisse ist falsch, nicht die Umsetzung.

    Und wenn die von Hoppe geäußerten Ansichten nicht rechtsextrem sind, was dann? “Rechtsextremismus wird meist gebraucht als eine Sammelbezeichnung für politische Handlungsweisen und Ideologien, die den demokratischen Verfassungsstaat offen oder verdeckt ablehnen und durch eine auf das eigene Volk, eine Nation oder Rasse bezogene “Volksgemeinschaft” ersetzen wollen, wobei dieses Ziel stets mit einer ideologischen Abwertung und aktiven Ausgrenzung bestimmter Menschengruppen aus diesem Bereich verbunden ist.” Ersetze “Volksgemeinschaft” durch “Gemeinschaft der Libertären”, voilà, es stimmt bis in die Formulierungen hinein.

    Kommentar von Karsten — 24.11.05 00:01 #

  6. Anarchokapitalismus ala Hoppe klingt irgendwie nach dieser Posse Comitatus Bewegung in den USA: Zwergstaatsidee, keine Steuern … ;-)

    Kommentar von Klaus Brüssel — 24.11.05 00:04 #

  7. Die Demokratie (als Synonym für den Umverteilungsstaat, nicht demokratische Verfahrensweisen) abzulehnen ist nicht “rechtsextrem”. Wo steht die Befürwortung einer “Stammesgesellschaft” zu lesen?

    Kommentar von jo@chim — 24.11.05 00:09 #

  8. @KB: Yep. Ich glaube auch, dass er sich bei derlei Volk anbiedern will.

    Kommentar von jo@chim — 24.11.05 00:11 #

  9. Wer Umverteilungsstaat meint, soll Umverteilungsstaat schreiben. Wer hingegen von Demokratie schreibt und diese ablehnt, muss damit leben, dass ich ihn beim Wort nehme.
    Die Konzentration auf die biologische Familie und kleine, geschlossene Gemeinschaften, die sich vor allem durch die Ausgrenzung anderer definieren, würde ich als ein Plädoyer für eine Stammesgesellschaft bezeichnen.

    Kommentar von Karsten — 24.11.05 00:21 #

  10. Über die “natürliche Elite” im Anarchokapitalismus.

    Kommentar von Robert Grözinger — 24.11.05 08:39 #

  11. [...] Womit wir bei Hans Hermann Hoppe wären, der konsequent weiterdenkt, wo (wie ich schon beim Antibürokratieteam anmerkte) viele andere Anarchokapitalisten „nur spielen“ wollen. Wenn sich eine anarchokapitalistische Gesellschaft auf die Bestätigung und Erhaltung der gegebenen Eigentumsverhältnisse konzentrieren will, dann muss sie zu ihrer Stützung auf nichtstaatliche, ultraautoritäre Machtstrukturen setzen, die den Besitzenden eine führende Rolle in der öffentlichen Diskussion und einen exklusiven Zugriff auf Gewaltmittel sichert. Nur eine völlig statische Gesellschaft unter dem moralischen Deckmäntelchen absoluter Freiheit (namentlich der Freiheit zur gewaltsamen Unterdrückung von Abweichung) erlaubt es, auch rechtlich zweifelhafte Eigentumsverhältnisse vor den Verlierern vorangegangener Umverteilung und wirtschaftlicher Unterdrückung dauerhaft zu verteidigen. Demokratie und die Prinzipien der Offenen Gesellschaft wären bei einem solchen Ziel hingegen eher hinderlich. [...]

    Pingback von Liberale Stimme Online : — 24.11.05 19:19 #

  12. [...] Auf den Seiten von Liberale Stimme Online veröffentlicht Karsten Dürotin unter dem Titel Eigentümlich unfrei? eine Präzisierung seiner Kritik am libertären Erzreaktionär Hans-Hermann Hoppe – meines Erachtens nach wie vor die Thesen Hoppes auf alle anarchokapitalisitischen Positionen pauschalisierend und von einem völlig unhinterfragten “Demokratie”-Begriff ausgehend. Ich befürchte allerdings, dass er eine “offene Flanke” der Libertären durchaus korrekt erkannt hat, wenn er schreibt: [...]

    Pingback von antibuerokratieteam.de » Hoppe-Debatte zum Zweiten und Dritten — 25.11.05 18:35 #

  13. [...] – Hans-Herrmann Hoppe – ein libertärer Erzreaktionär [...]

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  14. [...] (hier im Rahmen einer passenden Linkliste) ganz im Sinne des antidemokratischen Gottes Hans-Hermann Hoppe schon [...]

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