Freiheitsfabrikanten
Freiheitsfabrik: Der Markt – Libertäres Denkwerk. So nennen die Autoren Michael Kastner und Andreas Ullrich ihr neues Weblog, das ich – der Einfachheit halber – unter der Bezeichnung Freiheitsfabrik in meiner Blogroll verlinkt habe.
Aus Ziel + Credo, Ihrer Selbstdarstellung:
Alltag ist Anarchie. Die meisten Entscheidungen treffen wir, ohne dass es dafür Gesetze gäbe oder wir auch nur danach fragten. Wo es jedoch Gesetze gibt, haben sie verheerende Auswirkungen auf das Zusammenleben der Menschen. Wir wollen keine ‚Theorie der Anarchie‘ schreiben, sondern eine kohärente Handlungslogik anarchistischen Lebens und Denkens auf der Grundlage moralischer Entscheidungen. Wir möchten zeigen, warum die Anarchie wichtig ist, weshalb sie funktioniert und wie jeder Einzelne, so er es denn möchte, mehr Anarchie in sein Leben bringen kann und so dem Chaos des Staates die Vernunft einer freien sozialen Ordnung entgegen zu setzen.
Damit beziehen sich meine Kollegen zwar mit deutlich mehr Optimismus auf die Anarchie als ich. Die Lust am produktiven Chaos und das Eintreten für eine freie soziale Ordnung ist uns aber ganz sicher gemeinsam :)
Mein Fazit: Eine Bereicherung am Markt der liberalen und libertären Blogs !
10 Kommentare »
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Ich möchte dir hier widersprechen. Ich werde diesen Blog nicht auf meine Blogroll setzen. Anarchie ist kein Konzept, aus dem ich irgendetwas Positives für die Freiheit und das Wohlergehen von Menschen ableiten könnte. Anarchie ist Horror! Bei den aktuellen Kommentaren fällt mir der Beitrag von A. Ullrich zum Fall “Schiavo” auf. Schlimmer geht es nicht mehr. Mich trennen Welten von diesen Ansichten. Der “Fall Schiavo” läßt uns im übrigen erahnen, wozu Anarchie in der Praxis tatsächlich führen würde, nämlich Gewalt.
Kommentar von Wolfgang — 30.03.05 11:30 #
Lieber Wolfgang: “Anarchie ist Gesetz und Freiheit – ohne Gewalt”, so hat das Kant einmal ausgedrückt. Keine Horrorvorstellung für mich, sondern eine positive Utopie.
Angesichts des Gewaltpotenzials als Teil des Mensch-Seins kann das aber imo nur Handlungsaufruf, nicht realistische gesellschaftliche Ordnungsvorstellung sein. “Anarchie jetzt!” wäre in der Tat eher Dystopie. Deshalb bezeichne ich mich selbst auch als radikalen Liberalen mit Hang zum Pragmatismus, nicht als Anarchisten.
Aber sollte ich deshalb den Freiheitsfabrikanten keinen Erfolg wünschen ?
Ich denke nicht, dass ich jetzt mit denjenigen, die ich in meiner Blogroll verlinkt habe gleich in Allem (oder auch nur der Majorität der Grundsatzfragen) übereinstimmen müsste – ich hab auch Kollegen mit deutlicher Affinität zu den Neocons in meiner Roll. Mit den Neocons verbindet mich aber bspw. nicht sehr viel – ausser der Unterstützung des “demokratischen Imperialismus”, wenn es um den Schutz Israels geht, und meinem Willen, dem widerlichen Antiamerikanismus entgegen zu treten, dem der lechts-rinke Mainstream in diesem Land und – leider – auch viele Libertäre auf den Leim gehen. Die Kollegen haben ja inzwischen ebenfalls einen Iraq-Body-Count-Link als Knoblauch gegen Libertarian Falcons an ihrer Seite angebracht …
Wir benötigen die liberale und libertäre Debatte, nicht das Schmoren im eigenen Saft.
Den von Dir zitierten Satz von Andreas Ullrich bezüglich Frau Schiavo, aus dem man einen Aufruf zur Selbstjustiz folgern könnte, kann und will ich nur als zynisch gemeint verstehen: das Gewaltausschlussprinzip als Basis der Anarchie dürfte so etwas von selbst verbieten, oder Kollege Ullrich ?
Viel aufschlussreicher erscheint mir die Bemerkung “Es gibt keine ‘Lösung’, die schmerzlos wäre, ‘richtig’, ‘menschenwürdig’, ‘angemessen’ – wie IMMER gibt es nur Entscheidungen, Auswahlhandlungen, für die der Entscheider, der Auswähler das erleiden muss, was die Wahl in ihm selbst bewirkt und was im gesellschaftlichen Umraum über ihn verhängt wird.” Dies – und die Kritik an der Instrumentalisierung der Tragödie um Terri Schiavo – kann ich nur unterstützen.
Kommentar von jo@chim — 30.03.05 17:07 #
Hi.
Danke für Deine Toleranz @jo@chim – one hand washes the other ;-)
@Wolfgang
Wenn man Dein Liebstes verdursten lässt und der Staat, das Krankenhaus und Millionen Menschen mit Millionen Litern Wasser stehen drum rum und weinen sich die gefühlvollen und gesetzestreuen Augen aus den leeren Köpfen – dann ist das SOOOO o.k., dass Du Dich in die Reihe der Zuschauer einreihen würdest, weinen und klagen – und kein Wasser reichen? DAS ist nicht meine Vorstellung von der Würde des Menschen. Meine Vision der bewaffneten Eltern (die keinesfalls sarkstisch gemeint war) ist keine Gewalt gegen Unschuldige, sondern Notwehr gegen fremde Gewalt.
Anarchie ist weder der links-rechts-backige Jesus noch pazifistisch. Sie lehnt nur Gewalt gegen Gewaltlose grundsätzliche ab. Notwehr und Nothilfe fallen nicht unter diesen Gewaltverzicht.
Gruss
Andreas Ullrich
Kommentar von Andreas Ullrich — 30.03.05 17:55 #
Es ist nicht “man”, der jemanden verdursten läßt, sondern es passiert auf den Wunsch des Vormundes der Terri Schiavo, was mehrfach von Gerichten überprüft worden ist. Terri war erwachsen und verheiratet, und daher ist die Meinung der Eltern irrelevant. Das Abstellen der Ernährung ist ferner keine Gewaltinitiierung gegen Terri Schiavo, da diese sich nach dem Ausfall ihres Bewusstseins in einem anhaltend vegetativen Zustand befindet. Die konkrete Form des Sterbens ist auch keine Entscheidung von Michael Schiavo, sondern ist Gesetzeslage. Von man sich die Eltern von Terri ansieht, fällt auf, dass diese kritisieren, dass ihre Tochter durch Morphium getötet werden könnte, das Verhungernlassen scheint für sie also eine vorziehenswerte Alternative zu sein. Tatsächlich läßt der Fall Schiavo erahnen, was Anarchie bedeuten könnte. Bidininotto spricht hier von einem “anarchischem Geschwätz” einiger Politiker und Fernsehmoderatoren, die eine Gefahr für eine freie Gesellschaft darstellt.
Kommentar von Wolfgang — 31.03.05 08:19 #
WAU! “Bidininotto spricht hier von einem “anarchischem Geschwätz” einiger Politiker und Fernsehmoderatoren, die eine Gefahr für eine freie Gesellschaft darstellt.”
DoppelWau! Das haut mich jetzt echt vom Sockel. Diese Reife und Tiefe der Argumentation … (wer ist der Bursche / die Burschin eigentlich: dieses brilliante Geistesfeuerwerk mach Lust auf MEER!)
Ansonsten freuen Sie sich doch einfach darüber, dass Sie offensichtlich die Fähigkeit haben, blind der Gesetzeslage zu vertrauen. Das erspart eigenes Denken (vom Fühlen rede ich bei einem Objektivisten erst gar nicht, sonst werde ich noch als ‘altruistisch’ gebrandmarkt) und ermöglicht Ihnen, in weiten Bereichen entscheidungsfrei zu leben.
Nur so als Assotiation: ich lese gerade Aly: Hitlers Volksstaat. Da wird wunderbar gezeigt, wie (anfangs noch ganz zivil und beamtenkorrekt) ‘nach Gesetzeslage’ Unrecht ohne Ende vorbereitet und begangen wird. Ihre Argumentation bezüglich des unbesehenen Recht-Habens von Gesetz+Gericht würde mir jedenfalls nicht mehr über die Lippen kommen und im Munde verdorren.
Dieses Verdursten würde sogar ich begrüssen.
Kommentar von Andreas Ullrich — 31.03.05 10:20 #
Ladies and Gentlemen ! Wollen wir nicht alle die nötige Contenance bewahren und etwas freundlicher (bzw. falls das aus emotionalen Gründen nicht möglich sein sollte: wenigstens sachlicher) miteinander diskutieren ?
;-)
Kommentar von jo@chim — 31.03.05 10:28 #
Hier ist der Link von Robert Bidinottos Blog, wo er den Fall Schiavo diskutiert.
http://bidinotto.journalspace.com/?cmd=displaycomments&dcid=252&entryid=252
Ich folge keineswegs der Auffassung, das alles, was Gerichte beschließen, richtig ist. Ich Fall Schiavo bejahe ich dies allerdings. Was das Aushungern und Verdursten angeht: Wir kennen alle die Alternative, aber ich möchte jetzt wirklich keine Debatte über Euthanasie in diesem Rahmen beginnen. Bidinottos Ausdruck von “anarchischem Geschwätz” bezog sich allerdings nicht auf reale Anarchisten, sondern in diesem Fall auf Konservative. Und wie soll man einen Ausspruch wie “Zum Teufel mit der Gewaltenteilung!” denn bewerten?
Kommentar von Wolfgang — 31.03.05 15:29 #
Danke für den Hinweis.
Im Übrigen bin ich ein extremer Befürworter der Gewaltenteilung: solange teilen, bis man beim Unteilbaren, beim Individuum gelandet ist :-)
Kommentar von Andreas Ullrich — 31.03.05 17:02 #
Ich möchte noch einmal betonen, dass meine Nichtempfehlung für die Freiheitsfabrik nicht bedeutet, dass ich erwarte, dort nur Unsinn zu lesen. Michael Kastners Beitrag über Disneyland etwa hat mir schon gefallen. Ich denke, dass es einfach eine Sache der Glaubwürdigkeit ist, wenn man einen bestimmten politischen und philosophischen Ansatz nicht teilt, dass auch klar zum Ausdruck zu bringen. Ich habe auch zum Beispiel den Blog des Kollegen von (neo)konservativ nicht mehr auf meiner Blogroll, auch wenn ich dort hin und wieder vorbeischaue.
Kommentar von Wolfgang — 01.04.05 11:25 #
Das der Staat im Namen der Gerechtigkeit viele Greueltaten unternimmt, ist kein Thema. So größer der Staat so häufiger die Fehler, stimmt auch. Wie aber die endgültige Gerechtigkeit aussehen würde in einer Anarchistischen Gesellschaft kann ich mir nicht richtig vorstellen, es gibt kein historisches Prezedent, so weit ich weiß. Wenn man auf Pionier Gesellschaften,ZB in Amerika, Australien oder Süd Afrika schaut, sie formten unter Bedrohung eine Regierung, und wenn sie aus eine wöchentliche Versammelung in der Kneipe bestand. Auf alle Fälle der Beschluß der Gruppe wurde angenommen und ausgeführt, sie tolerierten keine Abtrünnigen.
Kommentar von bitter_twisted — 07.04.05 21:48 #